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06.10.2026
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Windräder als Regenräuber? Studie warnt Norddeutschlands Küste

Windräder als Regenräuber? Studie warnt Norddeutschlands Küste
Symbolbild: KI-generiert

Die Energiewende auf See könnte das Wetter verändern. Das Helmholtz-Zentrum Hereon aus Geesthacht hat Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee simuliert. Das Ergebnis: Bei massivem Ausbau regnet es über den Anlagen mehr, an den Küsten Deutschlands, Dänemarks, der Niederlande und Großbritanniens ab 2050 dagegen teils deutlich weniger.

Die Studie erschien am 12. August 2026 im Nature-Fachjournal „Communications Earth & Environment“. Sie zeigt, was in der politischen Debatte gern untergeht: Auch „saubere“ Energie greift in die Natur ein.

Wie ein Windpark dem Land das Wasser abgräbt

Das Prinzip klingt fast banal. Jedes Windrad entzieht dem Wind Bewegungsenergie und verwirbelt die Luft dahinter. Laut Hereon könnte ein großflächiger Ausbau den Wind an der Oberfläche um bis zu 11 km/h bremsen.

Hinter den Rotoren durchmischen sich die Luftschichten stärker. Feuchte Meeresluft steigt auf, kühlt ab und kondensiert. Es bilden sich Wolken, und es regnet direkt über dem Windpark. Was dort niedergeht, fehlt dann an Land. Die Luftmassen erreichen die Küste schlicht trockener.

Den Simulationen zufolge sinken die Niederschläge in Küstenregionen um 10 bis über 15 Prozent, vor allem bei Südwestwind. Laut Fachberichten war die Gegend um Herning in Jütland am stärksten betroffen. Dort trifft es nicht nur die Menge: Starkregen nehme ab, schwache Schauer nähmen zu.

Schlechte Nachrichten für die Bauern

Für Landwirte im Norden ist das alles andere als eine akademische Spielerei. Wer seit Jahren gegen trockene Sommer und Ernteausfälle kämpft, braucht jeden Liter Regen. Ausgerechnet ein Projekt, das dem Klima helfen soll, könnte die Felder an der Küste weiter austrocknen. Ist das die Pointe der grünen Planwirtschaft?

Für den Bestand von 2023 und die Planungen bis 2030 sehen die Forscher allerdings nur geringe Effekte. Diese spielten sich zudem überwiegend auf dem Meer ab.

Das Extremszenario: 600 Gigawatt auf See

Fairerweise muss man sagen: Die Forscher haben bewusst übertrieben. Ihr Hauptszenario geht davon aus, dass alle für Offshore-Wind ausgewiesenen Flächen in Nord- und Ostsee maximal bebaut werden. Das ergäbe rund 600 Gigawatt Leistung, also doppelt so viel wie die bis 2050 diskutierten 300 GW. Im 300-GW-Szenario erwarten die Wissenschaftler kaum Folgen für die Küsten.

Die Berechnungen stützen sich auf Wetterdaten von 2008 bis 2017 und das regionale Klimamodell COSMO-CLM. Neu sei, dass erstmals verschiedene Turbinengrößen berücksichtigt wurden, Medienberichten zufolge zwischen 5 und 15 Megawatt. Erstautor Dr. Naveed Akhtar erklärt den Anspruch so:

„Unsere Arbeit trägt dazu bei, den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Europa mit den Anforderungen des Klima-, Umwelt- und Küstenschutzes in Einklang bringen zu können.“

Was die Studie ausklammert

Die Arbeit hat Grenzen. Meeresströmungen, Schifffahrt und Flugverkehr blieben außen vor. In einer früheren Studie hatte dasselbe Institut bereits gezeigt, dass Nordsee-Windparks sogar die Gezeitenströmungen beeinflussen.

Brüssel träumt groß, die Realität bremst

Die EU-Kommission hält trotzdem an ihren Zielen fest. Bis 2030 sollen 425 GW Windkraft installiert sein, davon 60 GW auf See. Das wäre das 2,6-Fache der heutigen 23,2 GW in den EU-Staaten. Bis 2050 sind allein für die Nordsee 300 GW vorgesehen.

Ob das gelingt, steht in den Sternen. Wegen gestiegener Kosten und der schwachen Wirtschaftslage wackeln bereits mehrere Projekte vor der deutschen Küste. Die Rechnung zahlen am Ende Stromkunden und Steuerzahler.

Die Studie ist kein Argument gegen jedes Windrad. Sie zeigt aber, wie gefährlich es ist, Gigawatt-Ziele am Brüsseler Reißbrett festzulegen, ohne die Folgen wirklich zu kennen. Hereon will nun untersuchen, wie Turbinendichte, Parkgröße und Anordnung das Klima beeinflussen. Die Politik sollte diese Ergebnisse abwarten, bevor sie Fakten schafft, die sich auf See kaum noch rückgängig machen lassen.

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