
Schwarzmarkt boomt: Warum die Politik die falschen Waffenbesitzer jagt

Das Bundeskriminalamt schlĂ€gt Alarm. Im Jahr 2025 hat die Polizei bundesweit 37.475 VerstöĂe gegen das Waffengesetz erfasst, 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Spur fĂŒhrt zu Schmugglern, FĂ€lscherwerkstĂ€tten und HĂ€ndlern im Darknet. Trotzdem richtet sich der politische Eifer in Berlin auffallend oft gegen BĂŒrger, die ihre Waffen ganz legal im Tresor aufbewahren.
Die Zahlen hinter dem Alarm
Laut dem im August vorgestellten Bundeslagebild WaffenkriminalitĂ€t 2025 stieg die Zahl der TatverdĂ€chtigen um 5,6 Prozent auf 34.866. Besonders auffĂ€llig: In 5.281 FĂ€llen drohten TĂ€ter mit einer Schusswaffe. Das sind 12,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der tatsĂ€chlich abgegebenen SchĂŒsse sank dagegen um 8,7 Prozent auf 4.360.
FĂŒr die Einordnung ist ein Punkt wichtig: Das BKA spricht bei Waffendelikten von KontrollkriminalitĂ€t. Wer mehr kontrolliert, findet auch mehr. Der Anstieg zeigt also zum Teil den gewachsenen Fahndungsdruck. Er zeigt aber auch, wie viele illegale Waffen im Umlauf sind.
Glock-Kopien im Sattelauflieger
Wo die eigentliche Gefahr liegt, zeigt ein Fall aus Bayern. Ermittler fanden dort 119 schussfĂ€hige Nachbauten von Glock-Pistolen, versteckt in einem abgetrennten Teil eines Sattelaufliegers. Die FĂ€lschungen sehen tĂ€uschend echt aus und tragen gefĂ€lschte Seriennummern. Nach EinschĂ€tzung der Behörden kommen sie aus illegalen Fabriken mit Massenproduktion, die vor allem in der TĂŒrkei vermutet werden.
Dazu kommen umgebaute Schreckschusswaffen und Pistolen aus dem 3D-Drucker. Deren Zahl liegt zwar noch im zweistelligen Bereich, doch die QualitĂ€t steigt laut BKA deutlich. Bauanleitungen kursieren in Foren, im Darknet und in verschlĂŒsselten Messengern. Straftaten rund um Waffen im Internet nahmen 2025 um 22,8 Prozent zu.
Europol gegen die Netzwerke
EuropĂ€ische Ermittler gehen gegen die Lieferketten vor. Bei der Europol-Aktion âConversusâ im Jahr 2023 stellten Behörden aus 31 LĂ€ndern mehr als 1.600 Waffen, 276 Kilogramm Sprengstoff und 299 ZĂŒnder sicher. 22 mutmaĂliche HĂ€ndler wurden festgenommen. Die meisten Waffen waren laut Europol Alarmpistolen, die legal aus der TĂŒrkei eingefĂŒhrt und danach illegal zu scharfen Waffen umgebaut worden seien. Als wichtigste Quelle fĂŒr nicht registrierte Schusswaffen gilt dem BKA zufolge weiterhin der Westbalkan. FĂŒr einen organisierten Abfluss von Waffen aus dem ukrainischen Kriegsgebiet nach Deutschland gebe es derzeit keine Hinweise.
JĂ€ger und SchĂŒtzen als SĂŒndenböcke?
Und die Politik? Nach jedem schweren Verbrechen folgt fast immer dieselbe Debatte: strengere Regeln, mehr Auflagen, neue PrĂŒfungen. Treffen wĂŒrden sie vor allem JĂ€ger, SportschĂŒtzen und Sammler. Schon das Sicherheitspaket nach dem Anschlag von Solingen 2024 verschĂ€rfte das Waffenrecht erneut. Doch wer glaubt ernsthaft, dass sich ein DrogenhĂ€ndler mit geschmuggelter Glock-Kopie an neue Formulare der Waffenbehörde hĂ€lt?
Aus Sicht unserer Redaktion ist das Symbolpolitik, die die Falschen trifft. Legale Waffenbesitzer sind behördlich registriert, werden regelmĂ€Ăig auf ihre ZuverlĂ€ssigkeit geprĂŒft und mĂŒssen ihre Waffen sicher lagern. Die echte Bedrohung wĂ€chst dort, wo der Staat aus Sicht vieler Kritiker seit Jahren zu wenig hinschaut: an durchlĂ€ssigen Grenzen, im Paketversand und in Strukturen der organisierten KriminalitĂ€t.
Auch das Lagebild nennt klare Zahlen. 2025 liefen zehn Verfahren gegen die organisierte KriminalitĂ€t mit dem Schwerpunkt Waffenhandel. Die VerdĂ€chtigen hatten ĂŒberwiegend die deutsche, tĂŒrkische oder bosnisch-herzegowinische Staatsangehörigkeit. Unter allen TatverdĂ€chtigen bei Waffendelikten lag der Anteil der Nichtdeutschen bei 34,7 Prozent.
Woran sich Schwarz-Rot messen lassen muss
Die Regierung von Friedrich Merz hat eine Wende bei der inneren Sicherheit versprochen. Messen lassen muss sie sich daran, ob sie Schmuggelrouten schlieĂt, FĂ€lscherringe zerschlĂ€gt und Zoll und Ermittlern genug Personal gibt. Neue Vorschriften fĂŒr SchĂŒtzenvereine sind dagegen kein Erfolg. Wer die Sicherheitslage wirklich verbessern will, muss dort ansetzen, wo die Waffen tatsĂ€chlich herkommen: auf dem Schwarzmarkt.
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