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EZB-Zinsentscheid am 10. September 2026: Was ein zweiter Zinsschritt für den Goldpreis in Euro bedeutet

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Am Donnerstag, dem 10. September 2026, entscheidet die Europäische Zentralbank wieder über die Zinsen, und niemand weiß vorher genau, wie es ausgeht. Im Juni hat sie die Zinsen erstmals seit drei Jahren angehoben, im Juli hat sie es dabei belassen. Die Preise steigen weiter schneller, als es der Notenbank lieb ist, die Wirtschaft kommt trotzdem nicht in Gang. Wer sein Geld in Euro hält, fragt sich deshalb zu Recht, was ein weiterer Zinsschritt mit dem Goldpreis macht.

Was am 10. September auf dem Tisch liegt

Am 11. Juni 2026 hat der EZB-Rat die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt erhöht. Es war die erste Erhöhung seit September 2023 und damit das Ende einer langen Phase, in der die Notenbank die Zinsen immer nur gesenkt hatte, von vier Prozent bis auf zwei. Seit dem 17. Juni gelten die neuen Sätze. Der wichtigste davon liegt bei 2,25 Prozent. Es ist der Zins, den Banken bekommen, wenn sie Geld über Nacht bei der Notenbank parken, und er wirkt wie ein Anker für alles, was Ihnen auf Tagesgeld oder Sparkonten angeboten wird. Die beiden anderen Sätze, zu denen sich Banken bei der EZB Geld leihen können, liegen bei 2,40 und 2,65 Prozent.

Am 23. Juli folgte dann die Pause. Der Rat ließ alles unverändert und begründete das damit, dass sich noch nicht abschätzen lasse, wie stark die gestiegenen Energiepreise auf Löhne und andere Preise durchschlagen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde schloss eine Erhöhung im September ausdrücklich nicht aus und verwies auf die Zahlen, die bis dahin auf dem Tisch liegen würden, also neue Inflationsdaten, Wachstumszahlen und vor allem Hinweise darauf, wie sich die Löhne entwickeln.

Genau das macht den 10. September zum wichtigsten Euro-Termin des Spätsommers. In den Einschätzungen von Banken und Verbraucherportalen überwiegt inzwischen die Erwartung, dass der nächste Schritt nach oben geht und nicht nach unten. Einzelne Häuser halten bis Jahresende sogar 2,75 Prozent für möglich. Ob es schon am 10. September dazu kommt oder ob der Rat noch einmal abwartet und erst am 29. Oktober handelt, ist offen. Diese Unsicherheit ist auch der Grund, warum der Goldmarkt in Euro rund um solche Termine oft unruhiger ist als davor und danach.

Goldmünze vor einem abstrakten Kursverlauf auf dunklem Bildschirm
Entscheidend ist nicht, wie hoch der Zins auf dem Papier ist, sondern was nach Abzug der Inflation übrig bleibt.

Warum Zinsen und Gold zusammenhängen

Die kurze Faustregel lautet, steigende Zinsen seien schlecht für Gold, weil Gold keine Zinsen zahlt. Falsch ist das nicht, es ist nur die halbe Geschichte. In Wahrheit gibt es vier Wege, auf denen eine Zinsentscheidung beim Goldpreis in Euro ankommt, und sie können sich verstärken oder gegenseitig aufheben.

Der wichtigste Weg ist die Frage, was von einem Zins übrig bleibt, wenn man die Inflation abzieht. Rechnen Sie es einmal an einem einfachen Beispiel durch. Wer 10.000 Euro auf ein Tagesgeldkonto mit zwei Prozent legt, bekommt im Jahr 200 Euro Zinsen. Davon gehen rund 53 Euro als Abgeltungssteuer samt Solidaritätszuschlag ab, es bleiben also etwa 147 Euro. Im selben Jahr verteuern sich die Dinge, die man kaufen will, um 2,9 Prozent. Dieselbe Ware, die vorher 10.000 Euro gekostet hat, kostet nun rund 290 Euro mehr. Unterm Strich haben Sie also gut 140 Euro an Kaufkraft verloren, obwohl auf dem Kontoauszug ein Plus steht. Und zwei Prozent sind bereits wohlwollend gerechnet, denn im Schnitt lag der Tagesgeldzins nach dem Biallo-Index Ende Juli 2026 erst bei 1,66 Prozent.

