
KI-Betongold mit Rissen: Wall Street lockt Anleger in Rechenzentren

Die großen Finanzhäuser der Wall Street haben ein neues Verkaufsargument: Rechenzentren, also die Serverhallen der künstlichen Intelligenz, sollen als solide Immobilienanlage ins Depot. Vorreiter ist Blackstone mit einem börsennotierten Immobilienfonds. Doch die Risiken nehmen zu, denn in den USA wächst der Widerstand gegen die stromhungrigen Anlagen.
Der Fonds mit dem schwachen Start
Der Blackstone Digital Infrastructure Trust (BXDC) ging Mitte Mai 2026 an die New Yorker Börse. Es ist ein sogenannter REIT, ein Immobilienfonds, der wie eine Aktie gehandelt wird. Ausgegeben wurden 87,5 Millionen Anteile zu je 20 Dollar. Seitdem hat das Papier rund 16 Prozent verloren und schloss zuletzt unter 17 Dollar.
Fondschef Nick Pell nannte die Anlage im Mai im US-Fernsehen den Weg mit dem geringsten Risiko. Er peilt einen Markt von 300 Milliarden Dollar an, in einigen Jahren sogar von mehr als einer Billion. Laut Medienberichten hat der Fonds allerdings noch kein Kapital investiert. Die Anleger kaufen also vorerst ein Versprechen.
Andere ziehen nach. Blue Owl soll einen börsennotierten REIT mit bis zu 6,5 Milliarden Dollar planen. Nach eigenen Angaben besitzt der Konzern mehr als 130 Rechenzentren in 32 Märkten. Brookfield brachte im Juli seinen Dienstleister Csquare an die Börse. Auch diese Aktie liegt fast 16 Prozent unter dem Ausgabekurs.
Bürger und Politik wehren sich
Gegenwind kommt aus der Bevölkerung. Laut Gallup lehnen 70 Prozent der Amerikaner ein Rechenzentrum in ihrer Nähe ab. Eine Umfrage von New York Times und Siena College kam auf rund zwei Drittel, und zwar bei Wählern beider Parteien.
Die Politik reagiert. New York stoppte im Juli als erster Bundesstaat die Genehmigung neuer Großrechenzentren. Texas folgte im August. Ausgerechnet Gouverneur Greg Abbott, der seinen Staat ein Jahr zuvor noch zum Zentrum der KI erklärt hatte, ordnete den Stopp an.
Wie schnell solche Hürden die Rendite treffen, zeigt Oracle. Die Aktie fiel Ende September um 4 Prozent, nachdem der Konzern für das Projekt Jupiter in New Mexico höhere Gewalt geltend gemacht hatte. Das Projekt gehört zum KI-Ausbauprogramm Stargate und wird von Blue Owl entwickelt. Oracle wolle Zahlungen aufschieben, falls der Standort 2028 nicht läuft, betone aber, das Projekt sei im Plan.
Weitere Warnsignale
- Ein australischer Rechenzentrumsbetreiber, hinter dem Nvidia und Blackstone stehen, sagte seinen Börsengang mangels Nachfrage ab.
- KI-Aktien fielen, als bekannt wurde, dass eine Umsatzprognose von OpenAI fast 20 Milliarden Dollar unter einer früheren Schätzung lag.
- Seit August verkaufen Anleger wegen steigender Anleiherenditen viele REITs.
Die Gefahr, nicht an sein Geld zu kommen
Der Finanzprofessor Sabur Mollah vom Gettysburg College warnt vor Überbewertung durch die KI-Euphorie. Er nennt außerdem hohe Kosten, die Abhängigkeit von wenigen Tech-Mietern und knappen Strom. Auch technische Veralterung und Probleme bei der Anschlussfinanzierung gelten als Risiken.
Bisher halten Profis rund 94 Prozent der BXDC-Anteile. Das könnte sich ändern, denn der Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Paul Atkins, will Privatanlegern den Zugang zu nicht börsennotierten Anlagen erleichtern. Andrew Tarver von InvestCloud vergleicht deren Abwicklung mit einem langsamen Postamt. Diese Strukturen seien für wenige Großinvestoren gebaut worden, nicht für Millionen Kleinanleger. Wie schnell Ausstiegsfenster schließen können, zeigte 2026 der Streit um Rücknahmen bei Private-Credit-Fonds.
Unser Fazit: Lieber Substanz als Erzählung
Wenn Großinvestoren ein Geschäft öffnen, das sie lange für sich behalten haben, sollten Privatanleger genau hinschauen. Wer Sicherheit sucht, setzt besser auf Werte, die weder Stromnetz noch Genehmigung noch Großmieter brauchen. Physisches Gold und Silber haben schon viele Krisen überstanden. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie eine sinnvolle Absicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung, Wertpapiere oder andere Anlagen zu kaufen oder zu verkaufen. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Entscheidungen allein verantwortlich.

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