
14.333 Straftaten in Asylheimen: Bayerns Zahlen mit blinden Flecken

In bayerischen Asylunterkünften hat die Polizei im Jahr 2025 insgesamt 14.333 Straftaten erfasst, darunter laut Statistik neun Morde und 38 Vergewaltigungen. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums unter Joachim Herrmann (CSU) vom 20. September auf eine schriftliche Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Gerd Mannes hervor. Wer allerdings wissen will, wie viele Asylbewerber per Haftbefehl gesucht werden, bekommt keine Antwort.
Die Bilanz eines einzigen Jahres
Hinter der Gesamtzahl stecken Delikte, die niemanden kaltlassen dürften. Laut der Antwort des Ministeriums verteilen sie sich unter anderem so:
- 915 Fälle von Gewaltkriminalität
- 3.924 Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit
- 3.166 Körperverletzungen, davon 827 gefährliche oder schwere
- 665 Bedrohungen
- 180 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, darunter 38 Vergewaltigungen
- 9 Morde
Ausgewertet wurden die Fälle über das Merkmal „Tatörtlichkeit Asylbewerberunterkunft“ der Polizeilichen Kriminalstatistik. Die Statistik zeigt also, wo etwas passiert ist. Über Täter und Opfer sagt sie nichts. Opfer können Bewohner genauso sein wie Personal oder Sicherheitskräfte.
Weniger Taten, aber mehr Morde
Die Antwort enthält auch die Zahlen für 2024. Damals wurden in den Unterkünften 26.467 Straftaten registriert. Darunter waren vier Morde, 16 Fälle von Totschlag, 203 Sexualdelikte mit 39 Vergewaltigungen und 4.717 Rohheitsdelikte, davon 3.831 Körperverletzungen.
Die Gesamtzahl hat sich damit fast halbiert. Als wahrscheinlichen Grund nennen Berichte den geringeren Zuzug und die schwächere Belegung der Heime. Bei den schwersten Taten gibt es aber keine Entwarnung. Die Zahl der Morde stieg von vier auf neun. Bei den Vergewaltigungen gab es praktisch keine Veränderung. Mit weniger Bewohnern sinken also vor allem die kleineren Delikte, die schweren bleiben.
Wenn das Ministerium keine Zahlen hat
Mannes wollte außerdem wissen, wie oft die Polizei seit 2024 in bayerischen Asylunterkünften im Einsatz war. Darauf gab es keine Zahl. Laut Ministerium lässt sich das nicht automatisch auswerten, dafür müsse man einzelne Akten aufwendig von Hand durchgehen.
Ähnlich lief es bei den anderen Fragen. Ob jemand, gegen den ein Haftbefehl vorliegt, Asylbewerber ist, werde nicht zentral erfasst. Zu Ausreisepflichtigen und Untergetauchten verwies das Ministerium nur auf eine frühere Anfrage. Mannes wirft dem CSU-geführten Haus vor, es präsentiere sich als Hüter von „Law and Order“, liefere aber keine brauchbare Datengrundlage.
Glänzende Bilanz, fehlende Daten
Das hat eine gewisse Ironie. Erst im März hatte Herrmann die Kriminalstatistik 2025 vorgestellt. Mit Ausnahme des Corona-Jahres 2021 habe Bayern damals die beste Sicherheitslage seit 1978 erlebt, sagte er. Landesweit zählte die Polizei 542.414 Straftaten, ohne ausländerrechtliche Delikte, und damit 4,3 Prozent weniger als im Vorjahr.
Dieselbe Statistik zeigt aber auch eine andere Zahl. Medienberichten zufolge stieg der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger auf 41,7 Prozent, obwohl nur 15,6 Prozent der Einwohner Bayerns keinen deutschen Pass haben. Dazu zählen allerdings auch Touristen und reisende Banden, die nicht in Bayern leben. Herrmann selbst sieht darin einen klaren Zusammenhang mit der hohen Zuwanderung der vergangenen Jahre.
Ohne Daten keine Abschiebungen
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier ein Grundproblem der deutschen Migrationspolitik. Seit Jahren wird die konsequente Abschiebung von Straftätern versprochen, zuletzt von der Bundesregierung unter Friedrich Merz. Wer aber nicht weiß, wie viele gesuchte Personen in den Unterkünften leben, kann dieses Versprechen kaum einlösen.
Leidtragende sind die Anwohner der Unterkünfte, die Polizisten im Einsatz und nicht zuletzt die Bewohner selbst, die sich an Recht und Gesetz halten. Wer sich als Hüter der inneren Sicherheit sieht, sollte zumindest die grundlegenden Zahlen kennen. Für viele Bürger ist genau das die Voraussetzung dafür, der Politik die angekündigte Migrationswende auch zu glauben.

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