
Spion auf vier Rädern: Geheimdienste warnen vor dem eigenen Auto!

Das Auto hört mit, filmt und meldet den Standort. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und der niederländische Geheimdienst AIVD warnen eindringlich vor den Spionagerisiken vernetzter Fahrzeuge. Besonders heikel seien nach Einschätzung der Behörden Modelle aus China, deren Hersteller per Gesetz mit dem Staatsapparat in Peking kooperieren müssen.
Das rollende Smartphone mit Abhörfunktion
Moderne Autos sind längst Datenkraken auf Rädern. Sie erfassen, wer drinsitzt, wohin die Reise geht und wie gefahren wird. Ihre Kameras nehmen außerdem Menschen und Gebäude in der Umgebung auf. Was dem Kunden als Komfort verkauft wird, ist für Geheimdienste ein offenes Scheunentor.
Der Verfassungsschutz sieht vor allem Menschen mit Zugang zu schutzbedürftigen Informationen im Visier, berichten Medien. Gemeint sind Führungskräfte aus Staat, Politik und Wirtschaft, dazu Abgeordnete, Journalisten und Beschäftigte der kritischen Infrastruktur. Über die Internetverbindung könnten Angreifer Fahr- und Telemetriedaten abgreifen, womöglich auch Aufnahmen aus dem Innenraum. Mikrofone ließen sich in vielen Fahrzeugen aus der Ferne einschalten. Die Behörde hält im Extremfall sogar eine Übernahme der Fahrzeugsteuerung für denkbar.
Den Haag schlägt Alarm
Noch deutlicher wird der AIVD. Ende September veröffentlichte der niederländische Dienst eine Broschüre, deren Titel sinngemäß lautet: „Das moderne Auto als potenzieller Spion“. Die Botschaft: Wer genau genug weiß, wo ein Auto parkt, kann Besuche in Ministerien, Kasernen oder Rüstungsbetrieben lückenlos nachzeichnen.
Die gesammelten Daten seien für viele Akteure interessant, warnt der AIVD, darunter auch staatliche Stellen, die sich Zugriff verschaffen könnten. Die Empfehlungen der Niederländer lesen sich wie ein Handbuch für Agentenfilme:
- Mikrofone: Keine vertraulichen Gespräche im Auto oder in dessen Nähe führen.
- Kameras: Mit AuĂźenkameras nicht an sensible Orte fahren.
- Infotainment: Heikle Adressen nur mit Bedacht eingeben. Kontakte, Nachrichten und Surfverlauf könnten an Hersteller und Dritte gehen.
- Smartphone: Automatisches Koppeln vermeiden, beim Laden per Kabel einen USB-Datenblocker nutzen, auch kabelloses Laden kritisch sehen.
Ernüchternd ist das Eingeständnis des AIVD: Bei GPS, Telematik und Ladestationen lasse sich das Risiko weder technisch noch durch kluges Verhalten vollständig ausschalten. Der Fahrer hat schlicht keine volle Kontrolle darüber, was sein Auto nach Hause funkt.
Das China-Problem auf deutschen StraĂźen
Am brisantesten ist die Herkunftsfrage. Der Verfassungsschutz verweist ausdrücklich auf Chinas Nationales Geheimdienstgesetz von 2017, das Unternehmen zur Zusammenarbeit mit den Sicherheitsdiensten verpflichtet. Auch die tschechische Cyberbehörde NÚKIB warnte im August 2025: Daten chinesischer Fahrzeuge landeten auf Servern in China, wo der Staat nach dortigem Recht zugreifen könne.
Und diese Autos rollen in immer größerer Zahl auf deutsche Straßen. Medienberichten zufolge stammten im dritten Quartal 2026 rund zwölf Prozent der neu zugelassenen E-Autos in Deutschland aus China. In Großbritannien kommen chinesische Marken laut Branchenverband SMMT inzwischen auf 15 Prozent aller Neuzulassungen. Britische Rüstungsfirmen sollen ihren Mitarbeitern bereits geraten haben, Diensthandys nicht mit chinesischen Elektroautos zu koppeln.
Wo bleibt die Politik?
Das ist bitter, denn der Elektroboom wurde von Berlin und Brüssel jahrelang mit Förderprämien, Flottengrenzwerten und dem faktischen Verbrenner-Aus politisch vorangetrieben. Ausgerechnet die billigste Konkurrenz kommt dabei aus einem Land, das unsere eigenen Dienste als Spionagerisiko einstufen. Kritiker dürften fragen, warum es vor allem bei Broschüren und Ratschlägen bleibt, statt verbindliche Regeln für Datenflüsse aus Fahrzeugen festzulegen.
Bis dahin bleibt es Sache jedes Einzelnen, sich zu schützen. Wer im Auto über Vertrauliches spricht, sollte daran denken, dass möglicherweise nicht nur der Beifahrer zuhört.
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