
Japans Migrations-Hammer: Daueraufenthalt plötzlich 20-mal teurer!

Tokio macht ernst. Seit dem 1. Oktober kostet Ausländer der Antrag auf ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Japan 200.000 Yen statt bisher 10.000 Yen, umgerechnet rund 1.125 Euro. Die Regierung von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi verschärft außerdem die Hürden bei Einkommen, Rente und Sprache. Damit ist schon jetzt klar, wohin die Reise geht.
Sieben Stunden Schlange vor dem Amt
Wie ernst es den Japanern ist, zeigte sich Medienberichten zufolge kurz vor dem Stichtag. Vor den Einwanderungsbehörden bildeten sich lange Schlangen. In Tokios zentralem Büro sollen Antragsteller mehr als sieben Stunden gewartet haben, weil sie der Preiserhöhung zuvorkommen wollten.
Auch befristete Titel werden spürbar teurer. Wer seinen Aufenthalt verlängern oder seinen Status ändern will, zahlte bisher pauschal 6.000 Yen. Jetzt richtet sich die Gebühr nach der Dauer: Für fünf Jahre werden bis zu 75.000 Yen fällig. Bei finanzieller Not und für anerkannte Flüchtlinge soll es laut Berichten Ermäßigungen geben.
Wer bleiben will, muss liefern
Mit der Gebühr allein ist es nicht getan. Wer dauerhaft bleiben möchte, muss künftig ein Einkommen nachweisen, das mindestens dem Durchschnitt vergleichbarer japanischer Haushalte entspricht. Als Richtwert gelten rund 5,75 Millionen Yen im Jahr, also gut 32.000 Euro.
Dazu kommt die Altersvorsorge. Die zu erwartende Rente soll ungefähr dem Niveau eines Arbeitnehmers mit 30 Beitragsjahren entsprechen. Reicht sie nicht, zählen auch Ersparnisse und andere Vermögenswerte. Wer etwas aufgebaut hat, wird belohnt. Das Leitbild heißt Eigenverantwortung, nicht Versorgung durch den Staat.
- Sprache und Regeln: Zum ersten Mal werden Japanischkenntnisse und das Wissen über Gesetze und gesellschaftliche Gepflogenheiten geprüft.
- Zeitplan: Die meisten neuen Anforderungen gelten für Anträge ab April 2027.
- Zahlungsmoral: Schon seit Februar fallen offene Steuern, Kranken- oder Rentenbeiträge stärker ins Gewicht, selbst wenn sie später nachgezahlt wurden.
Takaichis Begründung: Sorge in der Bevölkerung
Die konservative Regierungschefin begründete den Kurs auf X mit dem starken Anstieg der ausländischen Bevölkerung. Manche Japaner empfänden deswegen „Sorge und ein Gefühl der Ungerechtigkeit“, schrieb sie. Die neuen Regeln sollten erreichen, dass „sowohl Bürger als auch Ausländer sicher und geschützt leben können“.
Die Zahlen erklären das Tempo. Ende 2025 lebten nach Medienberichten mehr als 4,12 Millionen Ausländer in Japan, ein Rekord und ein Plus von 9,5 Prozent in nur einem Jahr. Das alternde Land braucht zwar Arbeitskräfte. Es will aber selbst entscheiden, wer kommt und unter welchen Bedingungen.
Ein Baustein von vielen
Die neuen Gebühren sind kein Einzelfall. Bereits im Juli hatte Tokio die Gebühren für bestimmte Touristenvisa um mehr als 400 Prozent erhöht. Für Business-Manager-Visa muss ein Unternehmen jetzt etwa 188.000 Dollar Kapital mitbringen statt bisher rund 31.000 Dollar.
Und Berlin? Schaut zu
Den Wählern gefällt die harte Linie offenbar. In einer landesweiten Umfrage der Zeitung Mainichi Shimbun stieg die Zustimmung zu Takaichis Kabinett um vier Punkte auf 45 Prozent, die Ablehnung sank auf 40 Prozent.
Für viele Bürger hierzulande wirkt das wie ein Blick in eine andere Welt. In Japan muss man Einkommen, Rente, Sprachkenntnisse und Steuertreue nachweisen, bevor man dauerhaft bleiben darf. In Deutschland ringt die Regierung Merz dagegen seit Monaten um Korrekturen an einer Migrationspolitik, die Kritiker seit Jahren für zu großzügig halten. Tokio zeigt, dass ein moderner Industriestaat Zuwanderung klar an Leistung knüpfen kann. Und die Wähler strafen ihn dafür nicht ab, im Gegenteil. Ob man in Berlin daraus etwas lernt?
- Themen:
- #Umfragen












