
Gas zu teuer: Europa holt die Kohle zurück – nur Berlin schaltet ab!

Europas Stromversorger machen eine Kehrtwende, mit der vor einem Jahr kaum jemand gerechnet hätte. Seit der Nahost-Krieg Erdgas extrem verteuert hat, laufen die Kohlekraftwerke wieder auf Hochtouren. Analysten erwarten laut Medienberichten, dass die Kohleverstromung in Europa innerhalb von sechs Monaten um 25 Prozent zulegt und die Gasverstromung ungefähr im gleichen Umfang einbricht.
Hormus-Blockade treibt den Gaspreis in die Höhe
Der Auslöser liegt Tausende Kilometer entfernt. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hat Berichten zufolge die Flüssiggaslieferungen durch die Straße von Hormus stark gedrosselt. Im September stieg der europäische Referenzpreis für Gas deshalb zeitweise auf über 80 Euro je Megawattstunde. So teuer war Gas seit drei Jahren nicht mehr.
Kohle wurde dagegen nur wenig teurer. Nach Daten des Analysehauses ICIS arbeiten Stein- und Braunkohlekraftwerke deshalb erstmals seit mindestens 2024 im Schnitt rentabler als Gaskraftwerke. Und das, obwohl sie für ihre Emissionen teure CO₂-Zertifikate kaufen müssen.
Die nackten Zahlen
Modellrechnungen zeigen den Abstand bei den kurzfristigen Erzeugungskosten. Brennstoff, Wirkungsgrad und CO₂-Preis sind darin bereits enthalten:
- Gaskraftwerke: rund 165 Euro je Megawattstunde
- Steinkohlekraftwerke: rund 100 Euro
- Braunkohlekraftwerke: rund 90 Euro
Je nach Anlage weichen die Werte ab. Die Richtung ist trotzdem klar: Ausgerechnet der vermeintliche Klimasünder ist derzeit der günstigste Stromlieferant unter den Großkraftwerken.
Strohfeuer oder Trend?
Laut einer Analyse des Rohstoffberaters CRU sind Europas Erzeuger schon im September spürbar von Gas auf Kohle umgestiegen. Für Oktober wird noch mehr erwartet. Marktbeobachter gehen zudem davon aus, dass Kohle bis mindestens März 2028 günstiger bleibt als Gas.
Das Problem: Europa hat jahrelang Kraftwerke stillgelegt. Laut Eurostat sank der Kohleanteil am EU-Strommix von mehr als einem Drittel im Jahr 1990 auf ein Rekordtief von 9,2 Prozent im Jahr 2025. Viele abgeschaltete Blöcke lassen sich nicht einfach wieder hochfahren. Steigt der Gaspreis weiter, gibt es kaum noch Reserven, auf die man ausweichen kann.
Deutschland: Ausstieg um jeden Preis?
Deutschland hält trotzdem am gesetzlichen Kohleausstieg bis spätestens 2038 fest. Nordrhein-Westfalen will bei der Braunkohle sogar schon 2030 aufhören, und die letzten Atomkraftwerke sind seit 2023 vom Netz. Anfang September meldete die Bundesnetzagentur, dass schon so viele Kohlekraftwerke den Markt verlassen haben, dass sogar das gesetzliche Ziel für 2029 übertroffen wird.
Dabei trägt Kohle die Versorgung weiter mit. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte sie 49,4 Milliarden Kilowattstunden, also 21,4 Prozent des deutschen Stroms. Gas kam auf 16,5 Prozent. Allerdings ging die Kohleverstromung gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,5 Prozent zurück. Einen Anstieg in Deutschland gibt es also noch nicht.
Berlin prüft – und zögert
Ende August bestätigte das Bundeswirtschaftsministerium, dass es den Einsatz von Reservekraftwerken gegen hohe Strompreise prüft. Den Anstoß hatte Unionsfraktionsvize Sepp Müller gegeben, die SPD lehnte den Vorschlag ab. Ein Ministeriumssprecher sagte laut dpa:
„Das ist aus fachlichen und ökonomischen und auch europarechtlichen Gründen nicht ganz einfach.“
Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte dazu, diese Frage stelle sich momentan nicht. Tatsächlich sind viele Reserveanlagen alt und ineffizient. Pikant ist trotzdem: Laut Fachpresse haben Union und SPD genau diese Möglichkeit selbst in ihren Koalitionsvertrag geschrieben.
Der teure Widerspruch
Stattdessen setzt die Bundesregierung auf neue Gaskraftwerke. Damit macht sie Deutschland noch abhängiger von importiertem Gas, also genau von dem Brennstoff, dessen Preis gerade so stark steigt. Kritiker werfen Berlin vor, Ideologie wichtiger zu nehmen als Wirtschaftlichkeit. Bezahlen müssen am Ende Bürger und Mittelstand über ihre Stromrechnung.
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Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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