
Netanjahus Endspiel: Israel plant die vollstÀndige Annexion des Gazastreifens
Die WĂŒrfel sind gefallen. Nach monatelanger systematischer Zerstörung weiter Teile des Gazastreifens bereitet Israels Premierminister Benjamin Netanjahu nun den finalen Schachzug vor: Die schrittweise Annexion des gesamten palĂ€stinensischen KĂŒstenstreifens. Was sich wie ein dystopisches Szenario anhört, könnte schon bald bittere RealitĂ€t werden â mit dem Segen der Trump-Administration.
Ein perfider Plan zur Beschwichtigung extremistischer Koalitionspartner
Laut Berichten der israelischen Zeitung Haaretz verfolge Netanjahu mit diesem Vorhaben vor allem ein Ziel: Seine wackelige Regierungskoalition zusammenzuhalten. Die extremistischen Minister Bezalel Smotrich und Itamar Ben Gvir, ohne deren UnterstĂŒtzung Netanjahus Regierung kollabieren wĂŒrde, fordern seit langem die vollstĂ€ndige Kontrolle ĂŒber Gaza. Nun scheint der Premierminister bereit, ihren radikalen Forderungen nachzugeben.
Der Plan sei so simpel wie zynisch: Israel werde der Hamas ein Ultimatum fĂŒr einen Waffenstillstand stellen â allerdings mit Bedingungen, die bewusst so formuliert seien, dass eine Ablehnung garantiert sei. Nach der erwarteten ZurĂŒckweisung durch die Hamas könne Israel dann mit der schrittweisen Annexion beginnen, zunĂ€chst mit der bereits geschaffenen Pufferzone entlang der Grenze, dann mit Gebieten im Norden, bis schlieĂlich der gesamte Gazastreifen als israelisches Territorium beansprucht werde.
Die Architekten der Annexion: Religiöse Extremisten in Regierungsverantwortung
Besonders beunruhigend sind die Figuren, die hinter diesem Plan stehen. Finanzminister Bezalel Smotrich, selbst Siedler im Westjordanland und AnfĂŒhrer der Partei "Religiöser Zionismus", trĂ€umt von einem theokratischen GroĂisrael. Bei einer Siedlerkonferenz im Mai habe er unverblĂŒmt erklĂ€rt, Gaza werde "vollstĂ€ndig zerstört" werden, die 2,3 Millionen Bewohner wĂŒrden im Ă€uĂersten SĂŒden "konzentriert" und in "völliger Verzweiflung" und "ohne Hoffnung" nach Möglichkeiten zur Auswanderung suchen.
"Gaza wird vollstĂ€ndig zerstört werden. Die Bewohner werden im Ă€uĂersten SĂŒden konzentriert, völlig verzweifelt, ohne Hoffnung, und werden nach Umsiedlung suchen, um anderswo ein neues Leben zu beginnen."
Noch radikaler gebĂ€rdet sich Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir, der einst sein Haus mit einem Foto des Massenmörders Baruch Goldstein schmĂŒckte â jenem Mann, der 1994 beim Massaker in der Patriarchenhöhle 28 betende Muslime ermordete. Ben Gvir fordere, dass ĂŒberhaupt keine Hilfslieferungen mehr nach Gaza gelangen dĂŒrften und die israelische Armee das Gebiet vollstĂ€ndig erobern solle, um die PalĂ€stinenser zur Auswanderung zu zwingen.
Die systematische Zerstörung als Vorbereitung der Annexion
Was in Gaza bereits geschehen ist, liest sich wie die Vorbereitung auf genau dieses Szenario. Weite Teile des KĂŒstenstreifens sind unbewohnbar gemacht worden. Nicht nur WohnhĂ€user und Infrastruktur wurden dem Erdboden gleichgemacht, sondern auch Ackerland systematisch zerstört. Satellitenbilder zeigen das erschreckende AusmaĂ: Ganze Stadtviertel, die einst Tausenden Menschen ein Zuhause boten, sind heute nur noch Schutthalden.
Ein britischer Journalist berichtete nach einem Ăberflug ĂŒber Gaza: "Die Israelis wollen nicht, dass wir aus dem Flugzeugfenster die VerwĂŒstung in Gaza filmen. Aber ich habe zehn Minuten lang mit eigenen Augen hingeschaut und kann Ihnen sagen: Die Gemeinden im Norden Gazas, die ich gut kannte, sind platt. Es ist nichts mehr von ihnen ĂŒbrig."
Trumps Segen fĂŒr völkerrechtswidrige Landnahme?
Besonders brisant: Netanjahu habe seinen Ministern versichert, dass der Annexionsplan bereits US-AuĂenminister Marco Rubio vorgestellt worden sei und die Trump-Administration das Vorhaben unterstĂŒtze. Sollte dies zutreffen, wĂŒrde Washington damit grĂŒnes Licht fĂŒr einen eklatanten Bruch des Völkerrechts geben â die gewaltsame Annexion besetzten Gebiets ist nach internationalem Recht strikt verboten.
Die internationale Gemeinschaft reagiert bereits mit wachsender Besorgnis. Frankreichs PrĂ€sident Macron kĂŒndigte an, PalĂ€stina bei der UN-Generalversammlung im September als Staat anerkennen zu wollen. Auch der britische Premierminister Keir Starmer stehe unter massivem Druck seiner Labour-Partei, diesem Schritt zu folgen. Der wachsende internationale Konsens, dass Israel in Gaza Völkermord begehe, könnte durch die AnnexionsplĂ€ne weitere Nahrung erhalten.
Ein gefÀhrliches Spiel mit dem Feuer
Netanjahus KalkĂŒl mag kurzfristig aufgehen und seine extremistische Koalition zusammenhalten. Doch die langfristigen Folgen könnten verheerend sein. Eine Annexion Gazas wĂŒrde nicht nur das Leid der palĂ€stinensischen Bevölkerung ins Unermessliche steigern, sondern auch Israels internationale Isolation vertiefen und die Spannungen im gesamten Nahen Osten auf einen neuen Siedepunkt treiben.
Was hier geschieht, ist nichts weniger als die Demontage jeglicher Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts. Wenn religiöse Extremisten die AuĂenpolitik eines Staates diktieren und internationale Normen mit FĂŒĂen getreten werden, wĂ€hrend die selbsternannte "FĂŒhrungsmacht des Westens" applaudiert, dann steuert die Region auf eine Katastrophe zu, deren AusmaĂ wir heute noch nicht ermessen können.
Die Frage ist nicht mehr, ob dieser Plan umgesetzt wird, sondern wie die Weltgemeinschaft darauf reagieren wird. Wird sie tatenlos zusehen, wie vor aller Augen Fakten geschaffen werden, die Generationen von PalĂ€stinensern ihrer Heimat berauben? Oder findet sie endlich den Mut, diesem gefĂ€hrlichen Treiben Einhalt zu gebieten? Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Völkerrecht noch irgendeinen Wert hat â oder ob es endgĂŒltig der Macht des StĂ€rkeren weichen muss.
- Themen:
- #Wahlen












