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06.10.2026
13:44 Uhr
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Frankreich am Abgrund: Le Pens Sparplan lässt die Anleihemärkte jubeln

Frankreich am Abgrund: Le Pens Sparplan lässt die Anleihemärkte jubeln
Symbolbild: KI-generiert

Frankreichs Schuldenkrise hat eine überraschende Wendung genommen. Am Dienstag stellte Marine Le Pen, Chefin des Rassemblement National und derzeit Favoritin im Rennen um den Élysée-Palast, in Paris einen Gegenhaushalt mit Einsparungen von 140 Milliarden Euro vor. Die Reaktion kam prompt: Französische Staatsanleihen legten deutlich zu, die Rendite der zehnjährigen Papiere fiel auf rund 4,72 bis 4,75 Prozent.

Das ist bemerkenswert. Ausgerechnet die Politikerin, vor der Brüssel und Berlin seit Jahren warnen, beruhigt nun offenbar die Investoren.

Rekordzinsen und ein Präsident ohne Antwort

Der Hintergrund ist dramatisch. Medienberichten zufolge sind Frankreichs Finanzierungskosten zuletzt auf Werte gestiegen, die es seit Anfang der 2000er-Jahre nicht mehr gab. Der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen weitete sich Anfang Oktober auf 135 Basispunkte aus. Die Preise für Kreditausfallversicherungen auf französische Schulden erreichten das höchste Niveau seit 13 Jahren.

Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Sébastien Lecornu erwartet für dieses Jahr ein Defizit von 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, nach 5,1 Prozent im Vorjahr. Statt zu sparen, steigt das Minus. Für 2027 plant Paris laut Berichten eine Neuverschuldung von 340 Milliarden Euro. Ein ausgeglichener Haushalt? Den hat Frankreich zuletzt in den 1970er-Jahren vorgelegt.

Was Le Pen konkret verspricht

Le Pen warnte, Frankreich steuere bei unveränderter Politik auf einen Zahlungsausfall zu. Ihr Plan sieht im Kern Folgendes vor:

  • Netto-Einsparungen von 140 Milliarden Euro bis 2032 gegenüber 2026, ursprünglich waren 125 Milliarden geplant
  • Ein Defizit unter der EU-Grenze von drei Prozent spätestens bis 2032, Berichten zufolge womöglich schon 2030
  • Eine Begrenzung des französischen Nettobeitrags an die EU auf fünf Milliarden Euro
  • Weniger Ausgaben für Migration und eine schlankere Verwaltung
  • Eine Verankerung der Sparvorgaben in der Verfassung

Die Vorschläge zur Rentenreform will sie in den kommenden Wochen nachliefern.

Die Banker bleiben skeptisch

An der Wall Street wurde der Plan mit Interesse, aber nicht mit blindem Vertrauen aufgenommen. Eine UBS-Analystin schrieb ihren Kunden, französische Anleihen setzten ihre Erholung nach der Vorlage des Schattenhaushalts fort. Das Ziel sei jedoch „ziemlich ehrgeizig“ und erfordere die Zustimmung anderer Parteien.

Bei Goldman Sachs hieß es, die Hürde für eine positive Überraschung sei niedrig. Glaubwürdig werde der Plan nur mit klar benannten Kürzungen im Inland und weniger Hoffnung auf Einsparungen bei Brüssel und Migration. Der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon wiederum warf Le Pen vor, sie wolle sich bei den Finanzmärkten anbiedern, und warnte, die Kürzungen würden die Wirtschaft schwächen.

Warum deutsche Sparer genau hinsehen sollten

Ein Satz Le Pens dürfte in Deutschland für Unruhe sorgen: Sie fordert, die Europäische Zentralbank solle eingreifen, um die Zinslast zu senken. Seit Mario Draghis „Whatever it takes“ von 2012 und dem 2022 geschaffenen Anti-Spread-Instrument TPI weiß jeder, was das in der Praxis bedeuten kann: Die Notenbank stützt Schuldenstaaten, und die Rechnung landet indirekt auch bei deutschen Sparern und Steuerzahlern.

Auch der Euro zeigt Schwäche. Ein Devisenstratege der ING sieht darin einen wachsenden Risikoaufschlag wegen der Haushaltsprobleme in Europa. Dazu kommt politische Unruhe in Spanien, dazu teils gewaltsame Proteste an französischen Schulen und ein drohender Energiewinter. Für die Eurozone ist das eine explosive Mischung.

Fazit: Vertrauen ist die knappste Währung

Ob Le Pen ihre Zahlen je umsetzen könnte, ist völlig offen. Gewählt wird erst im Frühjahr 2027. Klar ist aber: Wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wankt, wankt die Währungsunion mit. Wer sein Vermögen gegen solche Schuldenspiralen absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Edelmetalle sind kein Zahlungsversprechen eines Staates, und genau das macht sie in solchen Zeiten wertvoll.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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