Kostenlose Beratung
07930-2699
280.000
Kunden
Sicherer
Versand
Kettner Edelmetalle

Bundesbank im sechsten Verlustjahr: Warum die Goldreserve die Bilanz trägt

Chart wird geladen

Zum sechsten Mal in Folge fließt kein Geld aus Frankfurt in den Bundeshaushalt. Die Deutsche Bundesbank weist für 2025 einen Jahresfehlbetrag von 8,6 Milliarden Euro aus, der aufgelaufene Bilanzverlust liegt bei 27,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig kletterte allein die Goldposition um 125 Milliarden auf 395 Milliarden Euro und trug die Bilanz. Dieser Widerspruch ist kein Buchhaltungstrick, sondern das Ergebnis klarer Bewertungsregeln. Und er erklärt, warum in Europa gerade wieder über den Zugriff auf Goldreserven diskutiert wird.

Sechs Jahre ohne Überweisung an den Bund

Über Jahrzehnte gehörte der Bundesbankgewinn zu den verlässlichen Einnahmeposten des Bundeshaushalts. Diese Zeit ist vorerst vorbei. Zuletzt führte die Notenbank für das Geschäftsjahr 2019 einen Gewinn ab, damals 5,85 Milliarden Euro und die höchste Summe seit der Finanzkrise. Seitdem ist die Zahlung ausgeblieben. Bei der Vorlage des Jahresabschlusses Anfang März 2026 stimmte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel auf weitere magere Jahre ein. Auch für das laufende Jahr erwartet die Notenbank ein Minus. Der Bilanzverlust dürfte sogar noch einige Zeit wachsen, bevor er wieder abgebaut werden kann.

Immerhin hat sich die Ertragslage spürbar verbessert. Nach 19,8 Milliarden Euro Minus im Jahr 2024 sank der Jahresfehlbetrag um mehr als die Hälfte auf 8,6 Milliarden Euro. Auch der Nettozinsertrag entwickelte sich deutlich besser, von minus 13,1 auf minus 4,2 Milliarden Euro. Diese Größe ist der wichtigste Posten der Bundesbank-Rechnung, denn sie zeigt, was nach Abzug aller gezahlten Zinsen von den eingenommenen Zinsen übrig bleibt. Sie ist weiter negativ, belastet das Ergebnis aber längst nicht mehr so stark wie zuvor.

Drei Begriffe sorgen dabei regelmäßig für Verwirrung. Der Jahresfehlbetrag ist das Minus eines einzelnen Geschäftsjahres. Der Verlustvortrag bündelt die aufgelaufenen Verluste der Vorjahre, für 2025 waren das 19,2 Milliarden Euro. Beides zusammen ergibt den Bilanzverlust von 27,8 Milliarden Euro. Er bleibt als offener Posten stehen und wandert ins Jahr 2026 weiter.

Bilanzdokument und Goldbarren auf einem dunklen Schreibtisch im Licht einer Lampe
Verlust und Goldbestand stehen in derselben Bilanz, verrechnet werden sie aber nicht miteinander.
Ausgewählte Positionen des Bundesbank-Jahresabschlusses 2025
PositionWert Ende 2025Veränderung zum Vorjahr
Jahresfehlbetrag8,6 Mrd. EuroMehr als halbiert
Bilanzverlust (aufgelaufen)27,8 Mrd. Euro+8,6 Mrd. Euro
Nettozinsertrag−4,2 Mrd. Euro+8,9 Mrd. Euro
Bilanzsumme2.349 Mrd. Euro−24 Mrd. Euro
Geldpolitische AnleihebeständeRückläufig−122 Mrd. Euro
Goldposition395 Mrd. Euro+125 Mrd. Euro
Bewertungsreserven gesamt388 Mrd. Euro+121 Mrd. Euro
Davon Neubewertungsreserve Gold387 Mrd. Euro+125 Mrd. Euro
Nettoeigenkapital363 Mrd. Euro+112 Mrd. Euro

Woher der Verlust kommt

Wer eine Notenbankbilanz verstehen will, braucht nur eine einfache Unterscheidung. Die eine Seite listet auf, was die Bundesbank besitzt, also Gold, Devisen und Wertpapiere. Die andere Seite zeigt, was sie schuldet, vor allem Guthaben der Geschäftsbanken und das umlaufende Bargeld. Fachleute sprechen von Aktiv- und Passivseite. Das Zusammenspiel dieser beiden Seiten erklärt sowohl den Verlust als auch den Sprung beim Eigenkapital.

