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Deutsches Logo, fremde Fabrik: Der stille Abschied der Industrie

Deutsches Logo, fremde Fabrik: Der stille Abschied der Industrie
Symbolbild: KI-generiert

Immer mehr deutsche Industriefirmen investieren im Ausland, um Kosten zu sparen, und nicht mehr in erster Linie, um neue Märkte zu erobern. Das geht aus einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Für Werke, Zulieferer und Beschäftigte in Deutschland ist das ein Alarmsignal.

Das Bild ist paradox. Ein Konzern kann glänzende Bilanzen vorlegen, während seine Heimat verliert. Die Zentrale sitzt weiter in Stuttgart, Wolfsburg oder München. Die Fabriken, Zulieferer und Labore stehen aber zunehmend woanders.

Sparen statt Expansion: Ein Motiv kehrt zurück

Laut der vom Auswärtigen Amt geförderten IW-Analyse wuchs der Bestand deutscher Direktinvestitionen im Ausland zwischen 2010 und 2024 von rund 832 auf 1689 Milliarden Euro. Die Daten stammen von der Bundesbank. Wichtigstes Einzelziel sind die USA mit 27,3 Prozent. Auf die EU-Staaten entfallen zusammen 38 Prozent, auf China 6,5 Prozent.

Vorsicht ist trotzdem geboten. Die Verdoppelung allein beweist noch keine Abwanderung. In den Bestand fließen auch einbehaltene Gewinne, Neubewertungen und Wechselkurseffekte ein.

Aufschlussreicher sind die Motive. Nach einer vom IW ausgewerteten DIHK-Umfrage nennen 41 Prozent der im Ausland investierenden Industrieunternehmen Kostensenkung als wichtigsten Grund. Im Vorjahr waren es noch 35 Prozent. Damit liegt dieses Motiv erstmals seit 2008 wieder an der Spitze. Markterschließung und Vertrieb kommen zusammen allerdings weiterhin auf 59 Prozent.

„Schrumpfen die Margen, verlagern Unternehmen ihre Produktion verstärkt in Länder mit niedrigeren Löhnen“

So fasst es IW-Ökonomin Samina Sultan zusammen. Welche Kosten am Ende den Ausschlag geben, könne die Studie allerdings nicht eindeutig sagen. Die Befragungen deuten auf Lasten durch Arbeit, Energie und Regulierung hin. Wer die Debatten um Strompreise, Bürokratie und Lieferkettengesetz der vergangenen Jahre verfolgt hat, wird darüber kaum staunen.

Der Wendepunkt kam 2024

Lange galt eine einfache Regel: Wer im Ausland wuchs, baute auch zu Hause aus. Bis 2023 wollten Firmen mit Auslandsinvestitionen auch in Deutschland mehr investieren als der Durchschnitt ihrer Branche.

Seit 2024 hat sich das gedreht. Inzwischen liegen ihre Investitionspläne für den Heimatstandort leicht unter dem Branchenschnitt. Das IW sieht darin ein Indiz, dass das Auslandsgeschäft zunehmend auf Kosten Deutschlands gehen könnte. Die Ökonomen betonen jedoch, dass es sich um Pläne handelt und nicht um bereits verlagerte Stellen.

Der Unterschied ist entscheidend. Ein Vertriebsbüro in Texas kann Aufträge für deutsche Werke bringen. Ein komplettes Werk mit lokalen Lieferanten macht die Ware aus Deutschland dagegen womöglich überflüssig.

China: Vom Absatzmarkt zum Rivalen

Besonders kritisch sehen die Forscher die Lage in China. Seit 2010 wuchsen die deutschen Direktinvestitionsbestände dort um 281 Prozent, die Exporte dorthin aber nur um rund 67 Prozent. Vieles spricht dafür, dass Fabriken vor Ort die Ausfuhren aus Deutschland ersetzen.

Am engsten ist die Verflechtung in der Autoindustrie. Rund ein Viertel ihrer weltweiten Auslandsinvestitionsbestände lag 2024 in China. Hinzu kommt: Laut einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer produzieren 28 Prozent der befragten Firmen in China bereits für den Export. Deutsche Werke im Reich der Mitte könnten also auf Drittmärkten mit Werken in Deutschland konkurrieren. Wandert dann auch noch die Forschung ab, stehen hochqualifizierte Jobs und die Innovationskraft auf dem Spiel.

USA: Trump schreckt eher ab

In den USA sieht es anders aus. Dort wuchsen Exporte und Investitionsbestände bis 2024 im Gleichschritt. Eine Verlagerungswelle wegen Trumps Zöllen ist bislang nicht zu erkennen, eher das Gegenteil. Nach IW-Berechnungen flossen im ersten Halbjahr 2026 nur noch rund 4,3 Milliarden Euro an deutschen Direktinvestitionen in die USA. Das sind fast 80 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2024.

Berlin muss jetzt liefern

Das IW fordert Reformen, die die Kosten senken. In der China-Politik müsse die Regierung genauer zwischen den Interessen einzelner Konzerne und denen des Standorts unterscheiden.

Für die Regierung Merz ist das eine unbequeme Botschaft. Mit Schulden finanzierte Sondervermögen ersetzen keine wettbewerbsfähigen Energiepreise, schlanke Behörden und tragbare Abgaben. Solange sich diese Rahmenbedingungen nicht ändern, dürfte „Made in Germany“ für viele Produkte bald mehr Marke als Herkunftsangabe sein.

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