
Silber-Beben: Vom Rekord zum Absturz â droht ein zweites 1980?

Ein Rekord und danach der freie Fall. Ende Januar 2026 kostete eine Feinunze Silber in der Spitze 121,67 US-Dollar, so viel wie nie zuvor. Ende Juli lag der Preis Medienberichten zufolge nur noch bei rund 51 Dollar. Das ist ein Minus von mehr als 55 Prozent in sechs Monaten. Einen so schnellen Absturz nach einem Rekord kennt der Markt nur aus ganz wenigen Phasen der Geschichte.
Der Rausch und der Kater
Die Rally hatte Ende 2025 Fahrt aufgenommen. Allein 2025 hatte sich der Preis mehr als verdoppelt. Getragen wurde der Anstieg von geopolitischer Unsicherheit, Sorgen um Zölle und Inflation und einem Silbermarkt, in dem seit Jahren mehr verbraucht als gefördert wird.
Am 29. Januar kam dann die Wende. Noch am selben Tag brach Silber Berichten zufolge zeitweise um fast zwölf Prozent ein, zeitgleich mit einem Ausverkauf bei US-Technologieaktien. Einen Tag spĂ€ter notierte das Metall nur noch bei etwa 95 Dollar. Als Hauptursache gilt der RĂŒckzug von Kapital, das auf Kredit investiert war: Wer mit geliehenem Geld spekuliert, muss bei fallenden Kursen schnell verkaufen. Das drĂŒckt den Preis weiter, und so entsteht schnell eine Spirale nach unten.
Das Gespenst von 1980
Wer verstehen will, wie hart der aktuelle Einbruch ist, muss 46 Jahre zurĂŒckschauen. In den 1970er-Jahren kauften die texanischen BrĂŒder Nelson Bunker Hunt und William Herbert Hunt riesige Mengen physisches Silber und Terminkontrakte. Der Preis stieg innerhalb von gut einem Jahr auf das Achtfache, bis auf fast 50 Dollar.
Dann griff die Terminbörse COMEX ein und verschĂ€rfte die Regeln fĂŒr Sicherheitsleistungen. Damit war das Kreditmodell der Hunts am Ende. Innerhalb weniger Wochen stĂŒrzte Silber um mehr als 80 Prozent auf unter 10 Dollar. Der Tiefpunkt im MĂ€rz 1980 ging als âSilver Thursdayâ in die Finanzgeschichte ein. Die Lehre damals wie heute: Nicht das Metall war das Problem, sondern die Spekulation auf Pump.
Zwei weitere Beben
- Finanzkrise 2008: Zwischen MĂ€rz und Oktober fiel Silber von fast 21 auf rund 9 Dollar, also um etwa 57 Prozent. Investoren verkauften damals in groĂem Stil, weil sie dringend Geld brauchten.
- Das Jahr 2011: Im April erreichte der Preis erneut fast 50 Dollar. In den Monaten danach halbierte er sich ungefÀhr.
Zinsen als Bremsklotz
Inzwischen hat sich Silber etwas erholt und notiert Mitte Oktober bei etwa 57 bis 58 Dollar. Leicht wird es dem Metall aber nicht gemacht. Im September hob die US-Notenbank Fed den Leitzins Berichten zufolge um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an. Steigende Ălpreise schĂŒren zudem die Angst vor anhaltender Inflation. Höhere Zinsen machen Anleihen und Tagesgeld attraktiver. Silber wirft dagegen keine laufenden ErtrĂ€ge ab.
Hinzu kommt ein hausgemachter Effekt des Rekords: Weil Silber so teuer war, sparen die Hersteller von Solarmodulen das Metall ein. Laut dem Datenanbieter BloombergNEF dĂŒrfte die Solarbranche 2026 rund 19 Prozent weniger Silber verbrauchen als im Vorjahr.
Die AngebotslĂŒcke bleibt
An den Grundlagen des Marktes hat der Absturz allerdings wenig geĂ€ndert. Nach Berechnungen von Metals Focus fĂŒr das Silver Institute steuert der Markt 2026 auf das sechste Angebotsdefizit in Folge zu. Die LĂŒcke soll von 40,3 auf rund 46,3 Millionen Unzen wachsen. Neue ergiebige LagerstĂ€tten sind selten, und Silber fĂ€llt meist nur als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle an. Mit dem Ausbau von KI-Rechenzentren entsteht auĂerdem ein neuer Abnehmer, denn kaum ein Material leitet Strom und WĂ€rme so gut wie Silber.
Auch die US-GroĂbank J.P. Morgan verweist in ihren Analysen auf die ĂŒber Jahre aufgelaufenen physischen Defizite. Sie dĂŒrften den Durchschnittspreis im Gesamtjahr deutlich ĂŒber den TiefstĂ€nden nach der Korrektur halten.
Fazit: Getroffen hat es vor allem die Spekulanten mit Kredithebel, nicht die Anleger mit physischem Silber. Wer MĂŒnzen und Barren im eigenen Tresor hat, wird nicht zum Verkauf gezwungen und muss keine Sicherheiten nachschieĂen. Gerade in solchen Phasen zeigt sich der Wert physischer Edelmetalle als langfristige Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen. Sie sind ein Baustein, kein Spielgeld fĂŒr Zocker.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf dar. Edelmetallpreise können stark schwanken. Jeder Anleger sollte sich selbst informieren und ist fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
Kostenloses Live-Webinar
Der digitale Euro kommt
Was er fĂŒr Ihr Erspartes bedeutet und wie Sie jetzt vorsorgen.

DieterBohlen
ErnstWolff
Prof. Dr.Werner
Tom-OliverRegenauer
JochenStaiger
GeraldGrosz
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













