
Umfrage-Beben in NRW: Wüsts CDU stürzt ab, AfD ist ihr dicht auf den Fersen

Acht Prozentpunkte weg, und das in nur gut fünf Monaten. Laut einer neuen INSA-Umfrage für die „Bild“ kommt die CDU von Ministerpräsident Hendrik Wüst in Nordrhein-Westfalen nur noch auf 26 Prozent. Die AfD steigt im bevölkerungsreichsten Bundesland erstmals über 20 Prozent und erreicht 21 Prozent. Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl wackelt damit die schwarz-grüne Mehrheit in Düsseldorf.
Vom komfortablen Vorsprung zum knappen Rennen
Noch bei der vorigen Erhebung vom 8. Mai 2026 stand die Union bei stolzen 34 Prozent. Der Abstand zur AfD betrug damals 17 Punkte. Jetzt sind es noch fünf.
Die AfD legt um vier Punkte zu und würde die SPD als zweitstärkste Kraft im Landtag ablösen. Zur Erinnerung: Bei der Landtagswahl 2022 kamen die Rechten auf gerade einmal 5,4 Prozent, die CDU dagegen auf 35,7 Prozent. Wer da noch von einem „Ost-Phänomen“ spricht, hat die Zahlen aus dem Westen nicht gelesen.
Die weiteren Werte im Überblick:
- SPD: 18 Prozent (unverändert)
- Grüne: 16 Prozent (+1)
- Linke: 10 Prozent (+1)
- FDP: 4 Prozent
- Sonstige: 5 Prozent (+2)
Für die Erhebung hat INSA nach Medienberichten zwischen dem 6. und 13. Oktober 1.000 Wahlberechtigte online befragt. Die Fehlertoleranz liege bei maximal 3,1 Prozentpunkten.
Schwarz-Grün ohne Mehrheit, die FDP fliegt raus
CDU und Grüne kämen zusammen nur noch auf 42 Prozent. Weil neun Prozent der Stimmen an Parteien gingen, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, würde auch bei der Sitzverteilung keine Mehrheit herausspringen. Für eine Große Koalition aus CDU und SPD reicht es mit 44 Prozent ebenfalls nicht.
Bitter ist das Ergebnis für die Liberalen. Die FDP, die 2022 noch mit 5,9 Prozent ins Parlament eingezogen war, müsste ihre Büros räumen. Damit säßen künftig nur noch fünf Fraktionen im Landtag: CDU, AfD, SPD, Grüne und Linke.
Die Kenia-Option und der ungeliebte Ausweg
Rechnerisch bliebe vor allem ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen. Diese sogenannte Kenia-Koalition käme auf 60 Prozent. Auch CDU, SPD und Linke hätten eine Mehrheit, das gilt aber als politisch kaum denkbar.
Und dann ist da noch die Option, über die in Düsseldorf niemand sprechen will: CDU und AfD kämen zusammen auf 47 Prozent und damit auf eine Mandatsmehrheit. Die Union schließt eine Zusammenarbeit allerdings kategorisch aus. Am Ende könnte das größte Bundesland also von einem Dreierbündnis regiert werden, in dem sich die Partner gegenseitig lähmen. Die Ampel in Berlin hat gezeigt, wie so etwas ausgehen kann.
Zieht Merz seinen Parteifreund mit nach unten?
INSA-Chef Hermann Binkert sieht den Grund für den Absturz offenbar vor allem in Berlin. Gegenüber der „Bild“ sagte er:
„Der unbeliebte Kanzler Friedrich Merz zieht auch Hendrik Wüst nach unten.“
Gleichzeitig betonte er, an der NRW-CDU komme niemand vorbei, ohne und gegen sie sei derzeit keine Regierung möglich. Ein schwacher Trost für eine Partei, die vor Kurzem noch von der absoluten Dominanz an Rhein und Ruhr träumen durfte.
Die Einschätzung passt ins Bild. Merz war mit dem Versprechen eines Politikwechsels angetreten. Geliefert hat seine Koalition nach Ansicht vieler Kritiker vor allem ein gigantisches Schuldenpaket von 500 Milliarden Euro, obwohl der Kanzler solide Finanzen versprochen hatte. Viele Bürger haben offenbar das Gefühl, sie hätten CDU gewählt und SPD-Politik bekommen. Die Quittung landet nun auch bei Wüst, der seit Oktober 2021 regiert und als möglicher Kanzler-Reservist gilt.
Countdown bis zum April
Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist laut Medienberichten für Ende April 2027 angesetzt. Bis dahin bleibt ein halbes Jahr. Für Wüst ist die Umfrage ein Warnschuss. Gelingt es der Union nicht, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, droht ihr im Stammland der alten Bundesrepublik ein politisches Erdbeben. Und das würde man bis ins Kanzleramt spüren.
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