
Rüstung ohne Rohstoffe: Wie Berlin sich in die China-Falle manövriert

Zwei Meldungen vom selben Tag, die zusammen ein unbequemes Bild ergeben: Audi will Ingenieure und Facharbeiter an Rüstungskonzerne verleihen. Gleichzeitig untersagt die Bundesregierung der chinesischen Staatsreederei Cosco die Übernahme der Hamburger Spedition Konrad Zippel. Deutschland will also massiv aufrüsten und legt sich dabei mit genau dem Land an, ohne dessen Rohstoffe kaum eine Rakete fliegt.
Vom A3 zum Marschflugkörper
Medienberichten zufolge bietet die VW-Tochter ihren Beschäftigten befristete Einsätze bei Diehl, Airbus, MBDA und KNDS an. Gesucht werden Ingenieure, Qualitätsingenieure, Projektmanager und Werkstattpersonal. Die Teilnahme sei freiwillig, die Mitarbeiter blieben bei Audi angestellt und behielten nach Angaben der Arbeitnehmerseite ihr bisheriges Gehalt. Grundlage sei laut IG Metall ein Tarifvertrag vom April 2026.
In der Presse macht bereits das Schlagwort „Taurus statt A3" die Runde. Es klingt zugespitzt, trifft aber den Kern. Die Branche, die über Jahrzehnte Deutschlands Wohlstand ins Ausland exportierte, wird zur Personalreserve der Waffenschmieden. Für die Betroffenen ist das verständlich, denn ein sicherer Job ist besser als gar keiner. Ein tragfähiges Industriekonzept ist es nicht. Rüstungsgüter haben im Kern einen einzigen Kunden, den Staat. Und der bezahlt mit dem Geld der Steuerzahler.
Das Veto von Hamburg
Wie nervös Berlin inzwischen auf China reagiert, zeigt der Fall Zippel. Cosco wollte 80 Prozent des Logistikers mit rund 350 Mitarbeitern und etwa 200 Lkw übernehmen. Das Bundeskartellamt hatte im Februar keine Einwände. Danach meldete der Verfassungsschutz Bedenken an, nun hat der Bund den Deal offiziell gestoppt. Begründet wird das mit dem Schutz kritischer Transportinfrastruktur.
Das kann man nachvollziehen. Die Pointe ist trotzdem bitter: Cosco hält bereits 24,99 Prozent am Hamburger Terminal Tollerort, eine Erlaubnis, die die Politik selbst erteilt hatte. In wenigen Jahren führte der Weg vom „Wandel durch Handel" über das „De-Risking" bis zum Veto gegen einen Mittelständler. Kritiker sehen darin keine Strategie, sondern Schadensbegrenzung im Rückwärtsgang.
Die Achillesferse heißt Seltene Erden
Das eigentliche Problem liegt tiefer. Nach Angaben des Elektroverbands ZVEI kamen 65,5 Prozent der deutschen Importe Seltener Erden aus China. Weltweit läuft rund 90 Prozent der Verarbeitung über die Volksrepublik. Bei einigen schweren Seltenen Erden für Permanentmagnete liegt der Marktanteil laut der Wirtschaftskammer Österreich sogar über 99 Prozent.
Peking nutzt diese Macht längst. Im April 2025 führte China Exportkontrollen für sieben Seltene Erden ein und verschärfte sie im Oktober noch einmal. Nach der Einigung mit Washington wurden sie für ein Jahr ausgesetzt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche musste ihren chinesischen Amtskollegen um ein „diskriminierungsfreies, transparentes und beschleunigtes Verfahren" für deutsche Firmen bitten. Deutschland bittet also, wo es eigentlich verhandeln müsste.
Bemerkenswert offen äußerte sich der Hauptgeschäftsführer des Rüstungsverbands BDSV, Hans Christoph Atzpodien. Man habe die Verarbeitung gern nach China ausgelagert, was nun nicht mehr funktioniere. Als Gründe nannte er Kosten, lange Genehmigungsverfahren und Widerstand vor Ort, also genau die Bürokratie, über die der Mittelstand seit Jahren klagt.
Massenproduktion braucht billige Rohstoffe
Granaten, Drohnen und Munition in Millionenstückzahl brauchen Stahl, Aluminium, Kupfer, Sprengstoffvorprodukte, Magnete und Halbleiter. Fast nichts davon fördert Deutschland selbst. Hinzu kommt Energie, die seit dem Ende der russischen Gaslieferungen deutlich teurer ist als bei der Konkurrenz. Und selbst wenn die EU ihr Ziel erreicht, die Abhängigkeit von einem einzelnen Drittstaat bis 2030 unter 65 Prozent zu drücken, stammen fast zwei Drittel weiterhin aus einer Quelle.
Wer zahlt die Rechnung?
Am Ende bleibt die Frage nach dem Geld. Sondervermögen sind Schulden, und für Schulden fallen Zinsen an. Kritiker warnen, dass höhere Produktionskosten ohne eigene Rohstoffbasis nur über höhere Steuern oder Inflation zu finanzieren seien. Beide Wege belasten Sparer und Arbeitnehmer.
Wer sein Erspartes vor dieser Entwicklung schützen will, sollte über Alternativen nachdenken. Physisches Gold und Silber sind seit Jahrhunderten unabhängig von Staatshaushalten und Notenbanken. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie eine sinnvolle Absicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.

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