Der Fehlbetrag hat wenig mit dem Alltagsgeschäft der Bundesbank zu tun. Er stammt aus der Geldpolitik des Eurosystems. Über die Ankaufprogramme der Europäischen Zentralbank kaufte die Bundesbank jahrelang Anleihen mit niedriger, fest vereinbarter Verzinsung und teils sehr langen Laufzeiten. Diesen Papieren stehen kurzfristige Guthaben der Geschäftsbanken gegenüber, die zum jeweils gültigen Satz verzinst werden. Solange die Zinsen niedrig blieben, fiel das nicht weiter auf. Mit den kräftigen Leitzinserhöhungen 2022 und 2023 drehte sich das Verhältnis um. Seither zahlt die Notenbank für die Guthaben mehr Zinsen, als ihre Wertpapiere einbringen.

Wie groß diese Schere ist, lässt sich beziffern. Die geldpolitischen Wertpapiere warfen 2025 im Schnitt 0,58 Prozent ab. Für die Guthaben der Kreditinstitute zahlte die Bundesbank dagegen durchschnittlich 2,31 Prozent. Unter dem Strich bleibt eine negative Zinsmarge von 1,73 Prozent, immerhin deutlich weniger als die 3,28 Prozent des Vorjahres. Zugleich schrumpfte der betroffene Bestand im Jahresdurchschnitt um rund ein Viertel, weil fällige Papiere nicht mehr ersetzt werden.

Genau deshalb bezeichnet die Bundesbank die Belastungen als vorübergehend. Mit jedem Jahr, in dem Anleihen auslaufen, verkleinert sich das Missverhältnis. Die Rückkehr in die Gewinnzone ist damit eine Frage der Zeit, nicht der Substanz. Nur zieht sie sich. Nagel sprach von einer „langen Wegstrecke“. Ausschüttungen wird es auf absehbare Zeit nicht geben, denn künftige Überschüsse fließen zuerst in den Abbau des Verlusts und danach in den Wiederaufbau der Risikovorsorge, die bis 2023 vollständig aufgebraucht wurde.

Wie Gold in einer Notenbankbilanz bewertet wird

Die eigentlich interessante Mechanik steckt bei den Vermögenswerten. Nach den Rechnungslegungsregeln des Eurosystems bewertet die Bundesbank ihr Gold nicht zum einstigen Kaufpreis, sondern zum Marktpreis am Jahresende. Steigt der Goldpreis, steigt der Buchwert mit. Ermittelt wird das Jahr für Jahr neu.

Der Wertzuwachs zählt allerdings nicht als Gewinn. Er landet auf einem eigenen Konto, dem Ausgleichsposten aus Neubewertung, den die Bundesbank auch schlicht Neubewertungskonto nennt. Dort sammeln sich die Kursgewinne aus Gold, Devisen und Wertpapieren, die bislang nur auf dem Papier bestehen. Zu echtem Ertrag werden sie erst, wenn das Metall tatsächlich verkauft wird. Ohne Verkauf bleibt der Buchgewinn ein Polster, kein Einkommen.

