
Brüssels Möhre am Stock: Ungarn wartet vergeblich auf Milliarden

Seit dem Frühjahr regiert in Budapest Péter Magyar, und Brüssel hat ihm 16,4 Milliarden Euro zugesagt. Auf dem ungarischen Staatskonto ist davon bislang aber kaum etwas angekommen. Gleichzeitig soll das Land teure Windräder in ein Gebiet mit wenig Wind stellen, während ein EU-Förderverbot den Bau von Stromspeichern bremst.
Vom Rebellen zum Musterschüler
Unter Viktor Orbán hielt die EU-Kommission Milliarden zurück. Sie begründete das mit Mängeln beim Rechtsstaat, mit Korruption und mit Einschränkungen der Rechte sexueller Minderheiten. Orbán gab trotzdem nicht nach. Er blockierte EU-Beschlüsse und erzwang Geschäfte: Im Dezember 2023 wurden rund zehn Milliarden Euro freigegeben. Bei der Abstimmung über Beitrittsgespräche mit der Ukraine verließ Orbán dann den Saal.
Bei der Parlamentswahl am 12. April 2026 holte Magyars Tisza-Partei eine Zweidrittelmehrheit. Manche Beobachter meinen, Brüssel habe diesen Machtwechsel mit Wohlwollen begleitet. Magyar hatte versprochen, das eingefrorene Geld „heimzuholen“. Dazu kamen teure Wahlgeschenke wie ein doppelt so hohes Kindergeld.
Freigegeben heißt nicht ausgezahlt
Am 29. Mai kündigte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an, Geld freizugeben: zehn Milliarden Euro aus dem Corona-Wiederaufbaufonds und 4,2 Milliarden Euro aus den Kohäsionsmitteln. Weitere 2,2 Milliarden Euro soll es nach zusätzlichen Reformen geben. Magyar sprach von einem „historischen Tag für Ungarn“. Sein Team habe „um jeden Europa-Cent gekämpft“.
Doch das Geld ist an viele Auflagen gebunden. Budapest muss die Projekte zuerst selbst bezahlen, dann die Rechnungen einreichen und schließlich auf die Erstattung warten. Wie lange das dauern kann, zeigen die 2023 freigegebenen Mittel. Von 10,2 Milliarden Euro sind laut dem Bericht bis heute erst 4,4 Milliarden geflossen. Das hohe Haushaltsdefizit und die hohen Zinskosten schränken die Regierung zusätzlich ein.
Windräder, wo kaum Wind weht
Ein Beispiel für die neue Linie ist die Windkraft. Schon Ende 2023 senkte Budapest den Mindestabstand zu Wohngebieten von zwölf Kilometern auf 700 Meter. Das war eine Bedingung aus Brüssel für Fördergeld. Laut Fachberichten sind in Ungarn seit Jahren nur etwa 330 Megawatt Windkraft installiert. Bis 2030 will die Regierung auf rund vier Gigawatt kommen. Die erste Ausschreibung umfasst mindestens 700 Megawatt.
Als Belohnung gibt es 1,5 Milliarden Euro aus EU-Töpfen für den Ausbau der Stromnetze. Das Karpatenbecken ist aber windschwach. Nötig sind deshalb Spezialanlagen mit Nabenhöhen von 160 bis 180 Metern und Rotoren mit mehr als 150 Metern Durchmesser. Chinesische Anlagen gelten aus Sicherheitsgründen nicht als förderfähig.
Wer am Ende bezahlt
Teure Technik und wenig Wind verteuern jede erzeugte Kilowattstunde. Damit Investoren trotzdem bauen, garantiert der Staat ihnen Mindestpreise. Fällt der Börsenstrompreis darunter, zahlt der Staatshaushalt die Differenz. Weil die Strompreise für Haushalte gedeckelt sind, sehen Verbraucher die Mehrkosten nicht auf ihrer Rechnung. Sie zahlen trotzdem: als Steuerzahler oder über höhere Preise der Betriebe.
Viel Solarstrom, wenig Speicher
Ungarn hatte laut Branchenangaben schon 2025 mehr als neun Gigawatt Solarleistung installiert. Windräder sollen die Schwankungen ausgleichen. Doch Wind weht nicht automatisch dann, wenn die Sonne fehlt. Bei einer Dunkelflaute, also wenig Wind und keiner Sonne, liefern beide Quellen kaum Strom.
Besser helfen Stromspeicher. Das Förderprogramm „Napenergia Plusz“ startete 2024 und zahlte bis zu 80 Prozent Zuschuss, wenn Haushalte einen Speicher einbauten. Die Nachfrage war groß. Inzwischen sind die Auszahlungen weitgehend gestoppt, weil eine EU-Vorgabe die Förderung chinesischer Wechselrichter verbietet. Die meisten Heimspeicher sind aber Komplettgeräte aus China, in denen Batterie und Wechselrichter zusammen verbaut sind. Das Verbot trifft deshalb praktisch jeden Speicher. An sonnigen Tagen müssen Solaranlagen abgeschaltet werden, und der Strom geht verloren.
Der Esel läuft, die Karotte bleibt fern
Budapest erfüllt die Wünsche aus Brüssel. Das Ergebnis sind vorerst teurerer Strom, fehlende Speicher und Milliarden, die noch nicht angekommen sind. Für deutsche Leser klingt das vertraut: Auch hierzulande steigen die Netzentgelte, und die Kosten der Energiewende landen am Ende beim Bürger.
Die ungarische Notenbank hat in den vergangenen Jahren übrigens ihre Goldreserven vervielfacht. Das zeigt, wie sehr sie auf Unabhängigkeit setzt. Wer sein Vermögen vor Staatsschulden und politischen Kehrtwenden schützen will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Informieren Sie sich selbst, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen. Für diese Entscheidungen sind Sie selbst verantwortlich.

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