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10.10.2026
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Energie-Falle Amerika: Hat Europa Putin gegen Trump eingetauscht?

Energie-Falle Amerika: Hat Europa Putin gegen Trump eingetauscht?
Symbolbild: KI-generiert

Raus aus Moskaus Abhängigkeit, rein in die nächste: Fast 60 Prozent des Flüssiggases (LNG), das die EU importiert, kommen inzwischen aus den USA. Wie verwundbar Europa dadurch geworden ist, hat der Dieselstreit Anfang Oktober 2026 gezeigt. Washington soll Deutschland und Frankreich Medienberichten zufolge mit einem Exportstopp für Diesel gedroht haben.

Vom Pipeline-Kunden zum Spielball des Weltmarkts

Die Zahlen zeigen einen gewaltigen Umbau. 2021 kamen noch rund 45 Prozent der EU-Gasimporte aus Russland, 2025 waren es nur noch etwa 12,5 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Anteil von LNG an den Gasimporten von 20 auf 45 Prozent. 2025 lieferten die USA knapp 58 Prozent dieses Flüssiggases, im ersten Quartal 2026 waren es 57,4 Prozent.

Insgesamt bleibt Norwegen mit rund 31 Prozent der wichtigste Gaslieferant der EU. Trotzdem hat sich das Prinzip geändert. Das Gas kommt seltener verlässlich durch die Pipeline und häufiger per Tanker. Das Angebot wird dadurch breiter. Gleichzeitig hängt Europa damit voll an den Preisschwankungen des Weltmarkts.

Was das bedeutet, haben die Bürger 2022 zu spüren bekommen. Der europäische Referenzpreis TTF lag in den ersten elf Monaten im Schnitt bei rund 130 Euro je Megawattstunde. 2025 sank der Jahresdurchschnitt auf 36 Euro. Doch jede neue Krise kommt schnell und mit voller Wucht auf den europäischen Markt durch.

Diesel als Druckmittel: Washington stellt Bedingungen

Ende September wurde aus der Theorie bitterer Ernst. Laut Reuters verlangte die US-Regierung von Europa, bis zu 120 Millionen Barrel aus den Reserven freizugeben, verteilt auf sechs Monate. Das wären mehr als 40 Prozent der EU-Notreserven an Diesel und Gasöl gewesen. Deutschland und Frankreich halten zusammen rund 35 Prozent dieser Bestände.

Beobachter sehen den Grund dafür in der US-Innenpolitik. Am 3. November stehen die Zwischenwahlen an, und Präsident Donald Trump wolle die Spritpreise im eigenen Land vorher senken. Wer hier also für wen den Preis zahlen sollte, scheint ziemlich klar.

Der Kompromiss der G7

Am 2. Oktober einigten sich die G7 darauf, über vier Monate 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl freizugeben. Gleichzeitig sagten sie zu, keine Exportbeschränkungen für Energieprodukte einzuführen. Trump feierte das Ergebnis auf Truth Social:

"Europa hat soeben zugestimmt, erhebliche Mengen seiner gut gefüllten Dieselbestände freizugeben. Die Freigabe wird unverzüglich anlaufen."

In Berlin gab man sich gelassen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte Berichten zufolge, die Freigabe gefährde die Energieversorgung nicht. Außenminister Johann Wadephul sah die Interessen der EU gewahrt. Ob man das Ergebnis einer Drohung „gewahrte Interessen“ nennen kann, darf jeder selbst beurteilen.

Teure Abhängigkeit: Über 100 Milliarden Euro zusätzlich

Auch insgesamt hängt Europa am Import. Laut Eurostat deckte die EU 2024 rund 57 Prozent ihres Energiebedarfs netto über Importe. Öl und Mineralölprodukte machten dabei zwei Drittel der Energieimporte aus. Bis 2028 will die EU außerdem US-Energie im erwarteten Wert von 750 Milliarden Dollar kaufen. Garantiert ist diese Summe nicht, denn die Geschäfte schließen private Unternehmen ab.

Die Abhängigkeit wird sogar noch zunehmen. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen langfristige Verträge über russisches LNG nicht mehr beliefert werden. Für Pipelinegas gilt das Verbot grundsätzlich ab Ende September 2027. Brüssel rechnet für 2026 zwar mit weltweit mehr als 50 Milliarden Kubikmetern zusätzlichem LNG. Billig wird das aber nicht.

Seit Beginn des Iran-Kriegs hat die EU 2026 mehr als 100 Milliarden Euro zusätzlich für Energieimporte bezahlt, ohne dafür mehr Öl oder Gas zu bekommen. Dazu kommen rund 17,9 Milliarden Euro, die 25 Mitgliedstaaten für Entlastungen bereitgestellt haben. Am Ende zahlen das die Steuerzahler.

Fazit: Abhängig bleibt Europa trotzdem

Der Ausstieg aus russischem Gas war politisch gewollt. Eine sichere Versorgung hat Europa damit aber nicht gewonnen. Die Risiken liegen jetzt auf den Weltmärkten, auf den Schifffahrtsrouten und in Washington. Wer sein Vermögen vor solchen politischen Erschütterungen schützen will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Depot in Betracht ziehen. Edelmetalle hängen weder an Lieferketten noch an politischen Zusagen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die volle Verantwortung.

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