Das Prinzip dahinter ist bewusst vorsichtig angelegt und wirkt in beide Richtungen unterschiedlich stark. Fällt der Goldpreis, zehrt der Rückgang zunächst an diesem Polster. Reicht es nicht aus, schlägt die Abwertung direkt auf das Jahresergebnis durch. Kursgewinne darf die Notenbank also nicht vereinnahmen, Kursverluste können sie dagegen sehr wohl treffen. Für eine Institution, deren Aufgabe Preisstabilität und nicht Ertragsmaximierung ist, ergibt das Sinn. Es verhindert, dass eine Zentralbank Gewinne ausschüttet, die sich im nächsten Jahr in Luft aufgelöst haben.

Hier stoßen viele Leser auf einen scheinbaren Widerspruch. Auf der einen Seite stehen 388 Milliarden Euro Bewertungsreserven, auf der anderen 27,8 Milliarden Euro Bilanzverlust. Warum wird das nicht einfach gegeneinander aufgerechnet? Die Antwort ist buchhalterisch eindeutig. Ein Bilanzverlust darf nach den geltenden Regeln nicht mit den Bewertungsreserven verrechnet werden. Diese Reserven spiegeln reine Wertänderungen wider, keine erwirtschafteten Erträge. Die Bundesbank schiebt ihre Verluste deshalb vor sich her und tilgt sie später aus eigener Kraft.

Was die Reserven leisten, ist etwas anderes. Sie belegen, dass hinter der Bilanz echte Werte stehen. Ende 2025 lagen sie um ein Vielfaches über dem aktuellen und dem erwarteten Verlust. Genau darauf zielte die Kernbotschaft aus Frankfurt, dass die Notenbank auch mit einem Bilanzverlust voll handlungsfähig bleibt. Anders als ein Unternehmen kann eine Zentralbank in ihrer eigenen Währung ohnehin nicht zahlungsunfähig werden. Ein Blick in die Geschichte stützt das. Schon in den 1970er Jahren wies die Bundesbank Verluste aus. Auch damals verfügte sie über stille Reserven aus Gold und Devisen und baute die Verluste mit späteren Gewinnen wieder ab.

Chart wird geladen

Warum das Nettoeigenkapital trotz Verlust um 112 Milliarden stieg

Die Zahl, die den Jahresabschluss 2025 prägt, ist nicht der Fehlbetrag. Es ist der Sprung im Nettoeigenkapital, also in dem Vermögen, das nach Abzug aller Verpflichtungen übrig bleibt. Es stieg um 112 Milliarden auf 363 Milliarden Euro, ein Zuwachs von knapp 45 Prozent. Getragen hat ihn fast vollständig die Neubewertung des Goldes. Die Goldposition erreichte mit 395 Milliarden Euro einen historischen Höchstwert und glich den Rückgang der Anleihebestände von 122 Milliarden Euro nahezu aus. Die Bilanzsumme veränderte sich deshalb kaum und sank nur um 24 Milliarden auf 2.349 Milliarden Euro.

Bemerkenswert ist, dass dieses Muster kein einmaliger Effekt ist. Auch in den Vorjahren stieg das Nettoeigenkapital trotz Bilanzverlust, und jedes Mal war ein neuer Höchststand bei der Goldreserve der Grund. Der Hebel dahinter ist der Goldpreis. Anfang 2025 kostete die Feinunze in London noch rund 2.600 US-Dollar. Zum Jahresende waren es etwa 4.300 US-Dollar, Anfang März 2026 zum Zeitpunkt der Bilanzvorlage knapp 5.200 US-Dollar. Die Neubewertungsreserve für Gold beläuft sich damit auf rund 387 Milliarden Euro und ist nach Angaben der Bundesbank fast 19-mal so hoch wie zu Beginn der Währungsunion Anfang 1999.

Gegenläufig entwickelte sich die Reserve für Fremdwährungen. Sie verringerte sich um 4 Milliarden Euro, vor allem weil der US-Dollar gegenüber dem Euro schwächer notierte. Das zeigt nebenbei, dass die Bewertungsreserven keine Einbahnstraße sind. Jede Position kann für sich schwanken.

Chart wird geladen
Goldbarren auf spiegelnder Fläche vor einer angedeuteten steigenden Kurslinie
Die Goldposition wird zum Stichtagskurs bewertet. Der Buchwert folgt damit unmittelbar dem Marktpreis der Feinunze.

