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09.10.2026
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Grünheide wächst, Zwickau bangt: Was macht Tesla besser als VW?

Grünheide wächst, Zwickau bangt: Was macht Tesla besser als VW?
Symbolbild: KI-generiert

Zwei Elektroauto-Fabriken, rund 300 Kilometer voneinander entfernt, fast gleich viele Autos und trotzdem völlig verschiedene Aussichten. Tesla will sein Werk im brandenburgischen Grünheide ausbauen. Volkswagen dagegen verkleinert die Produktion im sächsischen Zwickau. Ein Vergleich beider Werke zeigt: An den Löhnen allein liegt es nicht.

Gleiche Größe, anderes Schicksal

Die Zahlen liegen nah beieinander. Zwickau baute 2025 rund 212.000 Fahrzeuge mit 8.000 Stammbeschäftigten. Aus Grünheide kamen im selben Jahr nach Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens etwa 202.000 Autos.

Danach hören die Gemeinsamkeiten auf. VW will die Fertigung in Zwickau ab 2027 auf eine einzige Montagelinie beschränken. Medienberichten zufolge hatte das Management 2026 sogar vorgeschlagen, dort ab 2031 gar keine Autos mehr zu bauen. Entschieden ist das noch nicht. Tesla erhöht in Grünheide dagegen die Löhne, will mehr produzieren und steckt zusätzliches Geld in die Batteriezellfertigung.

2.300 Sitzvarianten: Wie Vielfalt teuer wird

Ein großer Unterschied liegt in der Modellvielfalt. Grünheide baut im Kern nur das Model Y. In Zwickau liefen 2025 sechs Modelle von drei Marken vom Band: ID.3, ID.4, ID.5, Audi Q4 e-tron, Q4 Sportback e-tron und Cupra Born. Alle stehen zwar auf dem Elektrobaukasten MEB. Karosserien, Innenräume und Bauteile unterscheiden sich aber.

Was das kostet, zeigt ein Beispiel aus dem eigenen „Zukunftsplan“ von VW. Statt mehr als 2.300 Sitzvarianten soll es künftig nur noch rund 100 geben. Die Zahl der Modelle soll um bis zu 50 Prozent sinken, die der Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent. Jede zusätzliche Variante macht Entwicklung, Einkauf, Logistik und Qualitätskontrolle aufwendiger. Tesla hat diese Komplexität gar nicht erst aufgebaut.

Ein Guss statt vieler Blechteile

Dazu kommt das sogenannte Gigacasting. Tesla gießt große Teile der Karosserie aus Aluminium in einem Stück, in Grünheide zum Beispiel den hinteren Unterboden. Dadurch braucht das Werk weniger Werkzeuge, weniger Schweißpunkte und weniger Prüfschritte. Allerdings hatte Tesla einen Vorteil: Das Werk ist neu und wurde von Anfang an für diese Fertigung geplant. VW muss seine bestehenden Fabriken dagegen nach und nach umbauen.

Sind VW-Arbeitsplätze einfach zu teuer?

So einfach ist die Rechnung nicht. Seit Anfang 2026 gilt in Zwickau der VW-Haustarif wie im Westen. Tesla hat die Gehälter zum 1. Oktober 2026 um fünf Prozent in der Produktion und um vier Prozent für Facharbeiter erhöht, dazu kommt ein Leistungsbonus. In Grünheide arbeiten inzwischen knapp 12.000 Menschen. Nach Angaben der IG Metall gilt dort eine 38-Stunden-Woche, in Zwickau sind es 35 Stunden. Ein Teil der Tesla-Vergütung wird außerdem in Aktien gezahlt.

Entscheidend ist die Auslastung. Grünheide war 2025 laut Tesla nur zu 54 Prozent ausgelastet, auch wegen des Umbaus für das überarbeitete Model Y. Zwickau baute 212.000 Autos, obwohl früher eine Kapazität von rund 330.000 genannt wurde. Eine halbleere Fabrik ist teuer, egal wie hoch die Löhne sind.

Zölle helfen Tesla in Brandenburg

Gerade bekommt Tesla Rückenwind. Zwischen Januar und August 2026 stieg der Anteil reiner Elektroautos an den Neuzulassungen in der EU auf 21,7 Prozent, nach 15,8 Prozent im Vorjahreszeitraum. In Deutschland legten die Zulassungen um 53,1 Prozent zu. Hinzu kommt die Handelspolitik: Auf Teslas aus China erhebt die EU einen zusätzlichen Ausgleichszoll von 7,8 Prozent. Ein Model Y aus Grünheide ist davon nicht betroffen. Deutschland ist damit nicht billiger geworden. Andere Standorte sind durch die Zölle nur teurer geworden.

Zwickau hat diesen Vorteil gegenüber anderen VW-Werken nicht. Der ID.4 bleibt auch in Emden. ID.3 und Cupra Born sollen künftig zusätzlich in Wolfsburg gebaut werden. Zwickau soll sich ab 2027 auf die beiden Audi-Q4-Modelle konzentrieren. Konzernweit will VW die Kapazität auf etwa neun Millionen Fahrzeuge senken. Vor der Pandemie war sie laut Konzern auf rund zwölf Millionen ausgelegt.

Fazit: Tesla holt Arbeit ins Werk, VW verteilt weniger davon

Ob Tesla unterm Strich günstiger baut, lässt sich aus den öffentlichen Zahlen nicht sicher sagen. Die Strategien sind aber klar verschieden. Tesla gibt Grünheide neue Aufgaben, etwa 250 Millionen Dollar zusätzlich für die Zellfertigung. Die Kapazität soll auf 18 Gigawattstunden pro Jahr wachsen, dafür könnten mehr als 1.500 neue Stellen entstehen. Das sind bisher Pläne, noch keine laufende Produktion. VW dagegen bündelt die Fertigung auf weniger Linien.

Für Zwickau geht es deshalb um mehr als günstigere Autositze. Es geht darum, ob das Werk im eigenen Konzern noch genug Autos zugeteilt bekommt. Elon Musk hat die hohen Kosten in Deutschland nicht abgeschafft. Er versucht, sie mit weniger Komplexität und besserer Auslastung auszugleichen. Ob das dauerhaft funktioniert, entscheiden am Ende die Käufer.

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