
Brennende Schulen in Frankreich: Wer zĂŒndelt an der Jugend?

Frankreich erlebt die heftigsten SchĂŒlerproteste seit Jahren. Seit Ende September blockieren Jugendliche landesweit Hunderte Gymnasien, laut Innenministerium wurden bis Donnerstag 1.949 Menschen festgenommen. Jetzt tobt in Paris ein erbitterter Streit darĂŒber, wer die Wut der SchĂŒler anheizt. Im Fokus stehen die Linkspartei La France Insoumise (LFI) und Gruppen aus dem Umfeld der MuslimbrĂŒder.
Von maroden Klassenzimmern zu brennenden Barrikaden
Angefangen hatte alles mit Forderungen, die man verstehen kann. Die SchĂŒler klagen Medienberichten zufolge ĂŒber bröckelnde GebĂ€ude, ĂŒberfĂŒllte Klassen und fehlende Lehrer. Ausgelöst wurde der Ărger durch den Sparkurs der Regierung.
Doch was in Paris als Schulstreik begann, ist binnen Tagen gekippt. In Nantes brannte eine Schule aus. In Marseille sollen Angreifer einen Schulleiter mit Benzin ĂŒbergossen haben. Nach offiziellen Angaben wurden 305 Polizisten und Gendarmen verletzt, auĂerdem 170 SchĂŒler und 65 BeschĂ€ftigte aus dem Bildungswesen. Mehr als 400 Schulen sollten am Freitag geschlossen bleiben und nur Fernunterricht anbieten. Das Innenministerium spricht inzwischen von âstĂ€dtischer Unruheâ.
Die Spur ins Netz
Die französische Reporterin Nora Bussigny hat fĂŒr das Magazin Le Point untersucht, wer die Blockaden in den sozialen Netzwerken verstĂ€rkt. Ihre Bewertung fĂ€llt drastisch aus. GegenĂŒber der Berliner Zeitung sagte sie:
âDie Ultralinke, eng verbunden mit den MuslimbrĂŒdern, radikalisiert die SchĂŒlerbewegungen, um zu destabilisieren.â
Im Mittelpunkt ihrer Recherche steht die Gruppe RED Jeunes, deren Videos teils rund 700.000 Aufrufe erreichen. Sie gehöre laut Bussigny zum BĂŒndnis GĂ©nĂ©ration EDR, an dem auch die inzwischen aufgelöste Jeune Garde beteiligt gewesen sei. Gegen das BĂŒndnis lĂ€uft ein Auflösungsverfahren des Innenministeriums.
Zur LFI gebe es personelle Ăberschneidungen. Ein Sprecher des BĂŒndnisses kandidierte 2024 fĂŒr die Partei bei der Parlamentswahl. Ein SchĂŒlervertreter, der jede Verbindung bestritten hatte, soll laut Bussigny in diesem Jahr auf der Kommunalwahlliste eines LFI-Politikers gestanden haben. Abgeordnete wie Louis Boyard zeigten sich vor blockierten Schulen und verbreiteten die Aufrufe ĂŒber eigene Instagram-KanĂ€le.
Und die MuslimbrĂŒder?
Ebenfalls Teil von GĂ©nĂ©ration EDR seien die Ătudiants Musulmans de France. Ein Regierungsbericht aus dem vergangenen Jahr stufe sie als Jugendvertretung der MuslimbrĂŒder in Frankreich ein, so Bussigny. Vor Schulen in Bordeaux und im Pariser Umland wurden französischen Medien zufolge bereits PalĂ€stina-Flaggen geschwenkt.
Zur Einordnung: Bussigny ist keine neutrale Beobachterin. Sie schrieb das Buch âDie neuen Antisemitenâ und zeigte im vergangenen Jahr den LFI-Abgeordneten Paul Vannier wegen Cybermobbings an.
Regierung spricht von âorganisiertem Manöverâ
Allerdings sieht es Premierminister SĂ©bastien Lecornu Ă€hnlich. Sein Amt sprach unter Berufung auf die Nachrichtendienste von einem âorganisierten Manöverâ der LFI und der Ultralinken. Eine Note der Pariser PolizeiprĂ€fektur, ĂŒber die Le Figaro berichtet, erwĂ€hnt die PrĂ€senz von Aktivisten aus LFI und linksradikalen Gruppen.
Die Partei weist das scharf zurĂŒck. Koordinator Manuel Bompard warnte die Regierung vor Verschwörungsdenken. Fest steht: Eine Steuerung der Blockaden ist bislang nicht belegt. Die Recherche zeigt VerstĂ€rkung im Netz und personelle NĂ€he, mehr nicht. Wer die BrĂ€nde gelegt und die Angriffe verĂŒbt hat, haben die Behörden noch nicht mitgeteilt. Bildungsminister Ădouard Geffray sagte, die Gewalt gehe vor allem von Personen aus, die nicht zu den Schulen gehörten.
Kampf um die ErstwÀhler
Die BĂŒrger sind skeptisch. In einer Umfrage fĂŒr Le Figaro meinten 61 Prozent, die LFI ĂŒberschreite mit ihrer Beteiligung an den Protesten ihre Rolle. Der Verdacht liegt nahe, dass es um WĂ€hlerstimmen geht. Die LFI-Abgeordnete ClĂ©mence GuettĂ© rechnete im Mai vor, seit 2022 seien 4,3 Millionen Franzosen volljĂ€hrig geworden. âDie Jugend wird uns zum Sieg fĂŒhrenâ, schrieb sie laut Le Point.
Im FrĂŒhjahr wĂ€hlt Frankreich einen neuen PrĂ€sidenten. FĂŒr Dienstag ist der nĂ€chste landesweite Aktionstag angekĂŒndigt. Kritiker sehen darin ein bitteres LehrstĂŒck: Berechtigte Anliegen von SchĂŒlern drohen im Rauch der Barrikaden unterzugehen. Und Europas zweitgröĂte Volkswirtschaft wirkt einmal mehr wie ein Land, das seine eigene Jugend nicht mehr erreicht.

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