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Tarnkappen-Debakel: Eine ungelesene Mail liefert China F-35-Bauteile

Tarnkappen-Debakel: Eine ungelesene Mail liefert China F-35-Bauteile
Symbolbild: KI-generiert

Die Volksrepublik China hält seit Monaten zwei Bauteile des amerikanischen Tarnkappenjets F-35 in Händen. Laut einem Bloomberg-Bericht von Anfang Oktober kam es dazu, weil ein Mitarbeiter des Paketriesen UPS eine Warn-E-Mail übersehen haben soll. Das Pentagon unterrichtete Ende September Ausschüsse des US-Kongresses in einer nicht öffentlichen Sitzung.

Verspätet, umgeleitet, verloren

Es geht um eine Cockpithaube und eine Waffenschachtklappe eines australischen F-35A. Die Teile sollten im Mai in die USA, wo sie geprüft und dann repariert oder entsorgt werden sollten. Geplant war die Route über Südkorea und Taiwan nach San Francisco. Beide Länder sind Verteidigungspartner Washingtons.

Doch die Sendung verließ Australien zu spät. Um Zeit aufzuholen, sei sie irrtümlich über Hongkong geleitet worden, heißt es unter Berufung auf eine eingeweihte Person. Dabei hatte der Spediteur DSV im Auftrag von Lockheed Martin vorschriftsgemäß gewarnt, dass die Fracht bestimmte Länder nicht durchqueren dürfe. So verlangen es die US-Exportregeln für Rüstungsgüter (ITAR). Die Nachricht sei aber womöglich über ein anderes IT-System verschickt worden als das, mit dem der UPS-Agent arbeitete.

Wegen ein paar Tagen Zeitersparnis landete also Hightech aus dem Westen in Peking. Bemerkenswert: Washington behandelt Hongkong im Exportrecht längst wie das chinesische Festland.

„Unbrauchbar“, aber voller Tarnkappentechnik

Offiziell wird der Vorfall heruntergespielt. Das Pentagon nannte die Teile „unbrauchbar“. Australiens Verteidigungsminister Richard Marles betonte, es handle sich nicht um sensible Ausrüstung. Allerdings waren beide Bauteile Medienberichten zufolge mit radarabsorbierendem Material beschichtet. Gerade das macht die Tarnkappe aus.

„Unbrauchbar“ heißt nur, dass die Teile nicht mehr in einen Jet eingebaut werden können. Über ihren Wert für Spionage sagt das nichts. Die Cockpithaube muss Radarwellen schlucken und trotzdem durchsichtig bleiben. Die Waffenschachtklappe muss sich im Flug öffnen, ohne die Tarnung zu verraten. Das sind zwei der schwierigsten Probleme der Stealth-Technik. Diana Maurer vom US-Rechnungshof GAO hält den Verlust für gravierend:

„I'm sure the Chinese celebrated and then they got busy trying to reverse engineer it and figure out how to counter it with their own technical capabilities.“

Sinngemäß: Sie sei sicher, dass China gefeiert und dann versucht habe, die Teile nachzubauen und Gegenmittel zu entwickeln.

Ein Lieferkettensystem mit Löchern

Es ist nicht das erste Problem dieser Art. Eine GAO-Prüfung von 2023 ergab, dass ein F-35-Hauptauftragnehmer seit Mai 2018 über eine Million Ersatzteile im Wert von mehr als 85 Millionen Dollar als verloren verbucht hatte. Untersucht wurden weniger als zwei Prozent dieser Fälle.

In Washington wächst deshalb der Druck. Senator Tom Cotton fordert eine Überprüfung der Sicherheit in der Lieferkette. Senator Kevin Cramer stellt die naheliegende Frage, ob China das Abfangen der Sendung von Anfang an geplant habe. Peking erklärte, man habe keine Kenntnis von dem Vorgang. Lockheed Martin teilte mit, es habe den neuen Details „nichts hinzuzufügen oder zu korrigieren“.

Auch Deutschland ist betroffen

Was in Australien passiert, geht auch die Deutschen an. Berlin hat 35 F-35A bestellt und bezahlt sie aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr, also mit Milliarden der Steuerzahler. Lockheed verwaltet einen großen Teil des weltweiten Ersatzteilpools für die USA und 19 weitere Nutzerstaaten. Weitere Verkäufe sind in Arbeit, etwa ein möglicher Deal mit Saudi-Arabien über bis zu 24,3 Milliarden Dollar. Die Sicherheit dieses Netzwerks hängt am Ende vom unaufmerksamsten Glied der Kette ab.

UPS-Aktie ohnehin unter Druck

Die Börse reagierte gelassen. Die UPS-Aktie gab nach dem Bericht um weniger als ein Prozent nach. Dennoch trifft die Affäre ein Papier, das schon vorher schwach lief. Laut Goldman Sachs verloren Paketdienste im September im Schnitt zwölf Prozent, UPS allein zehn Prozent. Eine Untersuchung des US-Außenministeriums ist zudem keine gute Empfehlung für Aufträge aus der Rüstungslogistik.

Das Fazit: Die Gefahr für westliche Spitzentechnik kommt nicht nur von Hackern und Spionen, sondern auch von überlasteten Postfächern. In einer Welt voller geopolitischer Spannungen setzen viele Anleger deshalb auf etwas, das sich weder kopieren noch per Mail verlieren lässt: physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.

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