
Rentenreform wackelt: Bas kassiert eigene Zusagen wieder ein

Erst Applaus fĂŒr das âGesamtkunstwerkâ, jetzt der RĂŒckzieher: Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) will bei der geplanten Rentenreform nachverhandeln. In einem Interview mit der âBildâ-Zeitung erklĂ€rte die SPD-Chefin, es gebe âGesprĂ€chsbedarf ĂŒber das ein oder andere Elementâ. In der Union sorgt das fĂŒr offenen Ărger.
âErstmal nur ein Kommissionsbeschlussâ
Bas' Argument klingt technisch, ist aber politisch brisant: âWir haben bei der Rente erstmal nur einen Kommissionsbeschluss, das ist ja noch keine politische Einigungâ, sagte sie. Nur: Der Koalitionsausschuss hatte Anfang Juli beschlossen, die Empfehlungen in ein Gesetzespaket zu gieĂen, das bis Jahresende den Bundestag passieren soll.
Gleichzeitig warnt die Ministerin davor, alles neu aufzuschnĂŒren. âIch warne davor, das Paket komplett aufzumachenâ, sagte sie â dann werde es gar keine Reform geben. Ein Spagat, den Beobachter als Versuch werten, gleichzeitig Reformerin und BeschĂŒtzerin der eigenen Klientel zu sein.
Worum es konkret geht
Die von der Regierung eingesetzte Expertenkommission hatte im Juni rund 30 Empfehlungen vorgelegt. Medienberichten zufolge gehören dazu unter anderem:
- Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren (âRente mit 63â)
- Anhebung der Altersgrenze fĂŒr langjĂ€hrig Versicherte von 63 auf 64 Jahre
- Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung nach 2031 â zunĂ€chst auf rund 67,5 Jahre
- Einbeziehung der Minijobs in die Rentenversicherung ohne Opt-out, Ausnahmen nur fĂŒr SchĂŒler
- Eine kapitalgedeckte Komponente, finanziert ĂŒber zwei zusĂ€tzliche Beitragsprozente
Genau hier hakt Bas nun ein. Bei den Minijobs meldeten Unternehmen Bedarf an, gerade in der Gastronomie. Und die Frage nach jenen, âdie sehr lange gearbeitet habenâ, sei ebenfalls offen. Widerstand gegen das Aus fĂŒr die 45-Beitragsjahre-Regel kam zuletzt auch von MinisterprĂ€sidenten aus CDU und SPD.
Union verliert die Geduld
In der Union wĂ€chst der Unmut ĂŒber die öffentlichen VorstöĂe der Ministerin. JU-Chef Johannes Winkel sagte dem âSternâ, Ănderungen an bereits vereinbarten MaĂnahmen mĂŒssten intern geklĂ€rt werden.
âDass immer wieder bereits geeinte Punkte durch öffentliche Interviews nachtrĂ€glich infrage gestellt werden, kann mit der Union nicht funktionieren.â
Bas konterte ironisch mit âschönen GrĂŒĂen an die Unionâ und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Deren Haus hatte zuvor die EinkommensteuerplĂ€ne von Finanzminister Lars Klingbeil in einem Brief als âinflationsbedingte heimliche Steuererhöhungâ kritisiert. Klingbeils Replik aus den USA: Von âOpposition in der Regierungâ halte er nichts.
Das eigentliche Problem bleibt liegen
WĂ€hrend sich die Koalitionspartner öffentlich beharken, lĂ€uft die Demografie unbeirrt weiter: immer weniger Beitragszahler, immer mehr Rentner, MilliardenzuschĂŒsse aus dem Bundeshaushalt Jahr fĂŒr Jahr. Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der Kern â eine Reform, die im Streit zerredet wird, verschiebt die Rechnung lediglich auf die JĂŒngeren.
FĂŒr viele BĂŒrger dĂŒrfte die Botschaft ernĂŒchternd sein: Wer sich allein auf staatliche Zusagen verlĂ€sst, verlĂ€sst sich auf ein System, dessen Spielregeln offenbar im Halbjahrestakt neu verhandelt werden. Private Vorsorge â breit gestreut, mit physischen Edelmetallen als krisenerprobter Beimischung â gewinnt in einem solchen Umfeld an Bedeutung.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die EinschÀtzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt weder eine Anlage- noch eine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene Recherche und liegt in der Verantwortung des Anlegers.
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