An dieser Grundrechnung ändert ein Viertelprozentpunkt mehr oder weniger kaum etwas. Gold verliert seinen Reiz gegenüber dem Sparkonto erst dann wirklich, wenn der Zins die Inflation dauerhaft und deutlich übertrifft. Ein Schritt von 2,25 auf 2,50 Prozent bei knapp drei Prozent Inflation leistet das nicht.

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Der zweite Weg führt über den Wechselkurs, und er wird von deutschen Käufern oft unterschätzt. Gold wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Was Sie hier bezahlen, hängt deshalb immer von zwei Dingen ab, vom Dollarpreis und davon, wie viel Dollar Sie für einen Euro bekommen. Wird der Euro stärker, wird Gold für uns billiger, selbst wenn der Weltmarktpreis gleich bleibt. Wird der Euro schwächer, wird Gold für uns teurer, ohne dass in New York oder London irgendetwas passiert sein muss. Eine Zinserhöhung der EZB macht den Euro tendenziell etwas attraktiver und kann den Goldpreis in Euro auf diesem Weg am schnellsten dämpfen. Allerdings zählt dabei nicht die absolute Höhe des Euro-Zinses, sondern der Abstand zum Zinsniveau in den USA. Solange die amerikanische Notenbank deutlich höher liegt, verschiebt ein einzelner Schritt der EZB nicht viel. Wie stark dieser Zusammenhang in beide Richtungen wirken kann, haben wir unter Goldpreis, Euro und Dollar aufgeschlüsselt.

Zwei Stapel Goldmünzen in warmem und kaltem Licht als Sinnbild für den Wechselkurseffekt
Der Goldpreis in Euro entsteht aus zwei Faktoren, dem Dollarpreis der Feinunze und dem Wechselkurs.

Der dritte Weg ist die schlichte Frage, was man sonst für sein Geld bekommt. Steigen die Zinsen, werfen Tagesgeld, Festgeld und Anleihen mehr ab, und der Verzicht darauf fällt schwerer. Dieses Argument wirkt stark, weil es so anschaulich ist. Es hat allerdings einen Haken, denn es rechnet ohne die Inflation. Wer bei knapp drei Prozent Teuerung zwei Prozent Zinsen bekommt und darauf noch Steuern zahlt, verliert an Kaufkraft, auch wenn der Kontoauszug etwas anderes suggeriert. Die konkrete Gegenüberstellung finden Sie im Beitrag Gold oder Festgeld und Tagesgeld.

Der vierte Weg ist der, den man am Bildschirm sieht. Märkte reagieren nicht auf den Beschluss selbst, sondern darauf, ob er anders ausfällt als erwartet. Was alle kommen sehen, steckt im Preis, bevor es passiert. Bewegung entsteht durch Überraschungen, also durch eine Erhöhung, mit der niemand gerechnet hat, oder durch eine Pause, die am Markt als Eingeständnis gelesen wird, dass die Konjunktur mehr Zinsen nicht verkraftet. Der zweite Fall ist für Gold erfahrungsgemäß der wichtigere. Eine Notenbank, die trotz zu hoher Inflation nicht mehr straffen kann, ist ein starkes Argument für Sachwerte. Und weil es um Erwartungen geht, hilft es, die möglichen Ausgänge schon vor dem Termin zu kennen. Wer weiß, worauf er achten muss, kann eine Meldung in Minuten einordnen, statt sie tagelang zu verarbeiten.

Der Beschluss um 14:15 Uhr ist nur die Schlagzeile. Das Wesentliche fällt in der Pressekonferenz um 14:45 Uhr und in den Tagen danach, wenn sich zeigt, wie der Markt die Tonlage der Notenbank gelesen hat.

