
Gold-Rennen in Asien: Schweizer Scheideanstalten zieht es nach Hongkong!

Seit Jahrzehnten wird in der Schweiz ein großer Teil des Weltgoldes geschmolzen und gegossen. Jetzt richten die wichtigsten Adressen der Branche den Blick nach Osten. Hongkongs Finanzminister Christopher Hui Ching-yu berichtete nach einer Reise in die Schweiz, mehrere führende Schweizer Goldscheideanstalten prüften eine stärkere Präsenz in der Sonderverwaltungszone. Für den globalen Goldmarkt könnte das ein Signal mit Sprengkraft sein.
Charmeoffensive in den Alpen
Hui ist in Hongkong für Finanzdienstleistungen und das Schatzamt zuständig. Auf seiner Reise besuchte er unter anderem MKS PAMP. Das Unternehmen hat sein regionales Hauptquartier für den Asien-Pazifik-Raum bereits in Hongkong eingerichtet.
Eine weitere Station war Argor-Heraeus, einer der traditionsreichsten Namen der Branche. Dort ließ sich der Minister zeigen, wie sich die Herkunft von Edelmetallen heute nachverfolgen lässt. Blockchain, künstliche Intelligenz und digitale Analyseverfahren sollen die Lieferketten transparenter machen. Seit den Debatten um Konfliktgold und Geldwäsche gehört das Thema bei jeder seriösen Raffinerie ganz nach oben.
Valcambi und ein Stahlkonzern: ungewöhnliches Duo
Am meisten Aufmerksamkeit bekam Valcambi. Medienberichten zufolge will die Schweizer Scheideanstalt gemeinsam mit dem Hongkonger Stahlhersteller Shiu Wing Steel ein Projekt prüfen: eine eigene Goldscheideanstalt in Hongkong, mit angeschlossenem Lager- und Verwahrungszentrum.
Ein fertiger Bauplan ist das noch nicht, nur eine Prüfung. Die Richtung ist trotzdem klar.
Pekings Masterplan: 2.000 Tonnen im Tresor
Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Schon in ihrer Grundsatzerklärung von 2025 kündigte die Hongkonger Regierung an, die Lagerkapazität für Gold innerhalb von drei Jahren auf über 2.000 Tonnen auszubauen. Laut offiziellen Angaben entwickelt die Flughafenbehörde dafür Tresoranlagen in der Größenordnung von tausend Tonnen. Außerdem will die Stadt gezielt Raffinerien anlocken.
Im Juli 2026 ging zudem ein zentrales Clearing- und Abwicklungssystem für Gold in den Probebetrieb. Dazu gehören eine Anbindung an die Shanghai Gold Exchange und ein eigener Hongkonger Referenzpreis. Die Börse aus Shanghai betreibt in der Stadt bereits ihr erstes Auslandslager. Ein hochrangiger Hongkonger Finanzbeamter sagte offen, worum es geht: Chinas Marktanteil und Einfluss am internationalen Goldmarkt sollen wachsen.
London und New York unter Druck
Bisher bestimmen London und New York den Goldhandel. Doch das Zentrum des Marktes rückt spürbar nach Asien. Dort kaufen Notenbanken und Privatanleger seit Jahren physisches Gold in großem Stil. Wer Raffinerie, Tresor, Clearing und Preisbildung an einem Ort bündelt, gewinnt Einfluss auf den wichtigsten Krisenanker der Welt.
Und Europa? Die Schweizer Scheideanstalten handeln wirtschaftlich vernünftig, wenn sie dorthin gehen, wo die Nachfrage boomt. Brüssel und Berlin scheinen die strategische Bedeutung des Goldmarkts dagegen kaum wahrzunehmen, während Peking Schritt für Schritt Infrastruktur aufbaut. Dabei verwaltet die Bundesbank die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Wäre da nicht etwas mehr strategischer Ehrgeiz angebracht?
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger ist die Botschaft klar: Gold ist kein Relikt. Es ist ein Gut, um das Großmächte ringen. Wenn Staaten Milliarden in Tresore und Handelsplätze stecken, zeigt das, wie wichtig das Edelmetall als Vermögensanker in unsicheren Zeiten ist. Physisches Gold und Silber können deshalb eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sein. Man kann sie anfassen, und sie hängen nicht vom Versprechen einer Bank oder Regierung ab.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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