Was hinter der Bilanzposition tatsächlich liegt

Hinter dem Bilanzposten steht physisches Metall. Die Bundesbank verfügt über rund 3.350 Tonnen Gold und hält damit nach den Vereinigten Staaten die zweitgrößten staatlichen Reserven der Welt. Der Bestand ist bemerkenswert konstant. 2025 verringerte er sich um lediglich 1,26 Tonnen, und diese Menge floss in die Prägung deutscher Goldmünzen. Zukäufe oder nennenswerte Verkäufe finden nicht statt. Die gesamte Wertsteigerung von 125 Milliarden Euro stammt also allein aus der Neubewertung eines praktisch unveränderten Bestands.

Lagerorte der deutschen Goldreserven (Stand Ende 2025)
LagerortMengeAnteil
Bundesbank Frankfurt am MainRund 1.710 tGut 51 Prozent
Federal Reserve Bank of New YorkRund 1.236 tRund 37 Prozent
Bank of England, LondonRund 404 tRund 12 Prozent

Der Londoner Bestand sank 2025 um etwa eine Tonne, die Menge in New York blieb unverändert. Über die Frage, ob das Gold aus den USA nach Deutschland geholt werden sollte, wird seit Jahren gestritten. Nagel lehnt eine Rückholung ab. Die Argumente beider Seiten haben wir in einem eigenen Beitrag zu den deutschen Goldreserven bei der Fed aufbereitet. Für die Bewertung spielt der Lagerort ohnehin keine Rolle. Angesetzt wird der Bestand unabhängig davon, in welchem Tresor die Barren liegen.

Goldbarren auf einer Palette in einem Hochsicherheitslager mit langen Regalreihen
Hinter der Bilanzposition steht physisches Metall, rund 3.350 Tonnen, verteilt auf Frankfurt, New York und London.

Politische Begehrlichkeiten am Beispiel Italien

Wenn eine Bilanzposition binnen eines Jahres um 125 Milliarden Euro zulegt, bleibt das politisch nicht unbemerkt. Den deutlichsten Vorstoß gab es in Italien. Im Verfahren zum Haushaltsgesetz 2026 schlug der Senator Lucio Malan von der Regierungspartei Fratelli d'Italia Ende November 2025 vor, gesetzlich festzuschreiben, dass die von der Banca d'Italia verwalteten Goldreserven „dem Staat im Namen des italienischen Volkes“ gehören. Italien hält rund 2.452 Tonnen Gold im Wert von etwa 280 Milliarden Euro und damit nach den Vereinigten Staaten und Deutschland den drittgrößten staatlichen Bestand der Welt.

Die Reaktion aus Frankfurt fiel deutlich aus. Die EZB intervenierte zweimal und warnte, der Schritt könne die Unabhängigkeit der italienischen Notenbank untergraben. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte klar, dass Besitz und Verwaltung der Reserven nach den europäischen Verträgen allein Sache der jeweiligen nationalen Zentralbank sind. Am Ende landete die Passage tatsächlich im Haushaltsgesetz, das zum 1. Januar 2026 in Kraft trat, allerdings in entschärfter Fassung. Nach einem Gespräch zwischen Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti und Lagarde kam ein ausdrücklicher Verweis auf den EU-Vertrag hinzu.

An den Eigentumsverhältnissen ändert das nichts, denn Zentralbankgold gilt in Italien ohnehin als öffentliches Vermögen. Entscheidend ist, wer darüber verfügen darf, und das bleibt die Notenbank. Der Vorstoß war damit vor allem symbolisch. Er zeigt aber, wohin die Diskussion laufen kann.

