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Jobcenter kapituliert: 563 Euro fĂŒr den lautesten Mann von Witten

Jobcenter kapituliert: 563 Euro fĂŒr den lautesten Mann von Witten
Symbolbild: KI-generiert

Ein Jobcenter im Ennepe-Ruhr-Kreis soll einen BĂŒrgergeldempfĂ€nger seit Jahren faktisch von der Arbeitsvermittlung ausgenommen haben – aus Sorge vor „Gefahrensituationen“. Betroffen ist Medienberichten zufolge ein Mann namens Amer G., der 2015 aus Syrien nach Deutschland gekommen sein soll und der in der Vergangenheit wiederholt durch lautstarke religiöse VortrĂ€ge aufgefallen sein soll. Aufgedeckt wurde der Vorgang von der „Bild“, der nach eigenen Angaben interne Unterlagen der Behörde vorliegen.

„Aktivierungsbefreit“ – ein Wort, das es im Gesetz nicht gibt

Laut dem Bericht erhĂ€lt der alleinstehende Mann weiterhin 563 Euro BĂŒrgergeld im Monat. Der Bewilligungszeitraum soll bis Juli 2027 laufen. Weil er in einer Obdachlosenunterkunft lebt, fließen keine zusĂ€tzlichen Unterkunftskosten an ihn.

Ausgangspunkt der Sonderbehandlung sei ein Aktenvermerk vom 7. August 2023 gewesen. Eine Vermittlung sei wegen des „Hintergrunds“ des Mannes fĂŒr nicht durchfĂŒhrbar gehalten worden. Die entscheidende Formulierung in den Unterlagen: „Potenzielle Gefahrensituationen sollen nicht provoziert werden.“

Intern werde der Syrer als „konzeptionell zurĂŒckgestellter Kunde“ gefĂŒhrt, eine neuere Akte weise eine Nicht-Aktivierungsphase bis zum 7. Dezember 2026 aus. Frau und Kinder des Mannes sollen laut dem Bericht im Jahr 2020 vorĂŒbergehend in einem Frauenhaus untergekommen sein. Ob dieser Vorgang zu einer Anzeige oder einem strafrechtlichen Verfahren gefĂŒhrt hat, ist nicht bekannt; eine strafrechtliche Verurteilung des Mannes in diesem Zusammenhang wird in den zugrunde liegenden Berichten nicht erwĂ€hnt.

Ein Integrationscoach widersprach – und wurde ĂŒberstimmt

Bemerkenswert ist ein Detail am Rande: Drei Monate vor dem Vermerk soll sich ein BewĂ€hrungshelfer des Mannes beim Jobcenter gemeldet und darum gebeten haben, G. nicht zu „provozieren“. Aus welchem Verfahren oder Anlass diese BewĂ€hrungshilfe resultiert, ist den vorliegenden Berichten nicht zu entnehmen; ein belegter Zusammenhang mit dem zuvor erwĂ€hnten Aufenthalt der Familie in einer Schutzeinrichtung besteht laut den zugrunde liegenden Berichten nicht. Ein Integrationscoach habe zunĂ€chst widersprochen – die Rechtslage sehe ein solches Vorgehen nicht vor. Nach RĂŒcksprache mit der Teamleitung sei die Vermittlung dennoch weitgehend eingestellt worden.

Das nordrhein-westfĂ€lische Arbeitsministerium erklĂ€rte allgemein, es sei rechtswidrig und gesetzlich nicht vorgesehen, jemanden allein wegen eines möglichen GefĂ€hrdungspotentials aus der aktiven Vermittlung herauszunehmen. Auch die Bundesagentur fĂŒr Arbeit kennt eine solche Ausnahme nicht – zustĂ€ndig ist sie fĂŒr das kommunal betriebene Jobcenter allerdings nicht.

Datenschutz als Schutzschild

Der Kreis verweigerte unter Berufung auf den Datenschutz jede Auskunft zum Einzelfall. Allgemein hieß es, Meldetermine seien auch bei zurĂŒckgestellten Leistungsbeziehern möglich, mindestens einmal jĂ€hrlich solle ein persönliches GesprĂ€ch stattfinden. Ob solche Termine stattfanden, blieb dem Bericht zufolge unbeantwortet.

Anwohner beschweren sich seit Jahren ĂŒber die lautstarken Koran-VortrĂ€ge, teils in den frĂŒhen Morgenstunden. Einige sollen zeitweise in ein Hotel ausgewichen sein. VerhĂ€ngte Geldstrafen der Stadt beendeten die Auftritte bislang nicht dauerhaft.

Warum dieser Fall grĂ¶ĂŸer ist als Witten

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang ein strukturelles Problem: Der Sozialstaat funktioniert nur, solange Pflichten fĂŒr alle gelten. Wer Fordern und Fördern nach Konfliktpotenzial sortiert, belohnt genau das falsche Verhalten – und straft jene Millionen Beitragszahler ab, die jeden Morgen zur Arbeit fahren.

Pikant: Der Bundestag beschloss im MĂ€rz 2026 die Umwandlung des BĂŒrgergelds in die „neue Grundsicherung“ mit hĂ€rteren Sanktionen und mehr Mitwirkungspflichten. Die RegelsĂ€tze wurden fĂŒr 2025 und 2026 eingefroren. Auf dem Papier steigt also der Druck – im Fall Witten scheint er nie angekommen zu sein.

Wer sein Vermögen gegen politische Fehlsteuerung und schleichende Kaufkraftverluste absichern will, setzt seit jeher auch auf physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die EinschÀtzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Jeder Leser trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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