
Axt im Cockpit, Träger vor Hormus: Wird Oman zum nächsten Pulverfass?

Im achten Monat des Kriegs zwischen den USA und Iran schicken die Vereinigten Staaten einen dritten Flugzeugträger an den Golf. Zur gleichen Zeit erschüttert ein Vorfall an Bord eines Flydubai-Jets nach Tel Aviv die Region: Ein omanischer Kopilot soll seinen Kapitän mit einer Notaxt angegriffen haben. Damit rückt ein Land ins Rampenlicht, das bislang als stiller Vermittler galt: Oman.
Eine Armada mit offenem Auftrag
Ende September verließ die Trägerkampfgruppe um die USS Theodore Roosevelt ohne jede Zeremonie ihren Heimathafen San Diego. Einen Tag später folgte die USS Makin Island mit mehr als 2.000 Marines an Bord. Medienberichten zufolge sind damit 9.000 bis 10.000 zusätzliche Soldaten unterwegs. Bis Ende November sollen drei Flugzeugträger und zwei amphibische Verbände in der Nähe Irans liegen. Die US-Marinepräsenz stiege damit auf mehr als 20.000 Seeleute und Marines.
Nur: Wofür eigentlich? Für eine Invasion eines Landes von der Größe Irans reichen ein paar tausend Mann nicht annähernd aus. Ein US-Beamter erklärte laut Berichten lediglich, der Aufmarsch verschaffe Präsident Trump „mehr Optionen“. Dabei hatte Trump ursprünglich versprochen, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern. Seit Ende Februar wird nun gekämpft, und die US-Midterms im November rücken näher.
Der Schlüssel liegt auf omanischem Boden
Ein Blick auf die Landkarte zeigt, warum Oman ins Spiel kommt. Die Spitze der Halbinsel Musandam, die die Straße von Hormus begrenzt, ist omanisches Staatsgebiet. Wie Axios berichtet, lotsen die USA seit Monaten Tanker durch den südlichen Fahrwasserkanal entlang der omanischen Küste. Auf diesem Weg sollen täglich rund zehn Millionen Barrel Öl fließen, etwa die Hälfte des Vorkriegsvolumens.
Ein US-Offizier gab sich gegenüber dem Portal selbstbewusst: Man kontrolliere den Kanal seit zwei Monaten, nicht die iranischen Revolutionsgarden. Allerdings ist ein Geleitschutz für Konvois noch lange keine Kontrolle über ein Gebiet. Der Geopolitik-Analyst Patrick Henningsen hält deshalb eine US-Präsenz direkt auf omanischem Boden für denkbar. Teheran stünde dann vor einem Dilemma, denn ein Angriff dort würde einen der letzten wohlgesonnenen Nachbarn verprellen.
182 Menschen, eine Axt, 30 Sekunden Sturzflug
Dann kam der 30. September. Auf Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv soll der Kopilot den Kapitän im Cockpit mit der Notaxt attackiert und versucht haben, die Maschine an sich zu reißen. An Bord waren 182 Menschen, überwiegend Israelis. Britischen Medienberichten zufolge sackte der Jet in gut 30 Sekunden um mehr als 16.000 Fuß ab. Passagiere und Crew überwältigten den Mann schließlich.
Laut übereinstimmenden Berichten handelt es sich um den 29-jährigen Omaner Hamam al-Hammami. Er soll bei Oman Air wegen Bedenken über extremistische Ansichten vom Flugdienst abgezogen worden sein, bevor Flydubai ihn einstellte. Die Staatsanwaltschaft der Emirate spricht von einem versuchten „terroristischen Akt“. Die Ermittlungen laufen, und bis zu ihrem Abschluss gilt die Unschuldsvermutung. Israels Premier Benjamin Netanjahu kündigte an:
„Wir untersuchen, ob er geschickt wurde, und wer ihn geschickt hat, wird einen sehr hohen Preis zahlen.“
Ein Schlupfloch mit Ansage?
Warum ein Pilot, der bereits als Sicherheitsrisiko aufgefallen war, überhaupt in einem Cockpit Richtung Israel sitzen konnte, bleibt die drängendste Frage. Netanjahu selbst sprach von einem „Schlupfloch“. Kritiker wie Henningsen warnen zudem, dass vorschnelle Schuldzuweisungen Richtung Teheran die Eskalation weiter befeuern könnten. Belege für eine iranische Steuerung gibt es bislang nicht.
Die Rechnung zahlt am Ende auch Europa
Henningsen spricht nicht von einer großen Strategie Washingtons, sondern von einer Kette taktischer Manöver. Ob er recht behält, ist offen. Spürbar sind die Folgen aber schon jetzt: Großbritannien verhandelt Berichten zufolge mit europäischen Partnern über die Freigabe von Diesel-Notreserven. Für Deutschland, dessen Industrie ohnehin unter hohen Energiepreisen leidet, ist jede neue Eskalation am Golf ein Risiko.
In solchen Zeiten zeigt sich, was wirklich krisenfest ist. Papierversprechen hängen an Zinsentscheidungen und politischen Launen. Physisches Gold und Silber dagegen haben seit Jahrhunderten jede geopolitische Krise überdauert und können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine stabilisierende Rolle spielen.
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