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14.10.2026
13:58 Uhr
KI-generiert

Ölinsel vor Usedom: Polen bohrt, und Deutschland darf zuschauen?

Ölinsel vor Usedom: Polen bohrt, und Deutschland darf zuschauen?
Symbolbild: KI-generiert

Nur sechs Kilometer vor Swinemünde will der kanadische Konzern Central European Petroleum (CEP) eine künstliche Insel für die Öl- und Gasförderung aufschütten. Anfang Oktober 2026 lag erneut eine mobile Bohrplattform vor Usedom. Deutsche Behörden und die betroffenen Gemeinden wurden nach Angaben von Umweltschützern vorher nicht informiert. Damit wird der Streit um die Pommersche Bucht schärfer.

Ein Schatz unter dem Meeresboden

Es geht um die Wolin-Konzession, 593 Quadratkilometer groß. Dort hat CEP die exklusiven Rechte zur Erkundung und möglichen Erschließung. Bekannt war bisher Wolin West, ein Feld mit Gas und Kondensat. Dann stieß das Unternehmen 2025 im Osten auf Öl, nach eigenen Angaben auf eine 62 Meter mächtige Kohlenwasserstoffsäule.

Die Zahlen können sich sehen lassen. Allein für Wolin Ost schätzt CEP die förderbaren Mengen auf rund 22 Millionen Tonnen Öl und Kondensat sowie fünf Milliarden Kubikmeter Gas. Für die gesamte Konzession nennt das Unternehmen 33 Millionen Tonnen Öl und etwa 27 Milliarden Kubikmeter Gas. Ob beide Teilgebiete ein einziges zusammenhängendes Reservoir bilden, ist noch nicht geklärt.

Zehn Hektar Industrie im Meer

Die Pläne sind gewaltig. Auf der künstlichen Insel sollen auf rund zehn Hektar ein Bohr- und Verarbeitungsbereich, Hafenanlagen und ein Wellenbrecher entstehen. Vorgesehen sind bis zu 30 Bohrungen. Tankschiffe sollen über eine 200 Meter breite und zwölf Meter tiefe Fahrrinne anlegen. Laut den bisher bekannten Unterlagen wären bis zu 8.100 Tonnen Öl am Tag möglich. Genehmigt ist das Projekt noch nicht.

Warschau denkt an Versorgungssicherheit

Für Polen ist die Rechnung einfach. Nach einer im August veröffentlichten Schätzung könnte Wolin East über mehrere Jahre vier bis fünf Prozent des polnischen Ölbedarfs decken. Gefördert würde frühestens ab 2028 oder 2029. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine baut Warschau seine Abhängigkeit von Moskau konsequent ab. Dazu gehört auch die 2022 eröffnete Gaspipeline Baltic Pipe aus Norwegen.

Ein Teil der Ironie liegt auf deutscher Seite. Berlin hat in der Energiekrise selbst ein LNG-Terminal im Hafen Mukran auf Rügen durchgesetzt, gegen heftigen Widerstand vor Ort. Polen nutzt also seine eigenen Rohstoffe. Deutschland setzt dagegen weiter vor allem auf teure Importe.

Widerstand von Usedom bis Brüssel

Am 30. Juli gründeten die Deutsche Umwelthilfe, der WWF Deutschland, der BUND Mecklenburg-Vorpommern und die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern ein Aktionsbündnis. Inzwischen machen auch die polnische Organisation EKO-UNIA und die Gemeinde Heringsdorf mit. Am 1. Oktober übergaben Umweltverbände in Brüssel eine Petition mit rund 89.300 Unterschriften. Sie fordern ein Verbot neuer Öl- und Gasprojekte in der Ostsee.

DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner sprach mit Blick auf die neue Plattform von einem „weiteren Vertrauensbruch“. CEP wolle aus seiner Sicht „die Bucht vor Usedom für Jahrzehnte zu einem fossilen Industriepark machen“. Für die Menschen auf der Insel geht es aber vor allem um ihre Existenz. Heringsdorfs Bürgermeisterin Laura Marisken sagt:

„Usedom steht für einzigartige Natur, kilometerlange weiße Sandstrände und hervorragende Wasserqualität - nicht für Schwerindustrie vor unserer Haustür.“

Das Horrorszenario: 3.300 Tonnen Öl pro Tag

Das Bündnis beruft sich auf die Projektunterlagen. Danach könnten bei einer Havarie bis zu 3.300 Tonnen Öl pro Tag austreten. Der EKO-UNIA-Präsident Radosław Gawlik warnt: „Die Ostsee ist ein flaches und empfindliches Meer.“ Auch der Ostsee-Schweinswal wäre betroffen. Umweltorganisationen schätzen seinen Bestand in der zentralen Ostsee auf nur noch etwa 500 Tiere. BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag fordert deshalb ein „umweltbezogenes, internationales Havariekonzept“.

Polen hat am 3. Juni 2026 eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung gestartet. Deutschland, Dänemark und Schweden sind beteiligt. Das Verfahren führt allerdings Stettin. Berlin darf Stellung nehmen, entscheiden darf es nicht.

Für Usedom steht damit viel auf dem Spiel. Die Insel lebt seit Jahrzehnten vom Tourismus. Die Bundesregierung muss sich jetzt entscheiden: Macht sie den Fall zur Chefsache, oder lässt sie die eigene Küste in einem Verfahren der Nachbarn allein?

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