
Erst bauen, dann regulieren: Nvidia-Chef erteilt Merz eine KI-Lektion

Die Bühne war für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gedacht, doch den Satz des Abends sprach ein anderer. Auf dem „Invest in Germany Summit“ in Berlin fragte Merz am Montagabend Nvidia-Chef Jensen Huang, wie man Künstliche Intelligenz am besten reguliere. Der Herr über den wertvollsten Konzern der Welt ließ ihn abblitzen, und seine Antwort zielte auch auf Brüssel.
Die Frage, die alles verrät
Merz bezog sich auf Debatten, die vor allem auf EU-Ebene geführt würden. Er gab sich ausgewogen: Gar keine Regulierung sei sicher die falsche Antwort, zu viel davon aber auch. Dann wollte er von Huang wissen, wie man den möglichen Risiken der Technologie am besten begegne.
Das ist eine typisch deutsche Frage. Bevor etwas steht, wird schon über die Leitplanken geredet. Huang drehte die Reihenfolge einfach um.
„Man kann nicht regulieren, wenn die Technologie nicht vorliegt.“
Zuerst räumte der Nvidia-Gründer ein, dass Sicherheit Vorrang haben müsse. Zwischen technischem Fortschritt und Sicherheit müsse man sich aber nicht entscheiden. Danach kam der Satz, der sitzt: Deutschland spiele bei der KI-Entwicklung derzeit keine große Rolle. Die Technik, die man für Sicherheit brauche, müsse erst einmal gebaut werden.
„Sicherheit ist Technologie“ statt Paragrafen
Huang machte klar, wie er sich die Reihenfolge vorstellt. Sicherheit entstehe nicht aus „Hoffnungen und Träumen“, sondern durch Technologie und Entwicklung. Firmen müssten schon beim Entwickeln bewährte Sicherheitsstandards einhalten. Gerade kleinere Unternehmen machten hier noch zu viele Fehler.
Staatliche Regulierung sei für ihn erst die „dritte Säule“. Sie solle fertige Anwendungen erfassen und müsse sich praktisch durchsetzen lassen. Die Technologie selbst zu regulieren, sei dagegen kaum möglich. Als Beispiel nannte Huang das Internet, bei dem es am Anfang ähnliche Sicherheitsfragen gegeben habe. Seine Zusammenfassung für Deutschland:
„Es gibt nichts zu regulieren, wenn die Industrie nicht gedeiht.“
Wer an den AI Act der EU denkt, versteht die Spitze. Europa hat sich das weltweit erste umfassende KI-Gesetz gegeben, aber kaum eigene KI-Riesen hervorgebracht. Kritiker sagen das schon lange: Der Kontinent sei Weltmeister im Regeln schreiben, nicht im Erfinden.
Schöne Bilder, harte Zahlen
Schon vor dem Gipfel hatte Huang bei einem Auftritt in London deutliche Worte gefunden. Nichts schmerze ihn mehr, als zu sehen, wie eines der technologisch fortschrittlichsten Länder so weit zurückbleibe. Immerhin traue er den Deutschen zu, eine führende Rolle zu spielen, wenn sie ihr Potenzial endlich nutzten.
Medienberichten zufolge haben Bundesregierung und Nvidia beim Gipfel eine Absichtserklärung unterzeichnet. Gemeinsam wollen sie KI-Modelle für die Industrie entwickeln. Merz sprach von der größten Modernisierungsinitiative der jüngeren Geschichte und warb vor rund 200 Managern und Investoren.
Die Wirklichkeit sieht weniger glänzend aus. Nach Zahlen des Ifo-Instituts sind die privaten Investitionen in Deutschland seit 2019 gesunken. Berlin hält mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen dagegen, also mit Schulden, die künftige Steuerzahler bezahlen müssen. Dazu kommt ein staatlicher „Deutschlandfonds“ über 30 Milliarden Euro. Wie schnell solche Hoffnungen platzen können, zeigt die gescheiterte Intel-Fabrik in Sachsen-Anhalt.
Was bleibt vom Abend?
Huangs Botschaft war eine höfliche, aber deutliche Absage an die Brüsseler Gewohnheit, erst zu regeln und dann zu hoffen. Ohne bezahlbare Energie, weniger Bürokratie und Platz für Unternehmer bleibt jede Absichtserklärung Papier. Wer KI regulieren will, muss sie zuerst selbst bauen. Ob die Bundesregierung das verstanden hat, wird sich nicht auf Gipfeln zeigen, sondern an den Investitionszahlen der nächsten Jahre.
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