Der Mythos vom Zinsgegner Gold

Die Annahme, steigende Zinsen und steigende Goldpreise passten nicht zusammen, hält einem Blick in die Geschichte nicht stand. Zwischen 1977 und 1980 hob die amerikanische Notenbank die Zinsen drastisch an, und der Goldpreis stieg trotzdem auf ein damaliges Rekordniveau. Der Grund war einfach, dass die Inflation noch schneller stieg als die Zinsen und vom Zinsertrag unterm Strich nichts übrig blieb. Auch der komplette Zinserhöhungszyklus der Fed zwischen 2004 und 2006 mit seinen 17 Schritten in Folge endete für Gold deutlich höher, als er begonnen hatte.

Am lehrreichsten für deutsche Käufer ist die jüngste Erfahrung. Die schnellen Zinserhöhungen der Jahre 2022 und 2023 drückten den Goldpreis in US-Dollar zwischenzeitlich spürbar, während er sich in Euro wegen des damals schwachen Euro viel besser hielt. Dieselbe Zinspolitik, zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen, je nachdem in welcher Währung man rechnet. Und die meisten Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz rechnen nun einmal nicht in Dollar.

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Die Zwickmühle, in der die EZB steckt

Der Termin am 10. September hat deshalb mehr Gewicht als ein gewöhnlicher Zinsentscheid, weil die Notenbank kaum eine gute Option hat. Ihre eigenen Vorausberechnungen aus dem Juni sehen für 2026 rund 3,0 Prozent Inflation, gleichzeitig aber nur 0,8 Prozent Wirtschaftswachstum. Das ist genau die Mischung, die Volkswirte Stagflation nennen, also zu viel Teuerung für billiges Geld und zu wenig Wachstum für teures.

Ausgelöst hat den neuen Preisschub der Krieg im Nahen Osten und die Energiepreise, die daraufhin in die Höhe gegangen sind. Die Teuerung im Euroraum sank zwar von 3,2 Prozent im Mai auf 2,8 Prozent im Juni, kletterte im Juli aber wieder auf 2,9 Prozent, weil Energie sich binnen eines Jahres um rund zehn Prozent verteuert hat. Rechnet man Energie und Nahrungsmittel heraus, bleiben immer noch 2,4 Prozent. Es geht also längst nicht mehr nur um den Tank und die Heizung.

Für eine Notenbank ist das die unangenehmste Lage überhaupt, weil sie mit ihrem einen Werkzeug immer nur eines der beiden Probleme bekämpfen kann. Erhöht sie die Zinsen, dämpft sie die Preise, bremst aber eine Wirtschaft, die schon steht. Erhöht sie nicht, riskiert sie, dass sich die höheren Preise in Löhnen und Angeboten festsetzen und normal werden. Für Gold ist gerade diese Zwickmühle historisch ein guter Nährboden gewesen, und zwar nicht weil Zinsen steigen oder fallen, sondern weil das Zutrauen schwindet, dass sich der Geldwert überhaupt noch steuern lässt.

Die Debatte über einen Viertelprozentpunkt lenkt insofern vom eigentlichen Thema ab. Für das, was von einem Vermögen übrig bleibt, ist nicht der einzelne Schritt entscheidend, sondern der Abstand zwischen Zins und Teuerung über viele Jahre. Der folgende Rechner zeigt, was aus einem Euro-Betrag wird, wenn die Inflation so weiterläuft.

Berechnen Sie Ihren Kaufkraftverlust durch die Inflation

Die Inflationsrate lag zuletzt laut Statistischem Bundesamt bei 8.7%

Drei mögliche Ausgänge und was sie bedeuten

Wohin der Goldpreis danach läuft, kann niemand seriös sagen, und wir versuchen es hier auch nicht. Beschreiben lässt sich aber, welcher der vier Wege bei welchem Ausgang die Hauptrolle spielt.

