
Soros-Millionen im Wahlkampf: Der Anti-Milliardär und das große Geld

Sechs Wochen vor den US-Zwischenwahlen am 3. November fließt Geld aus dem Umfeld von George Soros in großem Stil in die Kampagnen der Demokraten. Die Soros-nahen Super PACs Democracy PAC und Democracy PAC II hätten bis Ende Juni mehr als 40 Millionen Dollar an demokratisch ausgerichtete Organisationen weitergereicht, wie aus Berichten über die Wahlkampfunterlagen hervorgeht. Besonders brisant ist das in Michigan.
Was die Unterlagen zeigen
Die Zahlen stammen aus Meldungen an die Federal Election Commission (FEC), die US-Bundesbehörde für Wahlkampffinanzierung. Demnach habe allein Democracy PAC II bis zum 30. Juni Auszahlungen von mehr als 6 Millionen Dollar gemeldet. Zuerst hatte ein den Republikanern nahestehendes Medium darüber berichtet.
Neu ist das Muster nicht. Soros hatte Democracy PAC II im Jahr 2021 gegründet und für die Midterms 2022 mit einer Anfangsspende von 125 Millionen Dollar ausgestattet. Einer Übersicht von FactCheck.org zufolge gaben beide PACs im Wahljahr 2024 zusammen rund 82 Millionen Dollar aus. Die New York Post hatte schon Ende Juni berichtet, Soros komme im laufenden Wahlzyklus auf rund 102,8 Millionen Dollar. Damit wäre er womöglich der größte Einzelspender dieser Wahl.
Michigan: Kampf gegen Milliardäre, mit Millionen im Rücken
Am deutlichsten zeigt sich der Widerspruch im Senatsrennen von Michigan. Dort tritt der Demokrat Abdul El-Sayed gegen den Republikaner Mike Rogers an. El-Sayed hat den Einfluss reicher Spender zu einem zentralen Thema seines Wahlkampfs gemacht. In einem Interview aus dem Jahr 2025 sagte er:
„Die grundlegende Korruption unserer Politik besteht in dem System, das es Konzernen und angehenden Oligarchen und Milliardären erlaubt, Politiker zu kaufen.“
Gleichzeitig soll nun viel Geld zu seinen Gunsten fließen. Der Senate Majority PAC habe in diesem Zyklus 9 Millionen Dollar von Democracy PAC erhalten. Jüngsten Berichten zufolge habe er zugesagt, 30 Millionen Dollar zur Unterstützung von El-Sayed einzusetzen. Wer gegen Milliardäre kämpft und dann vom Geld eines Milliardärs profitiert, muss sich unbequeme Fragen gefallen lassen.
Das Rogers-Lager nutzt das genüsslich aus. Rogers' Sprecherin Alyssa Brouillet habe El-Sayed Inkonsequenz beim Thema Wahlkampfgeld vorgeworfen und seine Verbindungen zu wohlhabenden Spendern kritisiert, heißt es in den Berichten.
Ein Rennen mit Rekordsummen
Zur Einordnung gehört auch: El-Sayed hatte die Vorwahl am 4. August nur knapp gewonnen, und zwar gegen eine gewaltige Übermacht an Geld von außen. Laut Medienberichten gaben Super PACs und andere Gruppen mindestens 59 Millionen Dollar aus. Fast alles davon floss an seine Rivalin Haley Stevens oder in Kampagnen gegen ihn. In Amerika ist offenbar niemand vor den Dollarlawinen sicher, weder Progressive noch Konservative.
Für die Demokraten steht viel auf dem Spiel. Der langjährige Senator Gary Peters tritt nicht mehr an. Donald Trump gewann Michigan 2024 mit rund 80.000 Stimmen Vorsprung. Rogers unterlag im selben Jahr der Demokratin Elissa Slotkin um nur etwa 20.000 Stimmen. Ohne diesen Sitz wird es für die Demokraten schwer, die Mehrheit im Senat zu holen.
Warum die Midterms für Trump so wichtig sind
Die Demokraten wittern ihre Chance. Holen sie die Mehrheit im Kongress, könnten sie Trumps Agenda für die restliche Amtszeit weitgehend lahmlegen, von der Zollpolitik bis zu Haushaltsfragen. Die Midterms sind damit weit mehr als eine Zwischenbilanz. Sie entscheiden, wie viel Gestaltungsmacht das Weiße Haus bis 2028 noch hat.
Laut den Berichten unterstützt das Soros-Umfeld auch Gruppen, die in Kongressrennen, in der Umweltpolitik, bei der Wählermobilisierung und in Kampagnen für progressive Staatsanwälte aktiv sind. Die Kontrolle über seine philanthropischen und politischen Organisationen hat der inzwischen hochbetagte George Soros in den vergangenen Jahren an seinen Sohn Alex übergeben.
Weitere Zahlen folgen
Die bisherigen Zahlen sind nur eine Momentaufnahme. Weitere Meldungen an die FEC dürften bis November ein genaueres Bild davon liefern, wie viel die Familie Soros in diesem Wahlzyklus insgesamt ausgibt.
Eines ist schon jetzt klar: Wer im Wahlkampf gegen „gekaufte Politik“ antritt, wird an seinen Geldgebern gemessen. In Michigan dürfte diese Frage die letzten Wochen vor der Wahl bestimmen.
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