Der ökonomische Kern der Debatte bleibt trotzdem relevant. Wer Reserven verkauft, um ein Haushaltsloch zu stopfen, erzielt einen einmaligen Erlös. Die strukturelle Lücke bleibt bestehen, und das Fundament fehlt danach. Hinzu kommt die Vertrauensfrage. Sichtbare Zugriffe auf Notenbankgold würden von den Kapitalmärkten als Schwächesignal gelesen, und zwar nicht nur für das betroffene Land. Und schließlich gibt es eine institutionelle Grenze, denn die Unabhängigkeit der Zentralbanken im Eurosystem ist vertraglich geschützt. Gold gilt in Europa als letzte Reserve, nicht als Liquiditätsquelle.

Für Deutschland stellt sich die Frage derzeit nicht in dieser Schärfe. Die Bundesbank verkauft kein Gold, und eine politische Mehrheit für einen Zugriff ist nicht erkennbar. Die Gründe dafür haben wir in einem eigenen Beitrag dazu ausgeführt, warum der deutsche Staat sein Gold nicht verkauft. Dass die Debatte in Europa aber überhaupt geführt wird, zeigt, welche Rolle Goldbestände in angespannten Haushaltslagen wieder spielen. Auch andernorts sind Zentralbanken seit Jahren wieder auf der Käuferseite.

News werden geladen…

Was Anleger aus der Bundesbank-Bilanz ableiten können

Der Jahresabschluss 2025 ist kein Anlageratgeber, aber er ist ein gut dokumentiertes Lehrstück über die Funktion von Gold in einer Bilanz. Drei Beobachtungen lassen sich übertragen, ohne dass daraus eine Prognose für künftige Preise wird.

  • Gold ist die Position ohne Gegenparteirisiko. Anleihen sind Forderungen gegen Schuldner, Devisen sind Forderungen in fremder Währung. Physisches Gold dagegen ist niemandes Verbindlichkeit. Dieser Unterschied zählt in Stressphasen.
  • Wertänderungen sind erst bei Verkauf real. Was für das Neubewertungskonto der Bundesbank gilt, gilt für den privaten Bestand genauso. Ein Buchgewinn ist kein Ertrag. Wer verkauft, realisiert, und wer hält, trägt weiter das Preisrisiko in beide Richtungen.
  • Bestand schlägt Bewegung. Die Bundesbank hat 2025 nicht spekuliert, sie hat gehalten. Der Beitrag zur Bilanz entstand allein aus dem unveränderten Bestand und dem gestiegenen Marktpreis.

Wer diese Logik im Kleinen nachbilden möchte, findet sie in der klassischen Aufteilung zwischen Goldbarren mit niedrigem Aufgeld und Goldmünzen mit besserer Teilbarkeit wieder. Größere Einheiten wie der 1-Kilo-Goldbarren von C. Hafner oder der 100-Gramm-Barren senken die Kosten je Gramm. Kleinere Stückelungen und Anlagemünzen wie der Wiener Philharmoniker erleichtern dagegen den Teilverkauf. Einen Überblick über das gesamte Spektrum bietet die Kategorie Gold.

Produkte werden geladen…

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Edelmetallpreise schwanken; historische Entwicklungen lassen keine Rückschlüsse auf künftige Kursverläufe zu.

Häufige Fragen zur Bundesbank-Bilanz und den Goldreserven

Warum überweist die Bundesbank keinen Gewinn mehr an den Bund?

Für die Jahre 2020 und 2021 floss das Ergebnis vollständig in die Risikovorsorge, seit 2022 fällt die Bilanz negativ aus. Ursache sind die Zinsen, die sie den Geschäftsbanken für deren Guthaben zahlt. Diese übersteigen die Erträge aus den Anleihen, die in der Niedrigzinsphase gekauft wurden. Erst wenn diese Belastung abgebaut, der Bilanzverlust von 27,8 Milliarden Euro getilgt und die Risikovorsorge wieder aufgebaut ist, kann erneut abgeführt werden.

Könnte die Bundesbank ihren Verlust nicht einfach mit den Goldreserven ausgleichen?

