
Bank-Beben in Zürich: Lockt London die UBS aus der Schweiz?

Die Schweiz droht ihre letzte globale Großbank zu verlieren. Laut einem Bericht der „Financial Times“ hat die britische Regierung versucht, die UBS mit Hauptsitz und Börsennotierung nach London zu holen. Die damalige Schatzkanzlerin Rachel Reeves soll Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher entsprechende Vorschläge gemacht haben. Das jüngste Treffen habe demnach Anfang dieses Jahres stattgefunden.
Der Zankapfel: 16 Milliarden Dollar
Hinter dem Werben aus London steckt ein erbitterter Streit. Zürich gegen Bern, Bank gegen Politik. Es geht um schärfere Eigenkapitalvorschriften, die der Bundesrat nach dem Kollaps der Credit Suisse im Jahr 2023 durchsetzen will.
Im September stellte sich das Parlament auf die Seite der Hardliner. Medienberichten zufolge stimmte der Ständerat mit 29 zu 16 Stimmen dafür, dass die UBS ihre ausländischen Töchter zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen muss. Ein deutlich milderer Gegenvorschlag fiel durch. Das letzte Wort hat noch der Nationalrat.
Die Rechnung ist happig: Nach eigenen Angaben müsste die UBS rund 16 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital aufbringen. Geld, das nicht arbeitet, sondern als Puffer in der Bilanz liegt.
Kelleher droht – Großaktionäre machen Druck
Kelleher hatte zuletzt offen damit gedroht, den Standort Schweiz zu überdenken, falls die Auflagen zu streng ausfallen. Rückendeckung bekommt er von wichtigen Aktionären. Der US-Vermögensverwalter Artisan Partners hält die Schweiz demnach nicht mehr für einen attraktiven Standort für die Bank.
Finanzministerin Karin Keller-Sutter hält dagegen. Sie warnte vor der Abstimmung, die Bevölkerung sei nicht bereit, noch einmal für Risiken zu haften, die ein profitables Großunternehmen im Ausland eingehe. Ein Argument mit Gewicht: Die UBS-Bilanz ist größer als die gesamte Schweizer Wirtschaftsleistung.
London jubelt – doch Washington lockt mehr
Für die britische Hauptstadt wäre der Fang ein Triumph. Mit einem Börsenwert von rund 129 Milliarden Franken stiege die UBS zur Nummer vier im Leitindex FTSE 100 auf. Schon heute beschäftigt die Bank rund 8000 Menschen in Großbritannien.
Und doch gilt ein anderes Ziel als wahrscheinlicher: die USA. UBS-Vertreter sollen bereits mit der Trump-Regierung gesprochen haben. Dort winken lockerere Kapitalregeln und der größte Vermögensverwaltungsmarkt der Welt. Frankfurt? Taucht in den Berichten gar nicht erst auf – ein bitterer Befund für den Finanzplatz Deutschland, der seit Jahren unter Bürokratie und Regulierung ächzt.
Offiziell bleibt alles beim Alten
Konkrete Umzugspläne gibt es laut den Berichten nicht. Die UBS betont, in der Schweiz bleiben zu wollen. Doch wer genau hinsieht, erkennt ein Machtspiel: Die Bank zeigt, dass sie Alternativen hat. Und Bern muss abwägen, ob es lieber eine sichere Bank oder überhaupt keine mehr haben will.
Die eigentliche Lehre für Sparer
Der Streit legt ein Grundproblem offen. Banken, die zu groß zum Scheitern sind, machen am Ende den Steuerzahler zum Rückversicherer. Das Credit-Suisse-Debakel hat gezeigt, wie schnell ein vermeintlich solides Institut ins Wanken geraten kann.
Genau deshalb setzen viele Anleger auf Werte, die von keiner Bankbilanz abhängen. Physisches Gold und Silber kennen kein Gegenparteirisiko. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie ein solider Anker sein, wenn Zürich, London und Washington um Milliarden pokern.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung.
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