Was die möglichen Beschlüsse für den Goldpreis in Euro bedeuten
Ausgang Was der Rat tut Was dann zählt Typische Reaktion
A: Erhöhung Ein Viertelprozentpunkt mehr, also 2,50 Prozent Wechselkurs und der Zins auf dem Sparkonto Kurzfristig Gegenwind für den Goldpreis in Euro, aber nur wenn der Markt nicht damit gerechnet hat
B: Pause mit klarer Ansage Zinsen unverändert, weitere Schritte werden angekündigt Die Erwartung an die nächsten Monate Meist die geringste Bewegung, weil sich nur der Zeitpunkt verschiebt
C: Pause aus Sorge um die Konjunktur Zinsen unverändert, im Mittelpunkt steht die schwache Wirtschaft Inflation und Vertrauen Ein Hinweis darauf, dass Sparzinsen die Teuerung länger nicht einholen, historisch das für Gold freundlichste Umfeld

Auffällig ist, dass in keinem der drei Fälle etwas zwangsläufig passiert. Selbst eine Erhöhung dämpft nur dann merklich, wenn sie überrascht und der Euro daraufhin deutlich zulegt. Wer über den Kauf physischer Ware nachdenkt, achtet deshalb besser nicht auf den einen Satz in der Eilmeldung, sondern auf das Gesamtbild aus Beschluss, neuen Vorausberechnungen und Tonlage.

Ein Blick auf die Ausgangslage hilft bei der Einordnung. Anfang September 2026 kostete die Feinunze rund 4.455 US-Dollar, bei einem Eurokurs um 1,16 Dollar waren das etwa 3.834 Euro, also gut 123 Euro je Gramm. Der Weg dorthin verlief alles andere als geradlinig. Nach einem schwachen Frühjahr mit Rücksetzern im März und Juni legte Gold allein im August um rund neun Prozent in Euro zu. Seit Jahresbeginn stehen damit knapp vier Prozent Plus, auf Sicht von zwölf Monaten rund 30 Prozent. Das Jahr 2025 hatte sogar ein Plus von rund 47 Prozent in Euro gebracht. Gold geht also mit einer ungewöhnlich starken Vorgeschichte in diesen Termin, aber auch mit größeren Schwankungen als früher. Zur amerikanischen Seite der Zinsdebatte lesen Sie ergänzend unseren Beitrag zur Fed-Zinspolitik 2026 und die Einordnung zu Kevin Warsh an der Fed-Spitze.

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Wie man einen Zinstermin sinnvoll verfolgt

Am Tag selbst läuft es immer gleich ab. Um 14:15 Uhr steht die Zahl fest, um 14:45 Uhr beginnt die Pressekonferenz, und spätestens dann entscheidet sich, was der Markt aus dem Beschluss macht. Wer nur die Zahl liest, sieht das Wenigste. Interessant ist, welche Sorge im Vordergrund steht, ob die Inflation oder die schwache Konjunktur, und ob die Notenbank sich Spielraum für weitere Schritte offenhält oder nicht. Genau daran hängen die kommenden Monate, nicht am Viertelprozentpunkt.

Deshalb ist es auch kein Widerspruch, dass sich Einordnungen zu einem solchen Termin sinnvoll vorbereiten lassen. Die möglichen Ausgänge stehen vorher fest, die Kanäle, über die sie wirken, ebenso. Was am Tag X hinzukommt, ist die Frage, welches Szenario eingetreten ist und wie der Ton der Pressekonferenz war. Genau diesen Rahmen liefern unsere Video- und Live-Formate rund um Notenbanktermine, und genau deshalb lohnt sich beides, die Vorbereitung vorher und der Blick danach. Was sie nicht liefern und nicht liefern sollen, ist ein Startschuss zum Handeln.

Für die eigene Praxis heißt das, in Ruhe zuzuhören und nicht auf die Minute zu reagieren. Wer versucht, seinen Kauf punktgenau auf 14:15 Uhr zu legen, tritt gegen Computer an, die schneller sind als jeder Mensch. Verstehen, was entschieden wurde, ist der Teil, der einem Privatanleger tatsächlich etwas bringt.

Goldmünzen werden in einem Tresorraum in eine Ablage einsortiert
Physisches Gold folgt einer anderen Logik als ein Tagesgeldkonto, es ist Bestand und keine Wette auf den nächsten Mittwoch.

Was sich daraus praktisch mitnehmen lässt

Aus den vier Wirkungswegen ergeben sich ein paar nüchterne Schlussfolgerungen. Keine davon ist eine Empfehlung, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu handeln, es sind Hilfen zum Einordnen.

