
Gold nach dem Ausverkauf: Warum selbst eine Gold-Skeptikerin jetzt kauft

Ausgerechnet eine bekennende Gold-Skeptikerin erwartet jetzt eine Erholung. Carley Garner, MitgrĂŒnderin des US-Brokerhauses DeCarley Trading, sieht nach dem jĂŒngsten Kursrutsch beim Gold Spielraum fĂŒr eine Erholungsrally bis in den Oktober hinein. Langfristig bleibt sie trotzdem pessimistisch, und genau dieser Widerspruch macht ihre Analyse interessant.
Von 5.589 Dollar in die Tiefe
Zur Einordnung: Gold hatte Ende Januar 2026 Berichten zufolge ein Rekordhoch von rund 5.589 Dollar je Feinunze erreicht. Danach ging es krĂ€ftig abwĂ€rts. Als ein Grund dafĂŒr gilt, dass die US-Notenbank unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh die LiquiditĂ€t im Markt verknappen will. Zuletzt notierte das gelbe Metall um die 4.200 Dollar.
FĂŒr Garner ist dieses Niveau eine Einstiegschance, allerdings nur fĂŒr eine kurzfristige Gegenbewegung. Kurse von 5.000 oder 5.500 Dollar halte sie fĂŒr unrealistisch. Die nĂ€chsten 300 bis 400 Dollar dĂŒrften nach ihrer EinschĂ€tzung aber eher nach oben gehen.
Saisonale Daten und eine Trendlinie, die gehalten hat
Ihre Argumente sind vor allem technischer Natur. Laut den saisonalen Daten, die Garner auswertet, hat ein Goldkauf um den 29. September mit Verkauf um den 25. Oktober in 12 der letzten 15 Jahre Gewinn gebracht. AuĂerdem hĂ€tten die Dezember-Futures trotz des heftigen Abverkaufs eine wichtige tĂ€gliche Trendlinie gehalten.
Die UnterstĂŒtzung um 4.000 Dollar dĂŒrfte nach ihrer Ansicht halten. Zusammen mit den Turbulenzen rund um den Andienungszeitraum des Oktober-Kontrakts spreche einiges dafĂŒr, dass der Markt zumindest vorĂŒbergehend einen Boden gefunden habe. Ihr realistisches Kursziel liegt bei etwa 4.500 Dollar. Im besten Fall seien bis zu 4.650 Dollar drin, wo die 200-Tage-Linie verlĂ€uft.
Eine Wette mit Haken
Garner setzt auf eine Optionsstrategie. Dabei wird ein Dezember-Put mit Basis 3.900 Dollar verkauft. Mit der eingenommenen PrĂ€mie werden ein Call bei 4.300 Dollar gekauft und ein Call bei 4.450 Dollar verkauft, ein sogenannter Call-Spread. FĂ€llt Gold deutlich unter 3.900 Dollar, ist das Verlustrisiko nach Garners eigener Aussage unbegrenzt. FĂŒr Kleinanleger ist das ein Spiel mit dem Feuer.
Anleihen als Auslöser
Den AnstoĂ fĂŒr eine Erholung könnte der US-Anleihemarkt geben. Garner vermutet, dass die Kurse der Staatsanleihen nach Jahren der SchwĂ€che auf einen dramatischen Tiefpunkt zulaufen, einen sogenannten âBlow-off Bottomâ.
âSobald es irgendein Anzeichen fĂŒr eine Stabilisierung bei den Treasuries gibt, bekommt Gold meiner Meinung nach die Chance auf eine Erholungsrally. Das Risiko ist, dass es bei solchen Ausverkaufsbewegungen keine Grenze fĂŒr das Chaos gibt.â
Dass ausgerechnet der Markt fĂŒr US-Staatsanleihen, angeblich der sicherste Hafen der Welt, solche Sorgen auslöst, sagt viel ĂŒber den Zustand der Staatsfinanzen in Washington aus.
Der Dollar als Gegenspieler
Langfristig sieht Garner vor allem im US-Dollar eine Gefahr fĂŒr Gold und Silber. Die US-WĂ€hrung habe in diesem Jahr eine rund 20 Jahre alte Trendlinie getestet, an der es frĂŒher oft krĂ€ftige Erholungen gab. Ein Ausbruch des Dollars nach oben wĂ€re aus ihrer Sicht der âSargnagelâ fĂŒr die Edelmetalle. Bei 4.500 bis 4.600 Dollar wolle sie deshalb lieber wieder auf fallende Kurse setzen. Auch beim Kupfer, dem Liebling der KI- und Elektrifizierungsfantasie, hĂ€lt sie eine Korrektur von 30 bis 50 Prozent fĂŒr möglich.
Mit dieser Sicht steht Garner allerdings ziemlich allein da. Morgan Stanley rechnet Berichten zufolge in der zweiten JahreshĂ€lfte 2027 mit Kursen ĂŒber 5.000 Dollar. State Street hĂ€lt 5.000 Dollar bis zum zweiten Quartal 2027 fĂŒr möglich. Natixis erwartet zum Jahresende dagegen eher 4.100 Dollar.
Fazit: Charttechnik ist kein Grund zum Verkaufen
Kurzfristige Prognosen mit Optionen sind etwas fĂŒr Profis. FĂŒr Sparer, die ihr Vermögen sichern wollen, zĂ€hlt etwas anderes. Hohe Staatsschulden in den USA und Europa und eine Geldpolitik, die nach jeder Krise wieder lockerer wird, bleiben bestehen, egal ob der Dollar gerade ein paar Monate zulegt. Physisches Gold und Silber bleiben deshalb eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen, und RĂŒcksetzer wie der aktuelle können gĂŒnstige Zeitpunkte zum schrittweisen Aufstocken sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. TermingeschĂ€fte und Optionen sind mit erheblichen Verlustrisiken verbunden, die ĂŒber den eingesetzten Betrag hinausgehen können. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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