
Endgültig vorbei: Bayern gibt Isar 2 zum Abriss frei!

Das Kapitel ist geschlossen. Anfang Oktober 2026 hat das Bayerische Umweltministerium den vollständigen Rückbau des Kernkraftwerks Isar 2 bei Landshut genehmigt. Am 7. Oktober meldete Betreiber PreussenElektra den Eingang der zweiten und letzten Abbaugenehmigung. Ab jetzt darf auch das Herz der Anlage zerlegt werden, der Reaktordruckbehälter.
Damit ist eines der leistungsstärksten Kraftwerke Deutschlands endgültig Geschichte. Der Abriss soll rund eine Milliarde Euro kosten. Den Schlusspunkt soll im Jahr 2040 die Sprengung des 165 Meter hohen Kühlturms setzen.
Roboter statt Menschen: Der Reaktor wird zerschnitten
Zuständig für die atomrechtliche Genehmigung ist das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Schon im März 2024 erteilte es die erste Stilllegungs- und Abbaugenehmigung. Damals ging es um Anlagenteile, die nicht mehr gebraucht wurden. Die neue Erlaubnis reicht weiter: Sie umfasst die zentralen Komponenten des Reaktors. Damit sind alle vorgesehenen Abbauphasen behördlich abgesegnet.
Am schwierigsten wird die Zerlegung des stählernen Reaktordruckbehälters, der den Reaktorkern umschloss, und seines biologischen Schutzschilds aus massivem Beton. Weil die Bauteile radioaktiv belastet sind, setzt Kraftwerksleiter Carsten Müller nach eigenen Angaben auf ferngesteuerte Robotertechnik. Bei bestimmten Arbeiten dürfen sich Mitarbeiter gar nicht direkt an den Komponenten aufhalten.
800-Kilo-Brocken stürzte ins Becken
Wie heikel die Arbeit ist, zeigte sich im November 2025. Bei der Demontage löste sich ein etwa 800 Kilogramm schweres Metallteil aus seiner Halterung und stürzte in ein mit Wasser gefülltes Becken. Dabei wurde die innere Auskleidung beschädigt, und Wasser drang in den überwachten Zwischenraum der doppelwandigen Konstruktion ein. PreussenElektra unterbrach die Arbeiten und untersuchte den meldepflichtigen Vorfall.
Seit Ende 2024 zerlegen Fachleute die Einbauten des Reaktordruckbehälters unter Wasser, weil das Wasser die Strahlung abschirmt. Weitere Brennelemente sollen zwischen August 2027 und August 2028 in einer eigenen Kampagne herausgeholt werden. Danach folgen weitere Demontage- und Dekontaminationsarbeiten. Jedes belastete Teil muss erfasst, untersucht und nach den gesetzlichen Vorgaben entsorgt werden.
Zwei Milliarden Euro für den Abriss
Laut der bayerischen Staatsregierung sind für Isar 2 rund eine Milliarde Euro angesetzt. Für den Nachbarblock Isar 1, der schon 2011 vom Netz ging, kommt noch einmal etwa eine Milliarde dazu. Zusammen sind das rund zwei Milliarden Euro. Genaue Zahlen zu den tatsächlichen Gesamtausgaben liegen dem Umweltministerium allerdings nicht vor.
Bei Isar 2 trägt PreussenElektra 75 Prozent der Kosten, die Stadtwerke München übernehmen 25 Prozent. Den Rückbau von Isar 1 bezahlt PreussenElektra allein. Die langfristige Lagerung des Atommülls ist gesondert geregelt. Die wahre Gesamtrechnung fällt also deutlich höher aus.
Ein Kraftwerk, das noch hätte laufen können
Isar 2 ging 1988 ans Netz und lieferte rund 1.400 Megawatt elektrische Nettoleistung. Am 15. April 2023 wurde es im Zuge des Atomausstiegs abgeschaltet, mitten in der Energiekrise. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte sich laut Medienberichten noch Anfang 2025 dafür ausgesprochen, den Reaktor wieder hochzufahren. Unter der Großen Koalition von Friedrich Merz kam die Kernkraft aber nicht zurück. Jetzt verschwindet die Technik Stück für Stück.
Auf dem Gelände plant PreussenElektra schon neue Projekte. Am früheren Kraftwerksstandort Niederaichbach entsteht ein Batteriespeicher mit 52 Megawatt Leistung und 121 Megawattstunden Kapazität, der Ende 2027 in Betrieb gehen soll. Diskutiert werden außerdem weitere Speicher, ein Rechenzentrum und langfristig die Kernfusion.
Ein Batteriespeicher ersetzt allerdings kein Kraftwerk, das rund um die Uhr Strom liefert. Er gibt Energie nur für einige Stunden ab. Während Länder wie Belgien und Spanien ihren Atomausstieg zurücknehmen oder verschieben, schafft Deutschland vollendete Tatsachen. Wenn 2040 der Kühlturm fällt, geht damit ein großes Stück bayerischer Versorgungssicherheit verloren.
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik

















