
Olympia-Krimi entschieden: München soll Deutschland die Spiele holen

Die Entscheidung ist gefallen: München geht für Deutschland ins Rennen um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Am Samstag stimmten die Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Kurhaus von Baden-Baden mit 91 zu 50 Stimmen für die bayerische Landeshauptstadt. Köln-Rhein-Ruhr geht leer aus.
Verkündet hat das Ergebnis Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, live übertragen in der ARD. Ganz ohne Panne lief der große Moment allerdings nicht ab.
Der verrutschte Umschlag
Medienberichten zufolge blitzte der Name des Siegers schon aus dem Umschlag hervor, bevor DOSB-Präsident Thomas Weikert ihn überhaupt übergeben hatte. Steinmeier nahm es mit Humor. Wer es nicht gesehen habe, dem sage er es eben: „Sieger ist München“.
Zuvor hatte er sich zuversichtlich gezeigt: Trete Deutschland als Team an, habe man gute Chancen, die Spiele auszurichten. Ein schöner Satz. Allerdings ist er nach sieben gescheiterten deutschen Olympia-Bewerbungen vor allem eines: ein Versprechen, das erst noch eingelöst werden muss.
Warum München gewann – und Berlin schon vorher ausstieg
Das Ergebnis fiel deutlicher aus als erwartet. Die Evaluierungskommission des DOSB hatte München zuvor mit 87 von 100 Punkten nur knapp vor Köln-Rhein-Ruhr mit 85 Punkten gesehen. Den Ausschlag gaben laut Berichten die kurzen Wege: Wie schon 1972 setzt München auf den Olympiapark als Herzstück. Die Segelwettbewerbe sollen in Kiel stattfinden.
Berlin, mit 74,6 Punkten klar abgeschlagen, hatte seine Kandidatur nur zwei Tage vor der Abstimmung zurückgezogen – kurz nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus. Berichten zufolge zeigte sich die Hauptstadt enttäuscht vom Verfahren und vom fehlenden politischen Rückhalt. Dass ausgerechnet Berlin nicht einmal bis zur Ziellinie kommt, sagt einiges über den Zustand der Hauptstadt aus.
Die Bürger sind dabei
Ein echtes Pfund der Münchner: der Rückhalt vor Ort. Bei einem Bürgerentscheid im Oktober 2025 stimmten 66,4 Prozent für die Bewerbung. Das ist bemerkenswert. Denn in der Vergangenheit scheiterten Olympia-Träume hierzulande oft genau an den Bürgern – etwa in Hamburg oder bei Münchens Winterspiel-Plänen für 2022.
Erleichterung in Bayern, Rückendeckung aus Berlin
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) räumte ein, er habe innerlich schon eine Rede für die Niederlage vorbereitet:
„Ich bin sehr, sehr erleichtert. Nordrhein-Westfalen hat uns das Leben echt hart gemacht.“
NRW-Regierungschef Hendrik Wüst (CDU) gratulierte fair, am Ende hätten Nuancen entschieden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sicherte Unterstützung zu und sprach von „Gänsehaut, große Erfolge, unvergessliche Momente“. Große Worte. Wer die Rechnung am Ende zahlt, verrieten die Festreden freilich nicht.
Harte Gegner: Katar, Indien und die Türkei
Das eigentliche Rennen beginnt erst jetzt. Nach Angaben des IOC haben mehr als zehn Städte und Länder Interesse bekundet, darunter Indien, Indonesien, Südafrika, Santiago de Chile, Doha in Katar, Saudi-Arabien und die Türkei. Über die Spiele 2036 will das IOC im Jahr 2029 entscheiden.
Gerade Golfstaaten locken mit nahezu unbegrenzten Budgets. Hinzu kommt ein heikler Punkt: 2036 jähren sich die Berliner Spiele von 1936 zum hundertsten Mal. Beobachter halten deshalb auch 2040 oder 2044 für realistische Ziele.
Unser Fazit: Chance mit Preisschild
Olympia in München – das wäre ein starkes Signal für einen Standort, der wirtschaftlich schwächelt. Doch in einem Land, in dem Großprojekte wie der Berliner Flughafen zum Sinnbild für Kostenexplosionen wurden, ist Skepsis Bürgerpflicht. Die Spiele dürfen kein weiteres Schuldenfass auf Kosten der Steuerzahler werden.
Übrigens: Selbst olympisches Gold besteht nach IOC-Vorgaben überwiegend aus Silber, überzogen mit mindestens sechs Gramm Feingold. Wahre Werte glänzen eben auch dann, wenn der Wettbewerb längst vorbei ist.
- Themen:
- #CDU-CSU

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











