
Inflations-Schock aus Washington: Silber stĂĽrzt, Gold wackelt!

Die US-Inflation hat die Edelmetallmärkte am Mittwoch auf dem falschen Fuß erwischt. Nach unerwartet hohen Verbraucherpreisdaten für September brach der Silberpreis um rund 6 Prozent ein, Gold fiel unter die Marke von 4.100 US-Dollar je Unze. Der Grund: An den Märkten wächst die Angst vor einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank.
HeiĂźe Zahlen, kalte Dusche
Laut dem Bureau of Labor Statistics zogen die US-Verbraucherpreise im September saisonbereinigt um 0,6 Prozent zum Vormonat an. Die Jahresrate kletterte damit von 3,4 auf 3,7 Prozent. Von Dow Jones befragte Ökonomen hatten Berichten zufolge mit 3,6 Prozent gerechnet. Ein kleiner Unterschied? An der Börse reicht so etwas für ein Beben.
Schwerer wiegt die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel. Sie stieg auf 2,6 Prozent, nach 2,4 Prozent im August. Erwartet worden waren 2,5 Prozent. Ein Marktstratege der Carson Group sagte dem US-Sender CNBC:
„Der CPI kam heiß herein, und es waren nicht nur die Treibstoffpreise.“
Energie bleibt trotzdem der größte Brandbeschleuniger. Benzin verteuerte sich binnen eines Monats um 9,1 Prozent und war damit für etwa die Hälfte des gesamten Anstiegs verantwortlich. Heizöl kostet 74,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dahinter steht der Krieg mit dem Iran, der seit Ende Februar andauert und den Ölpreis der Sorte Brent über 106 Dollar je Barrel getrieben hat. Aber auch Mieten, Gebrauchtwagen und Kleidung wurden teurer.
Die Fed zieht die Daumenschrauben an
Erst im September hatte die Federal Reserve ihren Leitzins zum ersten Mal seit über drei Jahren angehoben, um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Nun sehen die Märkte laut CME FedWatch eine Wahrscheinlichkeit von rund 54 Prozent, dass auf der Sitzung am 27. und 28. Oktober der nächste Schritt folgt. Für eine Erhöhung bis Jahresende liegt der Wert bei über 96 Prozent.
Politisch ist das brisant. Medienberichten zufolge kommen die Zahlen nur wenige Wochen vor den Zwischenwahlen am 3. November, und Präsident Trump steht beim Thema Lebenshaltungskosten ohnehin unter Druck. Gleichzeitig legte der Dollar-Index um 0,34 Prozent auf rund 102,5 Punkte zu. Für Käufer außerhalb des Dollarraums wird das Metall damit teurer.
Warum Silber viermal so hart fällt
Der Silber-ETF SLV verlor 6,11 Prozent, sein Gold-Gegenstück GLD dagegen nur 1,49 Prozent. Das hat einen Grund. Silber ist Krisenmetall und Industrierohstoff zugleich, unverzichtbar für Solarmodule, Elektronik und Medizintechnik. Steigende Zinsen machen zinslose Anlagen relativ unattraktiver und dämpfen zugleich die Konjunkturerwartungen. Silber trifft das also doppelt. Weil der Markt zudem deutlich kleiner ist als der Goldmarkt, schlagen Verkaufswellen dort härter durch.
Panik? Eher eine Atempause
Wer jetzt nervös wird, sollte einen Blick zurück werfen. Auch 2022 drückte der aggressive Zinskurs der Fed den Goldpreis zeitweise deutlich nach unten. In den Jahren danach stieg das Metall von einem Rekord zum nächsten. Daran sieht man, dass Zinsen den Preis kurzfristig bewegen, langfristig aber eher Schulden, Geldentwertung und geopolitische Krisen den Kurs bestimmen.
Interessant: Die Prognosebörse Polymarket gab am Abend des 14. Oktober eine Wahrscheinlichkeit von 80,5 Prozent an, dass Gold im Oktober noch die Marke von 4.200 Dollar testet. Für Silber bei 54 Dollar lag die Quote bei 61,5 Prozent. Hinzu kommt, dass der Silbermarkt Branchenberichten zufolge bereits das sechste Jahr in Folge ein Angebotsdefizit aufweist.
Was jetzt auf Anleger zukommt
Die nächsten Termine stehen schon fest: US-Erzeugerpreise, Einzelhandelsumsätze, Arbeitsmarktdaten und später der PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Bis zur Zinsentscheidung dürften die Ausschläge heftig bleiben.
Die eigentliche Botschaft dieses Mittwochs ist die Inflation selbst. Sie bleibt hartnäckig. Und wenn Kaufkraft schwindet, hat sich physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen über Jahrzehnte bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂźlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.
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