
Stromhunger ohne Leitungen: Südostasiens Energiewende stockt!

Südostasien braucht bis 2030 mehr als 100 Terawattstunden zusätzlichen Strom, doch die Netze halten nicht mit. Seit der Iran-Krieg im Februar die Straße von Hormus dichtgemacht hat, kämpft die Boomregion mit Ölschock, Rationierungen und Notstandsmaßnahmen. Jetzt schlägt die Internationale Energieagentur (IEA) Alarm. Und ihre Warnung sollte man auch in Berlin genau lesen.
Als Hormus schloss, gingen in Asien die Lichter aus
Den Auslöser bildete der Militäreinsatz der USA und Israels gegen den Iran. Als Teheran im Februar die Meerenge sperrte, traf der Lieferstopp asiatische Käufer zuerst und am härtesten. Südostasien hängt stark an importiertem Öl und Gas und hat wenig finanziellen Spielraum, um solche Schocks abzufedern.
Die Folgen waren drastisch. Die Philippinen riefen einen nationalen Energienotstand aus. In der ganzen Region verordneten Regierungen Energierationierung, Homeoffice-Pflichten und teilweise sogar Vier-Tage-Wochen. Hormus wird inzwischen schrittweise wieder geöffnet, doch die Preise bleiben hoch: Brent-Öl kostet aktuell um die 105 US-Dollar pro Barrel.
Die IEA mahnt: Wer allein kämpft, verliert
In ihrem neuen Bericht zur Energiesicherheit der ASEAN-Staaten liefert die IEA ernüchternde Zahlen. Der Energieverbrauch pro Kopf sei in Südostasien binnen eines Jahrzehnts um fast 30 Prozent gestiegen. Die eigene Rohölförderung liege dagegen rund 40 Prozent unter dem Höchststand der 1990er-Jahre. Die Stromnachfrage solle von 2026 bis 2030 um durchschnittlich etwa 5,4 Prozent pro Jahr wachsen.
„Energy security must be built into decisions across the whole system from oil stocks and gas infrastructure to electricity grids and more efficient use of energy.“
So formulierte es IEA-Chef Fatih Birol. Die ASEAN-Länder sollten demnach enger zusammenarbeiten, ihre Ressourcen bündeln und gemeinsam auf Störungen reagieren. Die Ergebnisse stellte die Agentur am 7. Oktober den Energieministern der Region in Manila vor.
Solarparks ja, Stromnetz nein
Hier liegt das eigentliche Problem. Solaranlagen sprießen überall aus dem Boden, aber Netzausbau, Speicher und Übertragungsleitungen hinken weit hinterher. Eine Studie der Beratung Bain & Company und der Bank Standard Chartered vom Mai beschreibt das Ausmaß: Zwischen 2021 und 2025 seien in Vietnam, Thailand und Indonesien 50 bis 60 Prozent der Erneuerbaren-Projekte gestrichen worden oder ins Stocken geraten.
Laut Medienberichten nennen die Studienautoren dafür mehrere Gründe:
- unklare Stromabnahmeverträge
- lange Genehmigungsverfahren
- fehlende Netzanschlüsse
- Hürden für privates Kapital
- ständig wechselnde Tarif- und Förderregeln
Einige Beispiele wirken fast grotesk. Vietnam plane 17 Gigawatt Offshore-Wind, im Bau sei davon kein einziges Gigawatt. Indonesiens Solarprogramm habe gerade einmal rund zehn Prozent seiner Ziele erreicht.
Das Zeitproblem
Den größten Druck machen Rechenzentren, Elektroautos und neue Industrieparks. Diese Nachfrage entsteht innerhalb von ein bis drei Jahren. Ein Stromnetz zu bauen dauert dagegen fünf bis fünfzehn Jahre. Bis 2035 fehlen der Studie zufolge jährlich rund 18 Milliarden US-Dollar an Netzinvestitionen. Das Kapital fließt deshalb dorthin, wo es tatsächlich Strom gibt, und nicht dorthin, wo Politiker die schönsten Ziele verkünden.
Eine Lektion, die Deutschland kennt
Vielen deutschen Lesern dürfte das bekannt vorkommen. Auch hierzulande hinkt der Netzausbau den politischen Ausbauzielen hinterher, auch hier bremsen Bürokratie und Genehmigungschaos. Ambitionierte Ziele ersetzen keine Leitungen. Das gilt in Hanoi genauso wie in Berlin.
Für Sparer zeigt die Krise noch etwas anderes. Eine einzige gesperrte Meerenge reicht, um ganze Volkswirtschaften in den Notbetrieb zu zwingen. Energieschocks treiben die Inflation und setzen Währungen unter Druck. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber hängen an keiner Lieferkette und an keinem Stromnetz. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie deshalb ein sinnvoller Stabilitätsanker sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
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