
Wetten gegen Nvidia: Kreditmarkt schlÀgt Alarm beim KI-Riesen

Santa Clara. WĂ€hrend Nvidia Rekord auf Rekord tĂŒrmt, kaufen Profi-Investoren im Stillen Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall des wertvollsten Konzerns der Welt. Der Preis fĂŒr diese Absicherungen hat sich Medienberichten zufolge binnen zwei Monaten mehr als verdoppelt â von rund 42 auf 85 Basispunkte. Ein Rekordhoch, ausgerechnet mitten im gröĂten Boom der Firmengeschichte.
Was Credit Default Swaps verraten â und Aktienkurse verschweigen
Credit Default Swaps, kurz CDS, funktionieren wie eine Feuerversicherung auf Unternehmensschulden. Steigt die PrÀmie, wittern die KÀufer Rauch. Genau das passiert derzeit nicht nur bei Nvidia: Auch bei Oracle und Broadcom sind die Absicherungskosten laut Berichten auf Rekordniveaus geklettert.
Patrick Perret-Green, Chef der Beratungsfirma PPG Macro, nennt die Preisentwicklung angesichts der offensichtlichen BranchenstĂ€rke âziemlich bemerkenswertâ. Ăbersetzt: Der Aktienmarkt feiert, der Kreditmarkt rechnet.
500 Milliarden hier, 105 Milliarden dort
Der Auslöser ist ein Geflecht aus Finanzierungszusagen, das kaum noch ein AuĂenstehender durchschaut. Im Juni platzierte Nvidia die gröĂte Anleihe seiner Geschichte ĂŒber 25 Milliarden Dollar. Die Gesamtverschuldung kletterte laut den jĂŒngsten Quartalsunterlagen auf 33,4 Milliarden Dollar â nach 8,5 Milliarden Ende Januar.
Dazu kommen Zusagen in schwindelerregender Höhe:
- KI-Finanzierungsdeals ĂŒber 500 Milliarden Dollar mit sechs Wall-Street-HĂ€usern, die Zweckgesellschaften fĂŒr Rechenzentren aufsetzen sollen
- Kreditgarantien von bis zu 105 Milliarden Dollar fĂŒr ein US-Rechenzentrum von OpenAI
- ein Milliardenpakt mit dem Speicherchip-Riesen SK Hynix
Michael Burry, durch âThe Big Shortâ berĂŒhmt gewordener Investor, hat einige dieser Konstruktionen als âunnatĂŒrlichâ und als eine Form âzirkulĂ€rerâ Finanzierung bezeichnet. Der Vorwurf: Nvidia finanziere mit, wer Nvidia-Chips kaufe.
Rekordzahlen â und trotzdem nervöse GlĂ€ubiger
Operativ liefert der Konzern ab. Im Quartal bis Ende Juli setzte Nvidia nach eigenen Angaben 96,2 Milliarden Dollar um, ein Plus von 106 Prozent zum Vorjahr, davon 89 Milliarden im RechenzentrumsgeschĂ€ft. Der Nettogewinn lag bei 59,7 Milliarden Dollar, fĂŒr das laufende Quartal stellt das Management 108 Milliarden Dollar in Aussicht.
Der Haken steckt im Kleingedruckten: Die Bruttomarge soll laut Ausblick von 75 Prozent auf rund 74 und im Schlussquartal auf 71 bis 72 Prozent sinken â Grund seien explodierende Speicherpreise. Konzernchef Jensen Huang erklĂ€rte, die Nachfrage sei deutlich höher als das Lieferbare, man könne aber verlĂ€sslich rund 70 Prozent Wachstum zusagen.
âDer Anstieg von Nvidias CDS spiegelt die wachsende PrĂŒfung der sich ausweitenden Rolle des Unternehmens bei der Finanzierung des KI-Ăkosystems wider.â â Amish Patel, Raymond James
Kaskade oder Kaufgelegenheit?
Portfoliomanager Benedict Keim von Altana Wealth verweist auf die enge Verzahnung zwischen Nvidia und einem KI-Sektor, der stark defizitĂ€r und schuldenfinanziert sei. Der âgewaltige Umfangâ der Garantien verstĂ€rke Sorgen um Cashflow und Kreditrisiko; drohten Verluste, könnten sie âkaskadierendâ durch das gesamte Ăkosystem laufen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das die eigentliche Nachricht: Ein Boom, der auf Anleihen, Zweckgesellschaften und wechselseitigen Garantien ruht, erinnert in seiner Mechanik unangenehm an frĂŒhere Kreditzyklen. Ob 2000 oder 2008 â am Ende platzte stets dort etwas, wo Risiken elegant verschoben statt getragen wurden. Wer sein Vermögen breit streut, hĂ€lt deshalb neben Aktien traditionell einen Anteil an physischem Gold und Silber â Werte ohne Emittenten, ohne Zweckgesellschaft und ohne Ausfallrisiko.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst grĂŒndlich informieren.
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