
Handy vom Clan-Chef: Wie glaubwürdig ist Linken-Mann Koçak noch?

Der Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak hat inzwischen eingeräumt, Clan-Chef Issa Remmo am 6. Februar in dessen Büro getroffen zu haben. Dabei nahm er laut eigener Aussage ein gespendetes Smartphone an. Seine Erklärungen gegenüber der „Zeit“ passen allerdings kaum zu dem, was er noch vor wenigen Tagen behauptet hatte.
Vom „Unbekannten“ zum Handy-Spender
Am 21. September klang alles noch harmlos. Koçak bestätigte damals die Echtheit eines Chats mit Firas Remmo, dem Sohn von Issa Remmo, den dieser auf Instagram veröffentlicht hatte. Er habe damals nicht gewusst, mit wem er schreibe, erklärte der Abgeordnete. Das sei ihm erst kurz danach klar geworden.
Jetzt erzählt er eine deutlich längere Geschichte. Über Instagram habe er um Smartphones für Jugendliche einer Antifa-Gruppe gebeten, deren Geräte die Polizei beschlagnahmt habe. Firas Remmo habe daraufhin ein Handy angeboten. Koçak nannte ihn in einer Nachricht „Bruder“ und wollte das Gerät selbst abholen. Die Antwort lautete:
„Mein Vater grüßt dich herzlich und freut sich auch, dich zu sehen.“
Erst im Büro der Familie habe er Issa Remmo erkannt, den er aus den Medien kenne, sagt Koçak. Kurz habe er überlegt, sofort wieder zu gehen. Die Lage sei „überfordernd“ gewesen. Nach etwa zehn bis 15 Minuten habe er das Gespräch „respektvoll“ beendet. Ob es wirklich so ablief, kann laut „Zeit“ niemand unabhängig prüfen.
Das Handy nahm er trotzdem mit
Danach wird es schwierig für ihn. Obwohl Koçak nach eigener Darstellung nun wusste, mit wem er es zu tun hatte, verließ er das Büro mit dem Smartphone. Etwa zwei Wochen später schrieb er Firas Remmo von sich aus wieder an. Er schickte ihm eine Bundestagsrede, in der er „Clankriminalität“ einen „politischen Kampfbegriff“ nannte, und bat darum, das Video zu verbreiten.
Genau diese Nachrichten hatten den Skandal ausgelöst. Kritiker fragen deshalb zu Recht, warum er den Absender im September als Unbekannten bezeichnete. Koçak sagt dazu, er habe die Rede an viele Kontakte geschickt. Dass auch Remmo darunter war, sei „vielleicht ein Fehler“ gewesen.
„Ich küsse Dein Herz, Bruder“
Im April lud Firas Remmo ihn „im Namen meines Vaters“ zur Hochzeit eines Bruders ein. Koçak sagte per Sprachnachricht ab, allerdings sehr herzlich: „Ich küsse Dein Herz, Bruder. Grüße an die Familie.“ Einen „harten Schnitt“ habe er nicht geschafft, weil das nicht seine Art sei. Er wolle Politik „für die Straße“ machen, „nicht fürs Papier im Parlament“.
Später kam es noch zu einer merkwürdigen Szene. Bei einem Fototermin hielt ihm ein Mann ein Handy hin, auf dem Firas Remmo per Videoanruf zu sehen war. Remmo soll sinngemäß gefragt haben, warum er „so etwas mache“. Die Fotografin bestätigte den Vorfall.
Gestohlenes Gold und eine Linke vor der Macht
Mitglieder der Großfamilie Remmo wurden Medienberichten zufolge unter anderem für den Diebstahl der 100 Kilogramm schweren Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bode-Museum 2017 und für den Einbruch ins Dresdner Grüne Gewölbe 2019 verurteilt. Die Münze tauchte nie wieder auf. Issa Remmo selbst ist laut Berichten nicht verurteilt worden.
Am 30. September gab Koçak seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags ab. Er sei „naiv und mit der Situation überfordert“ gewesen, schrieb er, aber „weder kriminell“, noch unterstütze er organisierte Kriminalität. Sein Mandat will er behalten.
Das ist politisch brisant. Die Linke hat gerade die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus gewonnen und spricht mit Grünen und SPD über eine Koalition. Schon bei ihrer Wahlparty in Neukölln war Issa Remmo aufgetaucht. Für viele Bürger, die Clan-Strukturen in ihren Vierteln jeden Tag erleben, ist das ein Alarmsignal. Ausgerechnet ein Innenpolitiker, der den Kampf gegen Clankriminalität als stigmatisierend kritisiert, nimmt beim Clan-Chef ein Handy entgegen. Ob SPD und Grüne das einfach hinnehmen, wird man bald sehen.

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