
Remmo-Affäre: „Natürlich kennt er mich!“ – Clan-Chef bringt Linke in Not

Ein Satz, der in Berlin für Aufsehen sorgt: Clan-Oberhaupt Issa Remmo soll auf eine Medienanfrage zum Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak (47) geantwortet haben: „Natürlich kennt er mich!“ Damit gerät die Version der Berliner Linken weiter unter Druck. Sie hatte jede Nähe zur Großfamilie aus Neukölln zurückgewiesen.
Ein Victory-Zeichen auf der Siegesparty
Angefangen hat alles am Abend der Berliner Wahl. Die Linke feierte ihren Erfolg, Spitzenkandidatin Elif Eralp gilt seitdem als mögliche Regierende Bürgermeisterin. Dann tauchte ein Foto auf, das Issa Remmo auf der Wahlparty des Neuköllner Bezirksverbands zeigt, wie er das Victory-Zeichen macht.
Die Partei reagierte sofort. Laut Medienberichten erklärte sie, die Party sei öffentlich gewesen und Remmo habe auf keiner Anmeldeliste gestanden. Man habe „weder politische noch persönliche Beziehungen“ zu ihm. Eralp sagte im ZDF, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und wieder hinausgeschickt worden. Man habe mit organisierter Kriminalität nichts zu tun und bekämpfe sie.
„Grüße mit Respekt“ an den Clan-Patriarchen
Dann ging Remmos Sohn Firas auf Instagram an die Öffentlichkeit. Er stellte Screenshots eines Chats mit Koçak online, der auf den 17. Februar datiert ist. Wie berichtet wird, schickt der Abgeordnete darin „Grüße mit Respekt“ an den Vater zurück, schlägt ein persönliches Treffen vor und fragt, ob Firas Remmo ein Video einer seiner Bundestagsreden verbreiten könne. Die Antwort lautete: „Gerne Bruder.“ Koçak hat die Echtheit des Chats inzwischen bestätigt.
Pikant ist der Inhalt dieser Rede. Koçak hatte darin gesagt:
„Clan-Kriminalität ist kein klar definierter Straftatbestand. Er ist ein politischer Kampfbegriff mit einer rassistischen Geschichte.“
Firas Remmo kommentierte die Screenshots mit den Worten, man stehe zusammen und kämpfe „gemeinsam für unsere Ziele“. Für einen Politiker, der jede Nähe zum Clan bestreitet, ist so ein Beifall aus dieser Richtung ein Problem.
Reue, Rückzug und eine Ausrede mit Lücken?
Koçak erklärte nach Medienberichten, Firas Remmo habe sich nach einem Aufruf zu einer politischen Aktion bei ihm gemeldet. Er habe ihm geschrieben „wie mit jedem anderen Neuköllner auch“ und zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, wer sein Gegenüber sei. Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, seien „durch nichts zu rechtfertigen“.
Der Abgeordnete lässt seine Parlamentsfunktionen vorerst ruhen und hat seinen Sitz im Innenausschuss abgegeben. Ausgerechnet dieser Ausschuss ist im Bundestag für die innere Sicherheit zuständig. Kritiker halten seine Version für wenig überzeugend. Warum sollte man einem Fremden „mit Respekt“ Grüße an dessen Vater ausrichten, wenn man nicht weiß, wer dieser Vater ist? Mit Issa Remmos „Natürlich kennt er mich!“ wird diese Frage noch dringender.
Ein Name, den in Berlin jeder kennt
Die Großfamilie kam in den 1980er-Jahren aus dem Libanon nach Berlin. Ihr sollen einige Hundert Menschen angehören. Die Polizei rechnet einen Teil davon dem kriminellen Clan-Milieu zu, ausdrücklich aber nicht alle. Mehrere Angehörige wurden für spektakuläre Taten verurteilt, etwa den Diebstahl der 100 Kilogramm schweren Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bode-Museum im Jahr 2017 und den Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden im Jahr 2019. Issa Remmo gilt in Medienberichten als Kopf der Familie. Er selbst ist in diesen Fällen nicht verurteilt worden.
Firas Remmo soll laut Berichten im Januar mit Verwandten festgenommen worden sein, als sie während eines Stromausfalls im Berliner Südwesten versucht haben sollen, einen Geldautomaten aufzubrechen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Was die Affäre über Berlin verrät
Aus Sicht unserer Redaktion ist der Fall mehr als ein peinlicher Chatverlauf. Seit Jahren beklagen Ermittler in Berlin Parallelstrukturen, die sich dem Rechtsstaat entziehen. Viele Bürger sind darüber zunehmend frustriert. Wer das Problem gleichzeitig als „Kampfbegriff“ abtut, darf sich über Fragen zu seiner Glaubwürdigkeit nicht wundern.
Ausgerechnet jetzt, wo die Linke Regierungsverantwortung in der Hauptstadt anstrebt, wirkt das wie ein schwerer Fehlstart. Die Partei muss nun erklären, wie eng die Kontakte tatsächlich waren. Die Berliner haben ein Recht auf eine ehrliche Antwort.
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