
Schulkrawalle in Frankreich: Fast 2.000 Festnahmen an einem Tag!

Frankreich erlebt eine Woche des Kontrollverlusts. Nach Angaben des Pariser Innenministeriums nahm die Polizei allein am Donnerstag 1.949 Personen fest, 305 Polizisten und Gendarmen wurden seit Wochenbeginn verletzt. Was vor zwei Wochen als Protest gegen ausgefallene Stunden und bröckelnde SchulgebĂ€ude begann, ist zu StraĂengewalt geworden.
Ăber 400 Gymnasien bleiben dicht
Die Bilanz liest sich wie ein Lagebericht aus einem Krisengebiet. Seit Montag kamen laut Ministerium 1.793 Festgenommene in Polizeigewahrsam. Medienberichten zufolge sind landesweit mehr als 1.000 Schulen von Blockaden betroffen, unter den Festgenommenen sollen viele MinderjÀhrige sein.
Bildungsminister Ădouard Geffray zog die Notbremse: Mehr als 400 Gymnasien blieben am Freitag geschlossen, unterrichtet wird nur noch digital. Rund um die betroffenen Schulen gilt ein Demonstrationsverbot. Nach Angaben des Ministers seien vielerorts Brandschutzanlagen zerstört und Mitarbeiter âsehr gezielt und mit Absichtâ angegriffen worden.
Die Ironie ist bitter: Wer gegen Unterrichtsausfall protestiert, sorgt nun selbst dafĂŒr, dass Hunderttausende SchĂŒler gar nicht mehr ins Klassenzimmer dĂŒrfen.
Brennende EingÀnge, getretene Polizistin
Im 15. Pariser Arrondissement stand der Eingang eines Gymnasiums in Flammen. Noch verstörender sind Videoaufnahmen, die zeigen sollen, wie mehrere Randalierer eine Polizistin verfolgen, die ihr FunkgerĂ€t aufheben wollte. Sie sei zu Boden gebracht und mehrfach getreten worden, ein Beteiligter habe âTötet sie!â gerufen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen tĂ€tlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte.
Innenminister Laurent Nuñez reagierte auf X deutlich:
âEin solcher Angriff auf eine Vertreterin der OrdnungskrĂ€fte ist nicht hinnehmbar.â
In Marseille soll eine Frau mit einem improvisierten Flammenwerfer aus Spraydose und Feuerzeug attackiert worden sein. Eine Bekannte schrieb auf Facebook, die TĂ€ter hĂ€tten eine Haltestelle anzĂŒnden wollen. Die Frau habe eingegriffen und Verbrennungen im Gesicht erlitten. Berichten zufolge plĂŒnderten Randalierer in der Hafenstadt zudem ein Fahrzeug der Marine-Feuerwehr und zĂŒndeten es an. Im savoyischen Annecy soll ein SchĂŒler einer Aufsichtskraft ins Gesicht geschlagen haben, die eine Parkplatzblockade auflösen wollte.
Wer zieht die FĂ€den?
Die Regierung sieht die Verantwortung nicht nur auf der StraĂe. Nach EinschĂ€tzung der französischen Geheimdienste handle es sich um ein von der LinksauĂen-Partei La France insoumise (LFI) und ihrem Umfeld gesteuertes Manöver, teilte die Regierungskanzlei mit. Premierminister SĂ©bastien Lecornu warf der Bewegung des PrĂ€sidentschaftskandidaten Jean-Luc MĂ©lenchon eine âverantwortungslose Eskalationâ vor. Nichts rechtfertige es, SchĂŒler, Personal oder Polizisten zu gefĂ€hrden. Trotzdem riefen LFI-Abgeordnete dazu auf, die Proteste auszuweiten.
MĂ©lenchon weist das zurĂŒck. Erst nach zehn Tagen Mobilisierung sei die Regierung bereit gewesen, die SchĂŒlerorganisationen ĂŒberhaupt zu empfangen, erklĂ€rte er. Medienberichten zufolge hatte er zuvor zur Gewaltlosigkeit aufgerufen. Auch PrĂ€sident Emmanuel Macron mahnte, Wut rechtfertige keine Gewalt.
Ein bekanntes Muster
Neu ist das alles nicht. Schulblockaden gehören in Frankreich fast zur politischen Folklore, und im Sommer 2023, nach dem Tod eines 17-JĂ€hrigen in Nanterre, wurden binnen weniger NĂ€chte Tausende Menschen festgenommen. Dieses Mal ist die Lage politisch besonders heikel: Mit Blick auf die PrĂ€sidentschaftswahl 2027 werden Schulhöfe zur BĂŒhne und MinderjĂ€hrige womöglich zu Statisten im Machtkampf.
Verhandeln unter dem Druck der StraĂe
FĂŒr Freitag hat das Bildungsministerium SchĂŒler- und ElternverbĂ€nde sowie Gewerkschaften eingeladen, um ĂŒber ZugestĂ€ndnisse zu sprechen. Kritiker sehen darin ein fatales Signal: Wer nach BrandanschlĂ€gen an den Verhandlungstisch geladen wird, lernt vor allem, dass sich Eskalation lohnt.
FĂŒr Deutschland ist das mehr als ein Blick ĂŒber den Rhein. Auch hierzulande klagen Eltern ĂŒber Unterrichtsausfall und marode SchulgebĂ€ude, obwohl der Staat Milliardenschulden aufnimmt. Frankreich zeigt, was geschehen kann, wenn sich Frust ĂŒber einen ausgehöhlten Staat mit politischer Mobilisierung verbindet. Am Ende bezahlen das die SchĂŒler, die lernen wollen, und die Polizisten, die den Kopf hinhalten.
- Themen:
- #Wahlen

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











