
Flucht aus Staatsanleihen: Steht Gold vor der nÀchsten Rallye?

Anleger verlieren das Vertrauen in Staaten und schichten ihr Geld in private Vermögenswerte um. So sieht es der US-Zyklusforscher Martin Armstrong, der am 11. Oktober 2026 in einem Interview mit dem Branchenportal MINING.COM vor wachsenden geopolitischen Risiken gewarnt hat. FĂŒr Gold könnte diese Entwicklung den Startschuss fĂŒr einen neuen AufwĂ€rtsschub bedeuten.
Die Umkehr von 1929
Armstrong zieht einen Vergleich mit der Geschichte. In der Weltwirtschaftskrise ab 1929 hÀtten die Menschen ihr Kapital aus dem privaten Sektor abgezogen und beim Staat in Sicherheit gebracht. Heute laufe es nach seiner Darstellung umgekehrt.
Zwar flieĂe Kapital weiterhin in die USA, allerdings in private Werte und nicht in Staatspapiere. Beide Seiten neigten historisch dazu, ins Extreme zu kippen und dann zu explodieren. Kurz gesagt: Der Staat gilt nicht mehr automatisch als sicherer Hafen.
Europa im Visier: Kriegstrommeln und steigende Zinsen
Besonders kritisch sieht der Analyst die Lage in Europa. Nach seiner EinschÀtzung merken immer mehr LÀnder, dass die EuropÀische Union sie im Stich gelassen habe. Gleichzeitig drohten die militÀrischen Spannungen die Finanzierungskosten der Staaten in die Höhe zu treiben.
âMan kann nicht in Europa die Kriegstrommeln schlagen und erwarten, dass die langfristigen Zinsen sinken. Im Krieg steigen sie immer, genauso wie die Inflation.â (ĂŒbersetzt)
Die AnleihemĂ€rkte seien unparteiisch und zeigten die wahre Lage, so Armstrong. Schon wenige Tage zuvor hatte er die Turbulenzen am französischen Anleihemarkt als Vorboten einer gröĂeren Staatsschuldenkrise bezeichnet.
Und Deutschland? Hierzulande hat die GroĂe Koalition unter Friedrich Merz ein schuldenfinanziertes Sondervermögen von 500 Milliarden Euro fĂŒr die Infrastruktur aufgelegt, dazu kommen Milliarden fĂŒr die AufrĂŒstung. Wer Schulden in diesem Umfang aufnimmt, braucht GlĂ€ubiger, die ihm vertrauen. Ob dieses Vertrauen auf Dauer hĂ€lt, entscheidet am Ende der Markt und nicht das Kanzleramt.
Die Gold-SchwÀche: Nur eine Atempause?
Gold hatte zuletzt deutlich nachgegeben. Medienberichten zufolge notierte das Edelmetall am 6. Oktober bei rund 4.129 US-Dollar je Unze und damit klar unter seinem Rekordhoch. Armstrong sieht darin jedoch keine Trendwende. Wenn die geopolitischen Ăngste vorĂŒbergehend nachlieĂen, gebe auch Gold nach.
Nach seiner Analyse handle es sich zunÀchst um ein Tief. Besonders ab dem ersten Quartal des kommenden Jahres drehe der Trend nach oben. Seine Computermodelle zeigten, dass die Spannungen keineswegs abgeklungen seien. Dann werde Kapital noch schneller in den privaten Sektor wandern und Gold wieder zulegen.
Die Marken, auf die es ankommt
Armstrong nennt auch konkrete Preismarken. Sollte Gold auf Wochenbasis unter 4.000 Dollar schlieĂen, sei ein RĂŒckgang in den Bereich von 3.500 bis 3.700 Dollar möglich. Entscheidend sei aber weniger der Preis als die Zeit. FĂŒr eine solche Korrektur bleibe nur ein begrenztes Zeitfenster.
Wahlen als Pulverfass
Der Kalender birgt ZĂŒndstoff. Armstrong verweist auf drei Ereignisse, die die MĂ€rkte bewegen könnten:
- die Zwischenwahlen in den USA am 3. November
- die anstehenden Wahlen in Israel
- die Wahlen in der Ukraine
Es gebe viele geopolitische Risiken am Horizont, so der Analyst. Sobald die Anleger sie wahrnÀhmen, werde Gold durchstarten.
Fazit: Vertrauen ist die eigentliche WĂ€hrung
Ob Armstrongs Modelle recht behalten, wird sich zeigen. Seine Grundthese klingt jedenfalls plausibel: Wenn Staaten sich immer stĂ€rker verschulden und gleichzeitig aufrĂŒsten, verlieren ihre Anleihen an Glanz. Physisches Gold ist dagegen kein Zahlungsversprechen eines Staates und hĂ€ngt von keinem GlĂ€ubiger ab. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen kann es deshalb eine sinnvolle Absicherung gegen genau die Risiken sein, vor denen Armstrong warnt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist fĂŒr seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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