
Phoenix-Pleite: 90 Millionen Steuergeld in der Behörden-Cloud verbrannt!

Der staatliche IT-Dienstleister Dataport wollte deutschen Behörden mit dem Projekt âPhoenixâ eine Alternative zu Microsoft bieten. Ăbrig geblieben ist ein wirtschaftlicher Verlust von rund 90 Millionen Euro. Der Bund der Steuerzahler hat den Fall jetzt in sein neues Schwarzbuch 2026 aufgenommen.
Der Name sollte fĂŒr einen Neuanfang stehen. Ein Phönix steigt aus der Asche auf. In diesem Fall blieb vor allem die Asche.
Sechs BundeslÀnder, ein Milliardenkonzern als Gegner
Dataport ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Sie gehört Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie den Kommunen in Schleswig-Holstein. Mit Phoenix sollte ein eigener digitaler Arbeitsplatz fĂŒr die Verwaltung entstehen, der sie unabhĂ€ngiger vom US-Konzern Microsoft macht.
Die Idee selbst ist nicht abwegig. Die AbhĂ€ngigkeit von amerikanischen Softwareriesen kostet die öffentliche Hand Jahr fĂŒr Jahr hohe LizenzgebĂŒhren und wirft Fragen zum Datenschutz auf. Doch eine gute Idee ist noch lange kein gutes Projekt. Genau daran ist Phoenix gescheitert.
140 Millionen Euro, und der Vorstand gab Entwarnung
Nach Angaben des Hamburger Rechnungshofs hatte das Projekt bis zur entscheidenden Sitzung des Verwaltungsrats im Juni 2024 rund 140 Millionen Euro verschlungen. Nur wenige Wochen vorher soll der Vorstand dem Kontrollgremium noch versichert haben, das GeschÀftsmodell sei wirtschaftlich tragfÀhig.
Die RealitĂ€t sah anders aus. Um weiterzumachen, wĂ€ren laut damaliger SchĂ€tzung noch einmal etwa 100 Millionen Euro nötig gewesen. Selbst der Ausstieg sollte mindestens 32 Millionen Euro kosten. Die PrĂŒfer kommen zu dem Urteil, Dataport habe die finanziellen Risiken âgravierend unterschĂ€tztâ.
MĂ€ngelliste wie aus dem Lehrbuch
Der Rechnungshof spricht von âzahlreichen gravierenden MĂ€ngelnâ. Dazu gehörten den PrĂŒfern zufolge:
- eine lĂŒckenhafte Projektsteuerung,
- eine mangelhafte Dokumentation,
- ein unzureichendes Risikomanagement.
Ein internes und ein externes Gutachten hatten demnach bereits festgestellt, dass Phoenix als Produkt noch nicht wettbewerbsfÀhig gewesen sei.
Kunden springen ab, die Kosten steigen weiter
Mögliche Abnehmer zogen sich schon vor dem Ende zurĂŒck. Schleswig-Holstein, immerhin einer der EigentĂŒmer, stieg dem Rechnungshof zufolge unter anderem wegen Verzögerungen und fehlender Sicherheitskonzepte aus. Wenn schon der eigene Gesellschafter nicht mehr mitmacht, sollte das eigentlich ein deutliches Warnsignal sein.
Dataport reagierte trotzdem mit mehr Personal. Die Personalkosten fĂŒr Phoenix stiegen 2024 um rund 70 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Mehr Geld und mehr Köpfe als Antwort auf ein strukturelles Problem: Das kennt man aus vielen staatlichen GroĂprojekten. Funktioniert hat es auch diesmal nicht.
Ein Drittel des Eigenkapitals ist weg
Am Ende stellte Dataport die eigene Weiterentwicklung ein. Allein 2024 mussten 36,5 Millionen Euro an Investitionen abgeschrieben werden. Das Jahr endete mit einem Fehlbetrag von 28,9 Millionen Euro. Damit verlor das Unternehmen laut Rechnungshof fast ein Drittel seines Eigenkapitals.
Inzwischen rĂ€umt Dataport Fehler ein. Der Verlust gehe zwar auch auf eine strategische Neuausrichtung des Bundes zurĂŒck, aber ebenso auf âeigene Fehler in der DurchfĂŒhrung des Projektesâ. Eine direkte Nachschusspflicht fĂŒr LĂ€nder und Kommunen gebe es nach Angaben des Unternehmens nicht. Das beruhigt nur begrenzt. Das Eigenkapital einer staatlichen Anstalt stammt am Ende ebenfalls aus öffentlichen Mitteln.
Was ĂŒbrig bleibt: openDesk
Teile von Phoenix gingen an das vom Bund gegrĂŒndete Zentrum fĂŒr Digitale SouverĂ€nitĂ€t. Dort wird die Software unter dem Namen âopenDeskâ weiterentwickelt. Laut Dataport arbeiten inzwischen rund 160.000 Menschen damit, gut die HĂ€lfte davon frĂŒhere Dataport-Nutzer.
Das ist immerhin ein Ergebnis. Der Preis dafĂŒr bleibt aber happig. Und der Fall passt in ein bekanntes Muster: Der Staat will Unternehmer spielen, unterschĂ€tzt die Risiken, und am Ende zahlt der BĂŒrger. Zu einer Zeit, in der Berlin mit einem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro neue Schulden in nie dagewesener Höhe aufnimmt, ist das ein unbequemer Befund. Wer groĂe Summen verwaltet, sollte zuerst einmal mit kleinen Summen sorgfĂ€ltig umgehen können.
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