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Gold unter Druck: Warum Profis trotzdem tonnenweise zugreifen

Gold unter Druck: Warum Profis trotzdem tonnenweise zugreifen
Symbolbild: KI-generiert

Der Goldpreis steckt in der härtesten Korrektur seit Jahren. Mitte Oktober 2026 notiert das gelbe Metall bei rund 4.194 US-Dollar und damit gut 25 Prozent unter seinem Allzeithoch von 5.602 Dollar vom Januar. Doch hinter den roten Zahlen läuft etwas ab, das viele Privatanleger übersehen.

Beim Silber ist die Lücke noch größer. Bis zur Bestmarke von 121,67 Dollar müsste sich der Preis von gut 60 Dollar aus fast verdoppeln. Bei 5.500 Dollar standen die Käufer Schlange. Knapp über 4.000 Dollar interessiert sich kaum noch jemand dafür. So schnell schlägt die Stimmung um.

Iran-Krise, starker Dollar, falkenhafte Fed

Dreieinhalb Jahre ging es seit Herbst 2022 fast ohne Pause nach oben. Seit der Iran-Krise wirken die Kräfte am Markt anders. Ein starker Dollar, steigende Renditen bei US-Staatsanleihen und eine US-Notenbank, die die vom Öl angeheizte Inflation mit höheren Zinsen bekämpfen will, bremsen die Edelmetalle.

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Die Sommerrallye im August brachte zwar ein Plus von rund 750 Dollar in dreieinhalb Wochen. Fast alles davon ist inzwischen wieder weg. Am vergangenen Mittwoch fiel Gold auf 4.066 Dollar. Erst ein nachhaltiger Sprung über 4.700 Dollar würde den Abwärtstrend nach Einschätzung von Analysten beenden. Kurzfristig gilt eine Erholung bis zur 50-Tage-Linie bei etwa 4.335 Dollar als möglich. Rückfälle unter 4.000 Dollar schließen Marktbeobachter aber nicht aus.

Terminmarkt und Saisonalität mahnen zur Geduld

Laut dem jüngsten COT-Report der US-Aufsicht CFTC hielten kommerzielle Händler Anfang Oktober noch 244.527 Short-Kontrakte. Historisch begann eine neue Rallye meist erst, wenn diese Zahl auf rund 100.000 gesunken war. Saisonal erwarten Analysten den nächsten Wendepunkt um die letzte Fed-Sitzung Mitte Dezember. Danach könnte die traditionell starke Nachfrage rund um das chinesische Neujahr den Preis tragen.

Die Kluft: Preis runter, Nachfrage rauf

Jetzt wird es spannend. Im September fiel der Goldpreis um 8,5 Prozent. Gleichzeitig wuchsen die Bestände physisch hinterlegter Gold-ETFs laut World Gold Council um 67 Tonnen auf den Rekord von 4.256 Tonnen. Im dritten Quartal flossen 31 Milliarden Dollar in solche Produkte, so viel wie nie seit Beginn der Datenreihe.

Langfristig denkende Investoren kaufen also Metall, während Spekulanten ihre Futures abstoßen. Ist das ein Widerspruch? Nein. Es zeigt, dass Gold immer weniger als Wette gesehen wird und immer mehr als Versicherung.

Zentralbanken flüchten aus dem Papier

Selbst Bundesbankpräsident Joachim Nagel erklärte auf der LBMA-Konferenz in Sorrent, warum Notenbanken weiter auf Gold setzen. Als Gründe nannte er steigende Staatsschulden, die geopolitische Zersplitterung und das Sanktionsrisiko. Nach seinen Angaben ist der Goldanteil an den weltweiten Zentralbankreserven von etwa 14 Prozent im Jahr 2023 auf fast 25 Prozent gestiegen. Die Bundesbank hält mehr als 3.500 Tonnen, mehr hat nur Washington. China meldet offiziell rund 2.410 Tonnen. Einige Analysten vermuten aber bis zu 5.000 Tonnen.

Gold hat einen Vorteil, den kein Bankguthaben bietet: Es hat keine Gegenpartei und lässt sich nicht einfach einfrieren.

Wenn L'Oréal sicherer wirkt als Paris

Wie brüchig das Vertrauen in Staaten geworden ist, zeigt Frankreich. Medienberichten zufolge rentieren französische Unternehmensanleihen im Volumen von rund 241 Milliarden Dollar inzwischen niedriger als vergleichbare Staatsanleihen. Konzerne wie L'Oréal oder TotalEnergies gelten an den Märkten also als verlässlicher als der eigene Staat. Die USA tragen mehr als 40 Billionen Dollar Schulden, das sind rund 120.000 Dollar pro Einwohner. Die zehnjährige Rendite liegt über 5,3 Prozent und damit so hoch wie seit 2002 nicht mehr.

Auch Deutschland ist hier nicht außen vor. Berlin finanziert ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro auf Pump, und die Rechnung zahlen die kommenden Generationen. Dazu kommt der KI-Boom, der zunehmend auf Kredit läuft. Die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall von Oracle hat laut Marktberichten mit 261 Basispunkten ein Rekordhoch erreicht.

Fazit: Technisch angeschlagen, strukturell gefragt

Die Korrektur kann noch tiefer gehen und länger dauern. An den Gründen für Gold ändert sie aber nichts. In einer Welt, in der Staaten Anleger mit fünf Prozent Zinsen zum Halten ihrer Schulden bewegen müssen, zählt ein Wert, der ohne Schuldner auskommt. Physisches Gold und Silber können darum als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein. Wer mit langem Atem kauft, findet in Phasen der Gleichgültigkeit oft günstigere Einstiegspreise.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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