
Tankrabatt-Trick: Warum der Staat Ihnen nur Ihr eigenes Geld leiht

Seit dem 1. Oktober 2026 ist Tanken in Deutschland etwas billiger. Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz hat die Energiesteuer auf Benzin und Diesel bis Ende Dezember um 14,04 Cent je Liter gesenkt. Die Regierung nennt das „Tankrabatt“. Das Wort ist geschickt gewählt, denn es verschleiert, was hier eigentlich passiert.
Ein Rabatt ist ein Nachlass, den ein Händler freiwillig gewährt. Hier verzichtet der Staat für drei Monate auf einen Teil einer Abgabe, die er selbst festgelegt hat. Sie bekommen also nichts geschenkt. Man nimmt Ihnen nur etwas weniger ab.
Die Zahlenreihe, die niemand erklären kann
Ein Blick auf die Steuersätze lohnt sich. Bis Ende September fielen je Liter rund 65 Cent Energiesteuer auf Benzin an, etwa 47 Cent auf Diesel, rund 6 Cent auf Heizöl und null Cent auf Kerosin im gewerblichen Luftverkehr. Eine schlüssige Logik hinter dieser Abstufung sucht man vergebens.
Warum zahlt der Pendler mit seinem Benziner ein Vielfaches dessen, was beim Heizöl fällig wird? Und warum zahlt die Airline gar nichts? Kritiker sehen darin das Ergebnis jahrzehntelanger Lobbyarbeit. Landwirte, Spediteure, Mieterverbände und die Luftfahrtbranche haben jeweils ihre Sonderregeln erkämpft. Was dabei herauskam, ist ein Flickenteppich und kein durchdachtes Steuersystem.
Dass Energie überhaupt so hoch besteuert wird, hat einen nüchternen Grund. Ökonomen sprechen von geringer Preiselastizität. Der Bürger muss tanken und heizen, auch wenn es teurer wird. Für Finanzminister ist das wie bei der Tabaksteuer eine verlässliche Geldquelle, denn die Einnahmen brechen auch bei hohen Preisen kaum ein.
2,5 Milliarden Euro, aber ohne jede Garantie
Medienberichten zufolge rechnen Bund und Länder mit Steuerausfällen von bis zu 2,5 Milliarden Euro. Mit der Mehrwertsteuer soll die Entlastung bei bis zu 16,7 Cent pro Liter liegen. Im Bundestag stimmten 434 von 562 Abgeordneten in namentlicher Abstimmung dafür.
Der Haken: Wie berichtet wird, verpflichtet das Gesetz die Mineralölwirtschaft nicht, die Senkung vollständig an die Kunden weiterzugeben. Die Koalition hat lediglich ihre „Erwartung“ geäußert. Wer sich an den Tankrabatt von 2022 erinnert, dürfte skeptisch sein. Schon im Frühjahr 2026 hatte die Regierung die Steuer zwei Monate lang gesenkt, damals als Reaktion auf die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs. Kurzfristige Notlösungen sind in Berlin offenbar zur Gewohnheit geworden.
Das Märchen von den „fossilen Subventionen“
Eine zweite Erzählung wird von Kritikern ebenso scharf hinterfragt. Internationale Medien und Institutionen beklagen gern rund eine Billion Dollar an „fossilen Subventionen“ pro Jahr. Diese Größenordnung nennen sowohl die Internationale Energieagentur als auch ein vielbeachteter Beitrag im Fachmagazin Science vom August 2026. Gemeint sind etwa Preisdeckel oder Billigbenzin in Ölförderstaaten.
Was dabei meist fehlt: Den Subventionen stehen weltweit Energiesteuern in ähnlicher Höhe gegenüber, nämlich knapp eine Billion Dollar. Die Zahlen sind leicht zu finden:
- Deutschland: rund 34 Milliarden Euro Energiesteuern jährlich (ohne Mehrwertsteuer), etwa 400 Euro pro Kopf
- USA: rund 85 Milliarden Euro, etwa 260 Euro pro Kopf
- China: rund 60 Milliarden Euro, etwa 45 Euro pro Kopf
Der deutsche Verbraucher trägt also eine der höchsten Lasten. Hinzu kommen Subventionen für erneuerbare Energien, die nach Angaben des International Institute for Sustainable Development allein in den G20-Staaten im Jahr 2023 bei knapp 170 Milliarden Dollar lagen.
Eine gigantische Umverteilungsmaschine
Unterm Strich bewegt der Staat weltweit Summen von mehr als einem Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, erst über Steuern und dann über Subventionen. Kritiker halten nicht die angeblich zu billige fossile Energie für das eigentliche Problem. Sie sehen es in einer Bürokratie, die Bürgern erst das Geld abnimmt und es ihnen dann als „Entlastung“ teilweise zurückgibt.
Ehrlicher wäre ein grundlegender Umbau: weniger Abgaben, weniger Ausnahmen, weniger Lenkungswahn. Stattdessen gibt es drei Monate Steuerpause, und ab Januar ist alles wieder beim Alten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Für eine individuelle Beratung wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.
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