280.000
Kunden
Sicherer
Versand
17.10.2026
05:37 Uhr
KI-generiert

Pleite nach 175 Jahren: Traditions-Radbauer Böttcher kämpft ums Überleben!

Pleite nach 175 Jahren: Traditions-Radbauer Böttcher kämpft ums Überleben!
Symbolbild: KI-generiert

Ein Stück norddeutscher Industriegeschichte wankt: Die Böttcher Fahrräder GmbH aus Wesseln bei Heide in Schleswig-Holstein ist insolvent. Am 7. Oktober hat das Amtsgericht Meldorf die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Für die Belegschaft von knapp 100 Mitarbeitern beginnt eine Zeit der Ungewissheit.

Nach regionalen Medienberichten sind es genau 94 Beschäftigte. Ihre Löhne soll vorerst das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur sichern, und zwar für drei Monate. Was danach kommt? Das weiß im Moment niemand.

Die Zahlen zeigten schon lange nach unten

Überraschend kommt der Absturz nicht. Aus den veröffentlichten Jahresabschlüssen geht hervor, dass Böttcher 2024 rund 1,88 Millionen Euro Verlust gemacht hat. 2023 stand noch ein Gewinn von 305.000 Euro in den Büchern, 2022 waren es sogar 1,71 Millionen Euro. Innerhalb von nur zwei Jahren ist das Unternehmen also von solide auf tiefrot gerutscht.

Die Bilanz zum Jahresende 2024 zeigt das ganze Problem:

  • Verbindlichkeiten: 11,24 Millionen Euro, davon 10,55 Millionen bei Banken
  • Warenbestände: 13,26 Millionen Euro
  • Kasse und Bankguthaben: nur rund 387.000 Euro

Die Lager waren also voll, die Kasse fast leer. Ob sich die Räder auf einem Markt voller Rabattschlachten noch zum Bilanzwert verkaufen lassen, ist zumindest fraglich. Wie sich die Finanzen seit dem Stichtag entwickelt haben, ist nicht öffentlich bekannt.

Neuer Markenauftritt kurz vor dem Insolvenzantrag

Die Firma hatte noch versucht gegenzusteuern. Im Februar kündigte Böttcher eine Kooperation mit dem Fahrradgroßhändler BBF Bike an. Anfang September folgte ein neuer Markenauftritt: Radproduktion, Teilegroßhandel und E-Commerce-Dienstleistungen sollten unter einer gemeinsamen Dachmarke laufen. Nur wenige Wochen später lag der Insolvenzantrag auf dem Tisch.

Vorerst läuft der Betrieb weiter. Der vorläufige Insolvenzverwalter Vanja Alexander Kovacev erklärte, die Geschäftsführung habe schon vor dem Antrag mit der Sanierung begonnen und Investoren gesucht. Diese Suche werde jetzt fortgesetzt.

Vom Corona-Boom in die Rabattschlacht

Böttcher steht mit seinen Problemen nicht allein da. In der Pandemie war das Fahrrad plötzlich so begehrt wie Klopapier. Branchenvertretern zufolge stieg der Absatz 2020 um knapp 20 Prozent, und manche Händler bestellten das Fünffache ihrer üblichen Menge. Dann brach die Nachfrage ein, auch wegen der stark gestiegenen Energiepreise. Hersteller sollen Festzelte auf ihren Höfen aufgebaut haben, um die vielen Radkartons unterzubringen.

Die Folgen spürt die Branche bis heute. Laut Branchenauswertungen wurden 2025 in Deutschland nur noch 3,8 Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft, 3,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz sank um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro, manche Räder gab es mit bis zu 70 Prozent Rabatt. Auf der Liste der Pleiten stehen inzwischen Namen wie Prophete, YT Industries, Rocky Mountain und Hibike. Selbst Marktführer Canyon will Berichten zufolge bis zu 320 Stellen streichen.

Jubel in Berlin, Pleiten im Land

Insgesamt meldeten 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamts 24.064 Unternehmen Insolvenz an. Das waren 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 2014 nicht mehr. Finanzminister Lars Klingbeil feiert die angehobenen Wachstumsprognosen des IWF trotzdem mit den Worten „Wir sind zurück“. In Dithmarschen dürfte das ziemlich hohl klingen, denn dort sind gute Industriejobs ohnehin selten. Ein Aufschwung, der vor allem auf neuen Schulden beruht, ersetzt keine Wirtschaftspolitik, die den Mittelstand von Kosten und Bürokratie entlastet.

175 Jahre Geschichte stehen auf dem Spiel

Die Geschichte des Unternehmens beginnt 1851 mit einem Manufakturgeschäft in Heide. Fahrräder baut Böttcher seit 1903, also seit mehr als 120 Jahren. Die Firma hat Kriege, Währungsreformen und mehrere Wirtschaftskrisen überstanden.

Ob sie auch diese Krise übersteht, entscheidet sich wohl in den kommenden Wochen, nämlich daran, ob sich ein Investor findet. Für die 94 Familien in der Region hängt viel davon ab.

Wissenswertes zum Thema

Erhalten Sie kostenlose Tipps um Ihr Vermögen zu schützen und als erster von neuen Produkten zu erfahren

Sie möchten regelmäßig über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert werden? Dann melden Sie sich hier für den kostenfreien Kettner Edelmetalle Newsletter an.

Durch Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Abschicken“ geben Sie die folgende Einwilligungserklärung ab: „Ich bin damit einverstanden, per E-Mail über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert zu werden und willige daher in die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Zwecke der Zusendung des Newsletters ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung bleibt im Falle des Widerrufs unberührt.“