
Flucht aus der Hauptstadt? Berlins Polizisten wollen nur noch weg!

Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin sollen immer mehr Polizisten überlegen, die Hauptstadt zu verlassen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnt vor einer Abwanderungswelle. Mehrere Bundesländer werben schon offen um die Beamten.
Eigentlich müsste der Hauptstadt jede Einsatzkraft willkommen sein. Stattdessen sorgt sich die Truppe, die in Deutschlands schwierigster Metropole den Kopf hinhält, gerade um ihre eigene Zukunft.
Ein Wahlabend mit Nachbeben
Den Ausgang der Abgeordnetenhauswahl nennen Beobachter ein politisches Erdbeben. Laut vorläufigem Ergebnis kam die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp auf rund 25,7 Prozent und hat ihr Ergebnis von 12,2 Prozent bei der letzten Wahl damit mehr als verdoppelt. Schwarz-Rot ist abgewählt. Die Linke hat SPD und Grüne schon zu Sondierungsgesprächen eingeladen, ihr Ziel ist das Rote Rathaus.
Medienberichten zufolge hatte die Partei angekĂĽndigt, bei der Polizei zu sparen und deren Befugnisse zu beschneiden. FĂĽr viele Beamte ist das ein Alarmsignal.
„Weniger Geld, weniger Befugnisse“
Frank Teichert ist Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Berlin. Er hatte schon vor einigen Tagen vor „weniger Geld, weniger Befugnissen und dem Abbau bewährter Instrumente der Berliner Polizei“ gewarnt. Der Berliner Zeitung sagte er jetzt, immer mehr Kollegen wollten in ein anderes Bundesland wechseln.
Das ist schwieriger, als es klingt. Beamte können nämlich nicht einfach kündigen und woanders neu anfangen. In der Regel wird ein Tauschpartner gebraucht, also jemand, der im Gegenzug nach Berlin geht. Wie wahrscheinlich das ist, sagt Teichert ziemlich direkt:
„In Zeiten wie diesen jemanden zu finden, der nach Berlin möchte, das ist nicht ganz so einfach.“
Die Bild berichtet ebenfalls über die Stimmung in der Truppe. Nach Informationen der Zeitung wird in internen Chatgruppen darüber gesprochen, sich „kollektiv nach Brandenburg zu bewerben“. Galgenhumor oder ernster Plan? Wohl beides.
Die Länder werben offen
Andere Länder hören genau hin. Die DPolG Saarland schreibt in einer Mitteilung, wechselwillige Berliner Beamte hätten dort „eine berufliche Perspektive“. Landeschef Markus Sehn, zugleich stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft, formuliert es knapp: „Ihr seid bei uns willkommen.“
Abwerben wolle man niemanden, betont Sehn. Die Berliner Kollegen leisteten „unter enormen Belastungen hervorragende Arbeit“. Das Saarland brauche aber „eine starke Polizei“ und halte die Türen offen für alle, die sich „persönlich oder beruflich neu orientieren“ wollten.
Baden-WĂĽrttemberg meldet sich zu Wort
Noch schärfer klingt es aus Stuttgart. Innenminister Manuel Hagel sagte der Bild, man wisse in Baden-Württemberg, „was wir an unseren Polizistinnen und Polizisten haben“. Die Berliner Beamten seien für eine linksgeführte Stadtregierung zu schade, dafür wählte er deutliche Worte. Seine Einladung ist unmissverständlich:
„Wer für Sicherheit, Freiheit und unseren Rechtsstaat einsteht, ist bei uns immer willkommen. Jede und jeder Einzelne. Jederzeit.“
Die Freien Wähler in Niedersachsen gehen auf Facebook sogar noch weiter. Sollte die Linke die Regierende Bürgermeisterin stellen, fordern sie „Asyl für Berliner Polizisten“.
Wer schĂĽtzt am Ende die BĂĽrger?
Die Aussicht ist bitter. Die Kriminalstatistik meldet bundesweit Höchststände, und Messerangriffe nehmen deutlich zu. Aus Sicht unserer Redaktion wäre es gerade jetzt fatal, die Hauptstadtpolizei knapper zu halten und ihre Befugnisse zu stutzen. Leidtragende wären nicht Parteistrategen, sondern die Bürger, vor allem Familien, die sich keinen Umzug in ruhigere Viertel leisten können.
Noch ist nichts entschieden. Ob die Linke tatsächlich regiert und welche Pläne sie in einer Koalition durchsetzen kann, zeigen erst die Verhandlungen. Das Signal aus den Wachen ist trotzdem schon angekommen. Wenn die eigenen Polizisten lieber heute als morgen gehen würden, hat der Staat ein Vertrauensproblem.
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