
Schulden-Rausch im Silicon Valley: KI-Riesen überholen Washington!

Diese Prognose dürfte an den Anleihemärkten noch lange nachhallen. Der frühere britische Premierminister Rishi Sunak sagte am 13. Oktober auf dem Bloomberg New Economy Forum in Neu-Delhi voraus, dass Technologiekonzerne schon 2027 mehr langfristige Anleihen netto ausgeben könnten als die US-Regierung. Der Grund ist der kaum zu stillende Kapitalhunger für Künstliche Intelligenz.
Ein Tabubruch am Anleihemarkt
Seit Jahrzehnten gilt an den Kapitalmärkten eine Regel: Wer sehr lange Laufzeiten finanzieren will, kommt um Staatsanleihen nicht herum. Sie sind der Maßstab, an dem sich alle anderen Schuldner messen lassen müssen. Genau diese Ordnung gerät jetzt ins Wanken.
„Die Kapitalnachfrage der Technologieunternehmen ist so enorm, dass – wenn man an langfristige Anleihen denkt, also Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren im nächsten Jahr – die Technologieunternehmen meiner Meinung nach sogar größere Nettoemittenten dieser Anleihen sein werden als die US-Regierung“
Ganz unparteiisch ist der Mahner allerdings nicht. Medienberichten zufolge arbeitet Sunak inzwischen als leitender Berater für den KI-Entwickler Anthropic. Er kennt die Branche also von innen.
Die Zahlen hinter dem Rausch
Wie groß die Summen schon heute sind, zeigt ein grober Vergleich der Emissionen im laufenden Jahr 2026:
- 418 Milliarden Dollar hat die US-Regierung bisher über Anleihen mit Laufzeiten ab zehn Jahren eingesammelt.
- 253 Milliarden Dollar haben die fünf größten KI-Emittenten Oracle, Meta, Alphabet, Microsoft und Amazon über alle Laufzeiten hinweg aufgenommen.
- Rund 450 Milliarden Dollar soll die weltweite KI-bezogene Schuldenaufnahme Berichten zufolge bereits Anfang September erreicht haben. Das wäre etwa doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2025.
Die US-Großbank JPMorgan rechnet Medienberichten zufolge bis 2030 sogar mit 4,1 Billionen Dollar an schuldenfinanzierten KI-Investitionen. Das Geld fließt in Rechenzentren, Chips und Stromnetze. Kurz gesagt: Es ist eine Wette auf eine Zukunft, die sich erst noch rechnen muss.
Warum das jeden Sparer betrifft
Die Folgen reichen weit über das Silicon Valley hinaus. Unternehmensanleihen bringen mehr Rendite als Staatspapiere, weil Konzerne grundsätzlich eher ausfallen können als die USA. Die 30-jährige US-Staatsanleihe rentiert derzeit mit 5,55 Prozent, eine Alphabet-Anleihe mit gleicher Laufzeit dagegen mit 6,65 Prozent.
Wenn die Tech-Giganten den Markt mit solch gut verzinsten Papieren fluten, wird das Kapital für die Staaten knapper. Sie müssen dann womöglich höhere Zinsen bieten, um überhaupt noch Käufer zu finden. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist zuletzt von ihrem Hoch bei 5,36 Prozent auf 5,18 Prozent gesunken. Für Entwarnung ist es trotzdem zu früh: Die hohe Neuverschuldung Washingtons und die Inflation infolge des Iran-Kriegs heizen die Renditen weiter an.
Europa im Schraubstock
Sunak blickte dabei ausdrücklich auch auf Europa. Den Regierungen dort gelinge es nicht, Haushaltsdisziplin zu halten, argumentierte er, und brachte das mit dem Aufstieg populistischer Politik in Verbindung. Beide Entwicklungen zusammen verschärften die Lage der europäischen Staatsfinanzen.
Deutschland ist davon nicht ausgenommen. Die Merz-Regierung hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro beschlossen, obwohl der Kanzler einst solide Finanzen versprochen hatte. Steigen die Zinsen weltweit, dürfte jeder neue Kredit teurer werden. Bezahlen müssten das am Ende die Steuerzahler von morgen.
Fazit: Wenn alle Schulden machen, zählt Substanz
Ob Staaten oder Konzerne: Die Welt finanziert ihre Zukunft zunehmend auf Pump. Ob die Billionen für KI jemals die erhofften Gewinne abwerfen, weiß heute niemand. Physisches Gold und Silber hängen dagegen nicht am Zahlungsversprechen eines Schuldners. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie deshalb helfen, Vermögen abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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