Das Wichtigste ist, immer nach Steuern und nach Inflation zu rechnen. Ein Angebot von 2,3 Prozent klingt nach Fortschritt, bedeutet bei 2,9 Prozent Teuerung und nach Abgeltungssteuer aber weniger Kaufkraft als vorher. Erst wenn der Zins nach Steuern über der Inflationsrate liegt, ändert sich die Lage grundsätzlich. Genauso hilfreich ist es, zwischen Geld für den Alltag und Geld für den Bestand zu unterscheiden. Ein Tagesgeldkonto kann etwas, das Gold nicht kann, nämlich morgen verfügbar sein, ohne dass der Kurs eine Rolle spielt. Umgekehrt kann Gold etwas, das ein Konto nicht kann. Die Frage lautet also selten entweder oder, sondern in welchem Verhältnis beides zueinander steht.

Bei physischer Ware entscheidet außerdem nicht nur der Tagespreis über das Ergebnis, sondern der Abstand zwischen An- und Verkaufspreis. Übliche Größen in gängigen Formaten sind hier fast immer günstiger als sehr kleine Einheiten oder Sammlerstücke. Und wer den Goldpreis in Euro beobachtet, sollte nicht allein auf die EZB schauen, denn der Abstand zwischen europäischen und amerikanischen Zinsen bewegt den Euro und damit den Preis oft stärker als der Beschluss aus Frankfurt.

Wer physisch kauft, greift im Euroraum meist zu international bekannten Anlagemünzen und Barren mit engem Abstand zwischen An- und Verkauf. Klassiker in der Unze wie der Wiener Philharmoniker oder der Krügerrand sind weltweit handelbar und in Deutschland als Anlagegold von der Mehrwertsteuer befreit. Einen Überblick über das Segment finden Sie in den Kategorien Goldmünzen und Goldbarren.

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Diese Termine bestimmen den Rest des Jahres

Der EZB-Rat tagt alle sechs Wochen und damit achtmal im Jahr. Nach dem 10. September folgt der 29. Oktober, danach die letzte Sitzung des Jahres am 17. Dezember. Bei den Sitzungen mit neuen Vorausberechnungen ist die Wirkung am Markt erfahrungsgemäß größer, weil dort nicht nur über den Tag entschieden wird, sondern über die Richtung der nächsten Monate.

  • 10. September 2026: Beschluss um 14:15 Uhr, Pressekonferenz um 14:45 Uhr, dazu neue Vorausberechnungen zu Inflation und Wachstum
  • 29. Oktober 2026: normaler Zinsentscheid ohne neue Vorausberechnungen
  • 17. Dezember 2026: letzte Sitzung des Jahres, wieder mit aktualisierten Zahlen
  • Immer im Blick: die monatliche erste Schätzung der Inflation im Euroraum und die Tarifabschlüsse, weil höhere Löhne die Preise mit Verzögerung weitertreiben

Daneben lohnt der Blick auf die Zinsen für lange Laufzeiten. Der Leitzins wirkt vor allem auf das Sparbuch und kurzfristige Anlagen, für die Bewertung von Sachwerten sind aber die Zinsen wichtig, die Staaten und Unternehmen über zehn oder dreißig Jahre zahlen müssen. Dazu haben wir die Entwicklung der Langfristzinsen ausführlich beschrieben.

Einordnung ohne Prognoseversprechen

Was sich mit Blick auf den 10. September sagen lässt, klingt unspektakulär. Ein Viertelprozentpunkt mehr ändert an der Lage im Euroraum wenig, solange die Inflation bei knapp drei Prozent liegt. Wirkung entfaltet der Schritt vor allem über den Wechselkurs, und selbst dort nur, wenn er den Markt überrascht.

