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Rock statt Predigt: Metallica & Co. rechnen mit Bühnen-Moralisten ab!

Rock statt Predigt: Metallica & Co. rechnen mit Bühnen-Moralisten ab!
Symbolbild: KI-generiert

Die Rockwelt rebelliert wieder – nur dieses Mal nicht gegen das Establishment, sondern gegen den erhobenen Zeigefinger. Metallica-Frontmann James Hetfield nutzte ein Konzert am 10. Oktober in der Sphere in Las Vegas für eine Abrechnung mit Kollegen, die ihre Bühne zur Kanzel machen. Mit Mötley Crüe, Alice Cooper und Mick Jagger stehen echte Schwergewichte auf seiner Seite.

„Liebe, Energie und harte Musik"

Der 63-Jährige hielt sich nicht mit Diplomatie auf. „Metallica ist nicht hier, um euch wie manche anderen Künstler mit ihrem Bullshit zu beeinflussen", rief Hetfield ins Publikum. Die Band wolle stattdessen dafür sorgen, dass die Fans „den ganzen Scheiß von draußen" vergessen.

„Metallicas Programm ist Liebe, Energie und harte Musik, Baby!"

Eine ähnliche Botschaft kommt aus dem Lager von Mötley Crüe. In einem Video, das derzeit im Netz die Runde macht, erklärt Bassist Nikki Sixx, für die Band sei es egal, ob jemand Republikaner oder Demokrat sei. Auch ob die Fans homo- oder heterosexuell seien, interessiere niemanden. „Denn wir sitzen alle im selben Boot. Sind wir uns einig?"

Beifall gab es von Disturbed-Sänger David Draiman. Konzerte sollten „Veranstaltungen sein, die Menschen zusammenbringen", schrieb er auf X. Sein Urteil über beide Bands lautete knapp: „Bravo".

Alice Cooper: „Dann seid ihr Politiker"

Noch deutlicher wurde Schockrock-Ikone Alice Cooper in einem Interview mit dem US-Magazin Rolling Stone. Sobald Musiker ihrem Publikum vorschreiben würden, wen es wählen solle, denke er sich: „Okay, Leute, jetzt seid ihr keine Musiker mehr, ihr seid Politiker." Er selbst werde seinen Ruhm nie dafür einsetzen, anderen Menschen Vorschriften zu machen.

Bemerkenswert ist Coopers Anekdote über John Lennon. Der Beatle habe ihn einst zu öffentlichem politischen Engagement drängen wollen. Seine Antwort damals: „Du versuchst, die Welt zu retten. Ich versuche nur, die Menschen zu unterhalten."

Auch Mick Jagger, mit 82 Jahren noch immer ein Bühnenmotor, äußerte sich im Juli gegenüber der New York Times ähnlich. Seine Aufgabe sei es, den Zuschauern zwei Stunden lang eine gute Zeit zu bereiten. „Man will ihnen keine Vorträge halten." Im September schloss sich Goo-Goo-Dolls-Sänger John Rzeznik an: Seine Fans kämen aus allen Lagern – und alle wollten schlicht eine Show sehen.

Der Fall Macklemore: Wenn die Bühne zur Front wird

Wie explosiv das Thema ist, zeigte zuletzt ein Eklat um Ed Sheerans Amerika-Tournee. Rapper Macklemore flog im September aus dem Vorprogramm, nachdem er bei einem Konzert in New Jersey „Free Palestine" gerufen und Israels Vorgehen im Gazastreifen angeprangert hatte. Laut Tourveranstalter hätten mehrere Stadionbetreiber weitere Auftritte mit ihm abgelehnt. Sheeran betonte, die Entscheidung habe nicht er getroffen.

Finneas und Lukas Graham verließen daraufhin aus Solidarität die Tour. Macklemore kündigte eine eigene „Free Palestine"-Tour an und erklärte, in Zeiten eines „Völkermords" unpolitisch zu bleiben, funktioniere nicht mehr. Einige US-Medien deuten Hetfields Worte als Seitenhieb auf genau diesen Streit.

Die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Medienberichten zufolge attackierte Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters, seit Jahren für scharfe politische Statements bekannt, Hetfield am 14. Oktober mit derben Beleidigungen. Unter anderem soll er ihn als „Niemand" bezeichnet haben. Beobachter dürften darin vor allem eines sehen: die beste Bestätigung für Hetfields These.

Was der Rock-Aufstand über unsere Zeit verrät

Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit. Wer heute oft dreistellige Summen für ein Konzertticket hinlegt, zahlt für Gitarrenriffs, nicht für eine Moralstunde von oben herab. Das Publikum besteht aus mündigen Erwachsenen – nicht aus Schülern, die belehrt werden müssen.

Dass ausgerechnet die alten Rebellen des Rock'n'Roll daran erinnern, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Auch hierzulande dürften viele Konzertgänger zustimmend nicken, die von Bühnenansprachen genug haben. Die Botschaft aus Las Vegas ist simpel: Musik verbindet. Predigten spalten.

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