
Nord-Stream im Ersten: Experte kontert ARD-Frage und rĂĽttelt auf!

Am Mittwochabend sprach Tagesthemen-Moderatorin Jessy Wellmer mit dem Bonner Sicherheitsexperten Joachim Weber ĂĽber den Nord-Stream-Prozess, der am selben Tag in Hamburg begonnen hatte. Die ARD wollte wissen, wie Deutschland reagieren solle, und packte die Frage in eine Forderung der AfD. Webers Antwort fiel unbequemer aus, als es manchem im Sender lieb gewesen sein dĂĽrfte.
Eine Frage mit eingebauter Schublade
An der juristischen Lage hatte Weber wenig Zweifel. Der Fall sei „relativ klar“: ein Anschlag auf die zivile Infrastruktur eines Landes, das gar keine Kriegspartei sei. Danach legte er sich fest: „Es ist die Ukraine gewesen. Ich habe jedenfalls keinen Zweifel mehr daran.“
Nach knapp vier Minuten kam die eigentlich politische Frage, was daraus für Deutschland folgt. Wellmer stellte sie so: „Die AfD fordert Schadensersatz und Strafmaßnahmen gegen die Ukraine. Halten Sie das für gerechtfertigt?“ Beobachter sehen darin ein vertrautes Muster. Wer nach Konsequenzen fragt, landet automatisch beim politischen Rand.
Weber spielte nicht mit. In einem „reinen kausalen Nexus“ sei das „mit Sicherheit“ gerechtfertigt, antwortete er.
„Wir tun so, als sei gar nichts geschehen“
Dann wurde er grundsätzlich. Hätte ein solcher Anschlag die wichtigste Infrastruktur der USA, Chinas, Russlands oder Israels getroffen, folgten nach seinen Worten schärfste Sanktionen, womöglich sogar Militärschläge. Deutschland zeige das andere Extrem:
„Wir tun so, als sei gar nichts geschehen.“
Einen Strafkatalog lehnte Weber ab. Die deutsche „Selbstachtung“ gebiete aber, „nicht zur Tagesordnung überzugehen“. Man könne Deutschland nicht so behandeln, während man gleichzeitig 100 Milliarden nehme und die Deutschen das Risiko eines großen Konflikts mit Russland trügen. Er vermisse eine klare Ansprache und eine Entschuldigung von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Wellmer fragte nicht nach und beendete das Gespräch.
Der Osten sieht das anders
Die Sache hat eine besondere Note. Wellmer stammt aus Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, etwa zwei Autostunden von Lubmin entfernt, wo die Pipelines an Land kommen. Sie hat ein Buch über die Entfremdung zwischen Ost und West geschrieben und gilt im Ersten als die Stimme, die den Osten erklärt.
Gerade dort stand Nord Stream für bezahlbare Energie und Arbeitsplätze. Viele Ostdeutsche empfinden die Zerstörung als Angriff auf das eigene Land und das Schweigen Berlins als Kränkung. Man kann die Ukraine gegen Russland unterstützen und trotzdem wissen wollen, wer deutsche Infrastruktur gesprengt hat. Das schließt sich nicht aus.
Kriegsverbrechen vor dem Staatsschutzsenat
Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht steht der 50-jährige Ukrainer Serhij K., ein früherer Offizier einer Spezialeinheit. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem ein Kriegsverbrechen vor, nämlich den Angriff auf zivile Objekte. Laut Anklage soll er im Auftrag staatlicher Stellen der Ukraine gehandelt haben. Mit sechs Mittätern soll er im September 2022 von Rügen aus auf der Segeljacht „Andromeda“ aufgebrochen sein und vor Bornholm Sprengsätze angebracht haben.
Die Verteidigung bestreitet jede Beteiligung und will das Verfahren einstellen lassen. Es gebe weder FingerabdrĂĽcke noch DNA noch Zeugen. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung. Bis Ende Januar sind 24 Verhandlungstage angesetzt.
Vier Jahre Schweigen in Berlin
Am 26. September 2022 zerstörten Explosionen drei der vier Stränge von Nord Stream 1 und 2. Schweden und Dänemark stellten ihre Ermittlungen ein, nur die Bundesanwaltschaft ermittelte weiter. Kiew bestreitet jede Beteiligung. Polen verweigerte 2025 die Auslieferung eines mutmaßlichen Tauchers.
Die Bundesregierung hat den Fall bisher weitgehend unkommentiert gelassen, während Milliarden nach Kiew fließen. Für viele Bürger, die seit 2022 hohe Energiepreise zahlen, ist das schwer zu verstehen. Der Prozess in Hamburg dürfte Berlin zwingen, Farbe zu bekennen.
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