Nein. Ein Bilanzverlust darf nach den geltenden Regeln nicht mit Bewertungsreserven verrechnet werden. Die Reserven bilden nur Wertänderungen ab, die bislang auf dem Papier bestehen. Erst bei einem tatsächlichen Verkauf von Gold würde ein Ertrag entstehen. Größere Verkäufe sind jedoch nicht vorgesehen, abgegeben werden lediglich kleine Mengen für die Münzprägung.

Was genau ist ein Neubewertungskonto?

Ein eigener Posten in der Notenbankbilanz, auf dem Kursgewinne aus Gold, Devisen und Wertpapieren gesammelt werden, solange sie nicht durch einen Verkauf realisiert sind. Er dient als Polster. Fällt der Marktpreis wieder, wird der Rückgang zunächst gegen dieses Konto gebucht, bevor er das Jahresergebnis belastet.

Wie groß sind die deutschen Goldreserven und wo liegen sie?

Rund 3.350 Tonnen. Davon lagern etwa 1.710 Tonnen in Frankfurt am Main, rund 1.236 Tonnen bei der Federal Reserve Bank of New York und rund 404 Tonnen bei der Bank of England in London. Der frühere Lagerort Paris wurde 2017 aufgelöst.

Ist eine Zentralbank mit Bilanzverlust gefährdet?

Eine Zentralbank unterscheidet sich grundlegend von einem Unternehmen. In ihrer eigenen Währung kann sie nicht zahlungsunfähig werden. Die Bundesbank betont, dass sie ihre Aufgaben auch mit einem Bilanzverlust vollumfänglich erfüllen kann, und verweist auf Bewertungsreserven von 388 Milliarden Euro sowie ein Nettoeigenkapital von 363 Milliarden Euro. Schon in den 1970er Jahren wies sie Verluste aus und baute sie später wieder ab.

Warum steigt das Nettoeigenkapital, obwohl ein Verlust ausgewiesen wird?

Weil beide Größen aus unterschiedlichen Quellen stammen. Der Verlust entsteht im Zinsgeschäft. Der Zuwachs beim Nettoeigenkapital stammt dagegen aus der Bewertung des Goldes zum Jahresende, die 2025 einen Anstieg um 125 Milliarden Euro brachte und den Fehlbetrag rechnerisch weit überstieg.

Könnte die Politik auf die Goldreserven zugreifen, um Haushaltslöcher zu schließen?

Im Eurosystem sind Besitz und Verwaltung der Währungsreserven Sache der jeweiligen nationalen Zentralbank, deren Unabhängigkeit vertraglich geschützt ist. Der italienische Vorstoß von Ende 2025 hat daran nichts geändert. Die Formulierung wurde zwar in abgeschwächter Form ins Haushaltsgesetz übernommen, ergänzt um einen ausdrücklichen Verweis auf die europäischen Verträge. Ein Verfügungsrecht des Staates über das Gold entsteht dadurch nicht. Für die Bundesbank gibt es derzeit keine entsprechenden Pläne.

Ähnliche Artikel

Magazin
12.08.2026
23 Min.

Geschichte der Enteignungen

Zypern, Griechenland, Kanada – die üblichen Beispiele sind nur die letzten Glieder einer sehr langen Kette. Eine erzählte Geschichte des staatlichen Zugriffs auf Privatvermögen von der römischen Repu…
Erhalten Sie kostenlose Tipps um Ihr Vermögen zu schützen und als erster von neuen Produkten zu erfahren

Sie möchten regelmäßig über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert werden? Dann melden Sie sich hier für den kostenfreien Kettner Edelmetalle Newsletter an.

Durch Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Abschicken“ geben Sie die folgende Einwilligungserklärung ab: „Ich bin damit einverstanden, per E-Mail über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert zu werden und willige daher in die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Zwecke der Zusendung des Newsletters ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung bleibt im Falle des Widerrufs unberührt.“

Willst du Teil unserer Erfolgsstory sein?

Werde jetzt Teil vom #TeamGold

Offene Stellen