
Geheimpoker um Nord Stream: Verhökert Washington Europas Gasmarkt?

Die USA sollen Russland für ein Abkommen zum Ukraine-Krieg einen Neustart von Nord Stream und die Rückkehr russischen Gases nach Europa in Aussicht stellen. Das berichtet das britische Magazin The Economist und beruft sich dabei auf ukrainische Regierungsvertreter. Berlin und Brüssel sitzen bei diesem Angebot offenbar nicht mit am Tisch.
Ein Angebot mit fremdem Geld
Es ist ein bemerkenswerter Vorgang. Washington verspricht dem Kreml offenbar einen Markt, über den es selbst gar nicht verfügt. Die Pipeline in der Ostsee soll dem Bericht zufolge zu einem Paket wirtschaftlicher Lockmittel gehören, mit denen Moskau zu einer Einigung bewegt werden soll. Wie das Paket im Detail aussieht, wüssten allerdings auch die ukrainischen Quellen nicht.
Das Magazin hält das Angebot für unvereinbar mit EU-Recht. Die Rechtslage ist tatsächlich eindeutig: Ab dem 1. Januar 2027 ist Flüssigerdgas aus Russland komplett verboten. Für langfristige Pipelineverträge läuft die Übergangsfrist grundsätzlich am 30. September 2027 aus und kann unter bestimmten Bedingungen bis zum 1. November verlängert werden. Russisches Gas könnte also nur zurückkommen, wenn Europa seine eigenen Regeln bricht oder umschreibt.
Und Deutschland? Hier enden die Röhren. Gefragt wurde die Bundesregierung offenbar nicht. Für ein Land, das sich gern als Führungsmacht Europas sieht, ist das eine schmerzhafte Lektion in Sachen eigener Bedeutungslosigkeit.
Der große Deal: EU ja, Nato nein
Das Gas ist nur ein Teil des Pakets. Russland würden dem Bericht zufolge auch Geschäfte mit US-Konzernen, gelockerte Sanktionen und normalisierte politische Beziehungen angeboten. Im Donbass sei eine entmilitarisierte Zone vorgesehen.
Die Ukraine wiederum solle ein Investitionspaket und die EU-Mitgliedschaft bekommen und im Gegenzug auf die Nato verzichten. Auch hier gilt: Über einen EU-Beitritt entscheiden nicht die USA, sondern die Europäer. Washington verteilt also Zusagen, die am Ende vor allem europäische Steuerzahler einlösen müssten.
„Zeit ist Geld"
In Kiew fürchtet man vor allem die Reihenfolge. Ukrainische Unterhändler haben laut The Economist die Sorge, die Amerikaner könnten lukrative Geschäfte schon vorantreiben, bevor der Krieg überhaupt beendet ist. Ein Regierungsvertreter fasste die vermutete Logik dahinter so zusammen:
„Warum warten und Zeit verlieren? Zeit ist Geld."
Die Börse hat schon reagiert. Am 19. Oktober stieg die Gazprom-Aktie in Moskau laut Forbes Russland zeitweise um 3,9 Prozent auf 112,60 Rubel und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni. Analysten führten das auf einen Bericht der New York Times zurück. Demnach erwägen die USA, russisches Gas wieder durch die Ukraine fließen zu lassen.
Witkoff, Musk und die Starlink-Affäre
Die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner unterschätzen nach Einschätzung des Magazins Putins nationalistische Ziele, weil sie seine Motive vor allem wirtschaftlich und territorial deuteten. Am 21. Oktober traf Witkoff Putin bei St. Petersburg und soll ihn dort als „Menschenfreund" bezeichnet haben.
Gleichzeitig wächst das Misstrauen zwischen Washington und Kiew. In der Vorwoche war Starlink für ukrainische Drohnen gedrosselt worden, die schneller als 160 Stundenkilometer flogen. Eine Einheit soll dadurch bei einem einzigen Einsatz Drohnen im Wert von einer Million Dollar verloren haben. Seit dem 22. Oktober laufen die Verbindungen laut ukrainischen Kommandeuren wieder ohne Einschränkung.
Wer die Drosselung angeordnet hat, ist unklar. The Economist vermutet die Entscheidung in einem kleinen Kreis um Trump, Elon Musk und Witkoff. Berichten zufolge soll Musk die Ukraine für ihre Angriffe auf russische Raffinerien bestrafen wollen. Die Verantwortung übernimmt niemand. Etwas Hoffnung schöpft Kiew aus einem Gespräch zwischen Selenskyj und US-Außenminister Marco Rubio am 19. Oktober. Das Magazin sieht darin ein mögliches Comeback der Hardliner gegenüber Moskau.
Fazit: Europa als Zaungast
Was sich hier abzeichnet, sollte in Berlin die Alarmglocken schrillen lassen. Über Energiepreise, Sanktionen und Beitrittsfragen wird verhandelt, während die Europäer bestenfalls zusehen. Wenn Großmächte über Energieströme und Einflusszonen verhandeln, steigt die Unsicherheit. Und genau in solchen Zeiten setzen viele Bürger zur Absicherung ihres Vermögens auf physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser muss selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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