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14.10.2026
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Aus nach 65 Jahren: Sicherheitskosten stoppen Kölner Veedelszug!

Aus nach 65 Jahren: Sicherheitskosten stoppen Kölner Veedelszug!
Symbolbild: KI-generiert

Die neue Session hat noch gar nicht begonnen, da ist der erste Kölner Karnevalszug schon abgesagt. Der Zollstocker Dienstagszug, seit 65 Jahren fester Teil des Straßenkarnevals im Kölner Süden, fällt 2027 aus. Die Veranstalter nennen als Hauptgrund die kaum noch bezahlbaren Kosten für den Sicherheitsdienst.

Die Nachricht kam mit spürbarer Wehmut. Ein Sprecher des Zuges teilte mit:

„Mit schwerem Herzen müssen wir euch mitteilen, dass wir den Dienstagszug im Jahr 2027 leider nicht durchführen können und werden.“

13.000 Euro, und das jedes Jahr

Michael Siegenbruck, Vorsitzender des Vereins „Freunde des Zollstocker Dienstagszuges“, spricht gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger von einer „Finanzierungskatastrophe durch den hohen Sicherheitsdienst“. Dazu kämen immer strengere Auflagen. Rund 13.000 Euro koste der Zug jährlich, und die müsse man eben auch jedes Jahr wieder einnehmen.

Wie soll das gehen? Der Verein hat nach eigenen Angaben 80 Mitglieder, der Jahresbeitrag liegt bei 20 Euro. Das ergibt 1.600 Euro, also nicht einmal ein Achtel der benötigten Summe. Den Rest müssen Spenden und Sponsoren bringen. Doch die bröckeln: Zwei Schulen haben laut Medienberichten aus wirtschaftlichen Gründen abgesagt, ebenso der Verein „Fidele Fortuna“.

Dabei war der Zug zuletzt alles andere als ein Auslaufmodell. 2024 zogen nach WDR-Angaben rund 1.500 Teilnehmer durchs Veedel. Siegenbruck fasste die Entscheidung dem Sender gegenüber nüchtern zusammen: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Ein Ehrenamt, das niemand mehr bezahlen kann

Laut Siegenbruck kämpft nicht nur Zollstock. Der Frühschoppen sei schlecht gelaufen, das Veedelsfest habe man ganz ausfallen lassen müssen. „Man bekommt kaum noch Hilfe zusammen“, klagt der Vorsitzende. Sein Amt will er Medienberichten zufolge im November abgeben.

Das Festkomitee Kölner Karneval bietet Veedelszügen zwar Seminare an, etwa dazu, wie man beim Sicherheitspersonal sparen könne, ohne an der Sicherheit selbst zu sparen. Eine Lösung für das Grundproblem ist das aber nicht.

Ein bundesweites Muster

Zollstock ist kein Einzelfall. Schon 2026 fielen Umzüge in Kempten, Erfurt, Marburg und Frankenthal aus. In Kempten hätten sich die Sicherheitskosten Berichten zufolge auf rund 50.000 Euro verdoppelt, in Marburg wären allein für Absperrungen und Sicherheit 80.000 Euro fällig gewesen. Beim Kölner Straßenkarneval 2026 waren mehr als 5.000 Einsatzkräfte im Dienst, darunter 1.500 Polizisten und 2.600 private Sicherheitsleute.

Der Staat schützt, die Vereine zahlen

Der Hintergrund: Karnevalsumzüge gelten rechtlich als Privatveranstaltungen, die Kosten trägt also der Veranstalter. Nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016, der Amokfahrt von Volkmarsen 2020 und dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt Ende 2024 wurden die Auflagen immer wieder verschärft: Betonpoller, Fahrzeugsperren, mehr Personal.

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier eine bittere Schieflage. Sicherheit im öffentlichen Raum ist eigentlich Aufgabe des Staates. Für viele Bürger ist es schwer zu verstehen, dass die Rechnung für eine veränderte Sicherheitslage, die Politik zu verantworten hat, am Ende bei Ehrenamtlichen mit 20-Euro-Beiträgen landet. Das Ergebnis ist absehbar: Wenn ausgerechnet das gewachsene Brauchtum im Viertel stirbt, verlieren Familien mit Kindern ihren Ort zum Feiern.

Hoffnung auf 2028

Aufgeben will Siegenbruck trotzdem nicht. Er hofft, dass sich genug Menschen „zusammenreißen“ und gemeinsam eine Lösung finden, damit der Zug 2028 wieder rollen kann. Ob das gelingt, hängt am Engagement der Zollstocker, aber auch an der Frage, ob Stadt und Land erkennen, was hier auf dem Spiel steht.

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