
Trauerwache im Visier: Aktivisten fotografieren Hinterbliebene

In Frankfurt am Main haben linke Aktivisten am Samstag eine Gedenkveranstaltung für Todesopfer von Gewalttaten durch Migranten begleitet – mit der Kamera. Anschließend erschien im Netz ein Beitrag, der die Trauerwache als „rassistische Demonstration“ einordnet. Zahlreiche Fotos von Teilnehmern wurden dem Bericht zufolge offenbar ohne deren Einwilligung veröffentlicht.
Wer hier trauert, trauert um eigene Kinder
Es war die dritte „Trauerwache Deutschland“ in Frankfurt. Die Initiative erinnert an Menschen, die in den vergangenen Jahren durch Gewalttaten von Asylbewerbern oder Migranten ums Leben kamen. Getragen wird sie nicht von Parteien, sondern von Betroffenen.
Zum Organisationsteam gehört Michael Kyrath. Seine Tochter Ann-Marie, 17 Jahre alt, wurde am 25. Januar 2023 in einem Regionalzug bei Brokstedt getötet – zusammen mit ihrem 19-jährigen Freund Danny. Ann-Marie erlitt 26 Messerstiche. Der Täter, ein staatenloser Palästinenser, wurde im Mai 2024 vom Landgericht Itzehoe zu lebenslanger Haft verurteilt, bei besonderer Schwere der Schuld; der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil.
Auch an den Mannheimer Polizisten Rouven Laur wurde bei der Trauerwache erinnert. Er starb im Juni 2024 nach einem Messerangriff auf dem Mannheimer Marktplatz.
Zwei Fotografen, ein Netz-Pranger
Nach Angaben mehrerer Teilnehmer waren zwei Fotografen des „Dokunetzwerks Rhein-Main“ vor Ort. Bei einem von ihnen handele es sich – so der Bericht, gestützt auf Fotos des Teams – mutmaßlich um einen früheren Direktkandidaten der Linkspartei bei einer hessischen Landtagswahl.
Im veröffentlichten Text werfen die Aktivisten den Organisatoren vor, „schwere Gewalttaten und Anschläge in Deutschland zu instrumentalisieren, um rassistisch motivierte Stimmung gegen Geflüchtete und Menschen mit Migrationsgeschichte zu erzeugen“. Die Initiative gebe sich „harmlos“ und sei in Wahrheit ein „Vernetzungsort“ verschiedener rechter Szenen.
Kritisiert wird auch die anwesende Journalistin Julia Ruhs, die für den BR und die Bild-Zeitung arbeitet. Über ihren Auftritt heißt es:
„In ihrer Rede wetterte Ruhs gegen ,illegale‘ und ,falsche‘ Migration und rechnete Gewalt- und Sexualstraftaten einseitig Menschen mit Migrationsgeschichte zu“.
Ruhs ist seit Monaten Ziel öffentlicher Angriffe: Medienberichten zufolge trennte sich der NDR nach internem Protest von rund 250 Mitarbeitern von ihr als Moderatorin des Formats „Klar“, während der BR an ihr festhielt. Ein Vorgang, der aus Sicht vieler Zuschauer mehr über den Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aussagt als über die Journalistin.
Wenn Trauer zum Politikum erklärt wird
Aus Sicht unserer Redaktion ist hier eine Grenze überschritten. Man kann über Redner, Flaggen und politische Trittbrettfahrer streiten. Aber Eltern, die ihr Kind durch ein Verbrechen verloren haben, den Vorwurf der „Instrumentalisierung“ entgegenzuhalten, wirkt kalt – und für viele Bürger wie eine Einschüchterung durch die Kameralinse.
Der Streit trifft einen Nerv, weil die Zahlen unbequem sind: Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für Deutschland ein Rekordniveau bei erfassten Straftaten und einen deutlichen Anstieg bei Messerangriffen aus. Kritiker der Migrationspolitik sehen darin die Folge jahrelanger politischer Versäumnisse. Wer das Benennen dieser Realität pauschal als Rassismus abstempelt, bekämpft nicht den Hass, sondern die Debatte.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Er beruht auf den uns vorliegenden Informationen und gibt die Einschätzung unserer Redaktion wieder.
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