
Gold schlägt zurück: Anleihe-Rally beschert Silber dickes Plus!

Gold und Silber haben am Donnerstag im späten US-Handel kräftig zugelegt und den Ausverkauf vom Vortag fast vergessen gemacht. Die Feinunze Gold kletterte auf rund 4.168,70 US-Dollar, ein Plus von 1,56 Prozent. Silber legte sogar um 3,24 Prozent auf etwa 57,31 Dollar zu. Dahinter steckten sinkende Renditen bei US-Staatsanleihen, ein schwächerer Dollar und eine Flucht in sichere Häfen.
Inflationsschock? Der Markt zuckt nur kurz
Eigentlich hätte der Tag für die Edelmetalle schlecht laufen müssen. Die US-Erzeugerpreise sprangen im September um 1,3 Prozent zum Vormonat und lagen 6,3 Prozent über dem Vorjahr. Einen stärkeren Monatsanstieg gab es zuletzt im März 2022. Energie verteuerte sich um 10,8 Prozent, Benzin allein um 20,3 Prozent.
Schon am Mittwoch hatten die Verbraucherpreise mit 0,6 Prozent zum Vormonat und 3,7 Prozent zum Vorjahr über den Erwartungen gelegen. Genau diese Zahl hatte den Rücksetzer bei Gold und Silber ausgelöst. Einen Tag später war die Stimmung gekippt. Warum?
Die KI-Blase wirft Schatten
Laut dem Marktbericht bereiten die hoch verschuldeten Unternehmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz den Anlegern zunehmend Sorgen. Das Kapital floss deshalb in US-Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries fiel um rund 10 Basispunkte auf 5,09 Prozent, der stärkste Tagesrückgang seit August 2025.
Für Gold, das keine Zinsen abwirft, ist das ein Rückenwind. Wenn Anleihen weniger Ertrag bringen, wird das gelbe Metall im Vergleich attraktiver. Auch der Dollar-Index gab nach, was Käufer aus anderen Währungsräumen entlastet.
An den Aktienmärkten ging es dagegen holprig zu. Der Nasdaq lag im Tagesverlauf rund 1,4 Prozent im Minus und schloss am Ende mit mageren 0,1 Prozent im Plus. Der Dow Jones legte dank defensiver Werte um 1,1 Prozent zu, der DAX gewann 0,33 Prozent auf 25.382,62 Punkte. Die Euphorie um Technologieaktien ist sichtbar verflogen, und die Schwankungen bleiben hoch.
Hormus bleibt das Pulverfass
Dazu kommt die Geopolitik. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran rund um die Straße von Hormus belastet weiter die Energiemärkte. Medienberichten zufolge erschweren Angriffe auf Tanker die Handelsschifffahrt. Washington erwäge demnach, Sanktionen gegen bestimmte Öltanker zu lockern, um die Transportkosten zu senken.
Die Ölsorte Brent ging bei 105,92 Dollar je Barrel aus dem Handel, US-Öl der Sorte WTI stieg kräftig auf 96,50 Dollar. Solche Preise heizen die Inflation weiter an. Bezahlen müssen das am Ende die Verbraucher, auch in Deutschland an der Zapfsäule.
Was jetzt auf Anleger zukommt
Die Lage ist zwiespältig. Händler halten eine Zinserhöhung der US-Notenbank beim Treffen am 27. und 28. Oktober nur für mäßig wahrscheinlich, die Terminmärkte preisen etwa 29 bis 34 Prozent ein. Bis Dezember rechnen viele aber weiter mit einer Straffung. Am Freitag stehen neue Konjunkturdaten und eine Rede von Fed-Chef Kevin Warsh bei den IWF-Treffen in Bangkok an.
Charttechnisch müsste Gold die Widerstandszone zwischen 4.161 und 4.181 Dollar nachhaltig überwinden, um Kurs auf 4.217 und 4.267 Dollar zu nehmen. Unterstützung sehen Analysten bei 4.127 Dollar. Bei Silber gilt der Bereich von 57,40 bis 57,86 Dollar als nächste Hürde.
Zur Einordnung: Im Januar 2026 war Gold Berichten zufolge auf ein Rekordhoch von über 5.100 Dollar gestiegen, bevor eine heftige Korrektur einsetzte. Gleichzeitig meldete der World Gold Council für das dritte Quartal Rekordzuflüsse von 31 Milliarden Dollar in Gold-ETFs. Große Investoren setzen also trotz hoher Anleiherenditen weiter auf das Edelmetall.
Hohe Inflation, ein Pulverfass am Golf und die Sorge vor einer KI-Blase kommen derzeit zusammen. In so einem Umfeld zeigt Gold, wofür es gebraucht wird. Wer sein Vermögen breiter aufstellen will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem gut gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt lediglich Informationen und unsere redaktionelle Einschätzung wieder. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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