Das größere Bild bleibt davon unberührt. Eine Notenbank, die bei 0,8 Prozent Wachstum gegen drei Prozent Teuerung ankommen muss, hat wenig Spielraum, Sparern auf Dauer mehr Zins zu verschaffen, als die Preise steigen. Wer physisches Gold als einen Teil seines Vermögens hält, tut das ohnehin nicht wegen eines Zinstermins, sondern mit einem Zeithorizont, der in Jahrzehnten gemessen wird. Als Händler mit über 280.000 Kunden beobachten wir seit Jahren, dass die Nachfrage in solchen Phasen weniger an einzelnen Terminen hängt als an der grundsätzlichen Frage, wie viel das Geld in zehn Jahren noch wert ist.

Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Edelmetallpreise unterliegen Schwankungen, aus vergangenen Entwicklungen lässt sich nicht auf künftige schließen.

Häufige Fragen zum EZB-Zinsentscheid und zum Goldpreis

Wann ist der nächste EZB-Zinsentscheid?

Der nächste Beschluss fällt am 10. September 2026. Die Entscheidung wird um 14:15 Uhr veröffentlicht, die Pressekonferenz beginnt um 14:45 Uhr. Der Termin danach ist der 29. Oktober 2026.

Wie hoch ist der EZB-Leitzins aktuell?

Der für Sparzinsen wichtigste Satz, den Banken für über Nacht geparktes Geld erhalten, liegt bei 2,25 Prozent. Die beiden Sätze, zu denen sich Banken bei der Notenbank Geld leihen, liegen bei 2,40 und 2,65 Prozent. Diese Werte gelten seit dem 17. Juni 2026, beschlossen wurden sie am 11. Juni, und am 23. Juli hat der EZB-Rat sie unverändert gelassen.

Fällt der Goldpreis automatisch, wenn die EZB die Zinsen erhöht?

Nein, so einfach ist es nicht. Es kommt darauf an, was vom Zins nach Abzug der Inflation übrig bleibt und ob der Markt den Schritt schon erwartet hatte. Es gab mehrere Phasen steigender Zinsen, in denen der Goldpreis gestiegen ist, etwa zwischen 2004 und 2006 oder Ende der 1970er Jahre.

Warum ist der Goldpreis in Euro etwas anderes als der Goldpreis in Dollar?

Gold wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Der Preis in Euro ergibt sich erst, wenn man den Dollarpreis in Euro umrechnet. Ein starker Euro macht Gold für uns billiger, ein schwacher Euro teurer, ganz unabhängig davon, was der Weltmarktpreis macht. Deshalb können beide Kurven zeitweise deutlich auseinanderlaufen.

Ist Tagesgeld bei diesem Zinsniveau die bessere Alternative zu Gold?

Beides erfüllt verschiedene Aufgaben. Tagesgeld ist jederzeit verfügbar und schwankt nicht, verliert bei 2,9 Prozent Inflation und nach Steuern aber an Kaufkraft, zumal der durchschnittliche Tagesgeldzins nach dem Biallo-Index Ende Juli 2026 erst bei 1,66 Prozent lag. Gold zahlt keine Zinsen, schwankt im Preis und ist als langfristiger Bestand gedacht. Die sinnvolle Frage ist deshalb nicht entweder oder, sondern in welchem Verhältnis beides zueinander steht.

Was bedeutet Stagflation für Edelmetalle?

Stagflation heißt hohe Inflation bei schwacher Wirtschaft, im Euroraum aktuell rund 3,0 Prozent erwartete Teuerung bei 0,8 Prozent Wachstum für 2026. In so einer Lage kann eine Notenbank kaum dafür sorgen, dass Sparzinsen die Preissteigerung dauerhaft übertreffen. Für Edelmetalle war das historisch ein unterstützendes Umfeld, eine Garantie für die Zukunft ist es aber nicht.

Sollte man Käufe rund um einen Zinstermin timen?

Den Termin zu verfolgen ist sinnvoll, ihn punktgenau zu handeln dagegen kaum. Erwartungen stecken schon vor dem Beschluss im Preis, und die ersten Minuten danach gehören dem professionellen Handel. Was einem Privatanleger wirklich hilft, ist die Einordnung, also zu verstehen, worauf die Notenbank in den nächsten Monaten zusteuert. Beim Kauf selbst zählen dann eher regelmäßige Abstände sowie das Aufgeld und gängige Formate.

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